Aus der Geschichte Beurons
Die Erzabtei Beuron liegt etwa in der Mitte des Durchbruchs der jungen Donau durch den südwestlichen Ausläufer des Schwäbischen Jura, im Herzen des Naturparks Obere Donau, in einem von schroff aufragenden Kalkfelsen umrandeten Talkessel.
Diese Landschaft mit ihren Höhlen und bewaldeten Höhen war bereits in vorgeschichtlichen Zeiten von Menschen bewohnt. Davon zeugen Funde aus der Steinzeit, der Bronzezeit und La-Tène-Zeit. Die Reste eines keltischen Ringwalles sind heute noch in der Nähe des Altstattfelsens zu erkennen. Der Name Beuron kommt von dem alten Wort "bur" = Häuser und läßt auf eine frühe geschichtliche Siedlung schließen. In einem Besitzverzeichnis der Abtei St. Gallen aus dem Jahre 861 findet man die Ortsbestimmung "Purron", mit der wohl Beuron gemeint ist.
Die Sage berichtet, Graf Gerold von Bussen, ein treuer Gefolgsmann und Bannerträger, Karls des Großen, habe 777 das erste Kloster Beuron gegründet. Anzeichen deuten darauf hin, daß es auf der Höhe gelegen war; dort, wo seit 1813 die Toten der Kriege ihre letzte Ruhe gefunden haben, auf dem Gelände des Soldatenfriedhofs. Die erste Anlage wurde von den Ungarn zerstört. Der 1077 erfolgte Wiederaufbau am heutigen Platz im Donautal wird dem Grafen Peregrin von Hoßkirch zugeschrieben. Die erste erhaltene Urkunde über das alte Kloster Beuron stammt aus dem Jahre 1097. In ihr bestätigt Papst Urban die Gründung und nimmt sie in päpstlichen Schutz. Beuron war eines der ältesten Augustiner-Chorherrenstifte Deutschlands und gehörte zur lateranensischen Augustinerkongregation. Kloster und Kirche standen von Anfang an unter dem Schutz des heiligen Martinus von Tours und der Gottesmutter.
Ein Ölbild aus der Zeit um 1700, im Besitz des Klosters, stellt die Klosteranlage des 16.Jahrhunderts dar. Kirche und Kloster standen an der gleichen Stelle wie heute. Die Kirche war eine einfache romanische Basilika mit gotischen Maßwerkfenstern. Den Turm deckte ein Satteldach mit gestaffelten Giebeln, von ihm steht noch der viereckige Unterbau. Bedeutende Güter zwischen Donau, Neckar und Lauchert gehörten zum Besitz des Stiftes. Im Dreißigjährigen Krieg wurde das Kloster fast völlig zerstört. Doch die Stiftsherren beauftragten bereits 1694 Franz Beer mit dem Wiederaufbau des Ost- und Westflügels, und in den Jahren 1732-1738 lassen sie von Matthäus Scharpf die Kirche neu bauen. Sie wird in den folgenden Jahrzehnten von bedeutenden Künstlern ausgestattet. Die Säkularisation hob auch das Stift Beuron auf und übertrug es mit allen seinen Besitzungen dem fürstlichen Hause von Hohenzollern-Sigmaringen.
Das verlassene Kloster diente in Kriegszeiten als Militärspital, im Frieden verwandte man einen geringen Teil der Räume als Amtswohnungen. Nach sechzig Jahren, am 6. Dezember 1862, ermöglichte die Stiftung der Fürstin - Witwe Katharina von Hohenzollern den Neubeginn klösterlichen Lebens in den zweckentfremdeten Gebäuden. Die Fürstin hatte Kirche und Klostergebäude ihrem Stiefsohn Karl Anton von Hohenzollern abgekauft und den Benediktinern Maurus und Plazidus Wolter, die sie in Rom kennengelernt hatte, zur Verfügung gestellt. Diese beiden in Bonn geborenen Brüder waren Mönche der Abtei "St. Paul vor den Mauern" in Rom. Sie kehrten nach Deutschland zurück und gründeten in Beuron das klösterliche Leben nach der Regel des heiligen Benedikt.
Am Pfingstsonntag 1863 begann das Lob Gottes in der Klosterkirche, und am Tag danach beteten zum erstenmal wieder die Wallfahrer vor dem Gnadenbild der schmerzhaften Mutter Gottes. Da Beuron in den hohenzollerischen Landen lag, die 1849 zu Preußen gekommen waren, mußten die Benediktiner aufgrund der preußischen Kulturkampfgesetze schon 1875 Beuron wieder verlassen. Doch nach 12 Jahren durften sie in ihre klösterliche Heimat zurückkehren. In kurzer Zeit war die Anzahl der Mönche so stark angewachsen, daß die barocke Klosteranlage erweitert werden mußte. Es wurden nach und nach der Refektoriumstrakt und der Gästeflügel gebaut, sowie der Kleriker- und Bibliotheksbau. Als im Sommer 1959 die Scheunen und Stallungen einem Brand zum Opfer fielen, wurde außerhalb der Klosteranlage eine moderne Ökonomie errichtet. Am Platz der alten Ökonomie entstanden der neue Pfortenbau mit dem Vetus-Latina-Institut und entlang der Straße ein Erweiterungsbau des Kunstverlages sowie ein weiteres Werkstättenhaus.
Beuron weitete sich aber auch aus durch Gründung und Neubesiedlung anderer Klöster in Deutschland, außerhalb Bayerns, wo das benediktinische Mönchtum schon einige Jahrzehnte früher wiedererstanden war, und im Ausland. Infolge politischer Umwandlungen konnten sich freilich die meisten Beuroner Klöster im Ausland nicht halten oder schlossen sich anderen monastischen Verbänden an. Nachdem zahlreiche Tochtergründungen von Beuron ausgegangen waren, nannte man das Mutterkloster "Erzabtei" und den Vater des Klosters "Erzabt".
Mit den Tochterklöstern bildet die Erzabtei innerhalb des gesamten Benediktinerordens, der "benediktinischen Konföderation", einen eigenen Verband: die "Beuroner Benediktinerkongregation". Zu ihr gehören zur Zeit: die Erzabtei Beuron, die Abteien Weingarten, Neresheim, Wimpfen und Neuburg bei Heidelberg in Baden-Württemberg, die Abtei Tholey im Saarland, die Abtei Maria Laach in der Eifel, die Abtei Gerleve in Westfalen, das Priorat Nütschau in Schleswig-Holstein und die Abtei Seckau in der Obersteiermark. Ebenfalls zur Beuroner Kongregation zählen die Frauenabteien: Kellenried in Baden-Württemberg, Engelthal und Fulda in Hessen, St. Hildegard/Eibingen im Rheingau; Herstelle und Varensell in Westfalen, Bertholdstein in der Steiermark, Säben in Südtirol und die Priorate Asebakken in Dänemark und Marienrode in Niedersachsen.![]()
Wer war der heilige Benedikt, nach dem sich die Mönche in Beuron benennen und nach dessen Regel sie ihr Leben gestalten? Der heilige Benedikt stammt aus dem römischen Landadel der Sabiner Berglandschaft und wurde gegen Ende des fünften Jahrhunderts bei Nursia, heute Norcia, als Sohn christlicher Eltern geboren.
Nach erstem Unterricht in seiner umbrischen Heimat wurde er nach Rom geschickt, um sich dort auf den Staatsdienst vorzubereiten. Doch das lebenstolle Treiben der Studenten in Rom stieß ihn ab. Er ließ das Studium der Beredsamkeit und Rechtswissenschaft und auch Rom hinter sich, um die heilige Wissenschaft zu erlernen. Er zog sich als Einsiedler in die Wildnis von Subiaco zurück. Nach einer langen Zeit völliger Einsamkeit wendet sich Benedikt wieder den Menschen zu. Er belehrt die Hirten, die in der Nähe ihre Herden hüten; auch andere Menschen suchen Benedikts Einöde auf, um seinen Worten vom christlichen und mönchischen Lebenswandel zu lauschen. Viele von ihnen bleiben, und nach und nach entstehen zwölf Klostergemeinschaften. Benedikt ist ihr Leiter, die Seele dieser Mönchskolonie auf dem Hügelland von Subiaco.
Es gilt als sicher, daß Benedikt das 50. Lebensjahr bereits überschritten hatte, als er mit seinen geistlichen Brüdern auf dem Monte Cassino den Grundstein zum Mutterkloster des Benediktinerordens legte. Dort schrieb er seine Mönchsregel, die bis heute als Grundlage einer monastischen Lebensordnung Gültigkeit besitzt. Sie ist so abgefaßt, daß sie offenbleibt für die stetig fließende Entwicklung nicht nur des Mönchtum, sondern der ganzen menschlichen Gesellschaft. Benedikt starb nach der Überlieferung am Karsamstag 547. In den ersten Jahrhunderten nach seinem Tod waren alle Klöster, in denen man nach der Regel Benedikts lebte, jedes für sich selbständig. Die Regel breitete sich langsam aus und wurde von den Missionsmönchen auch über die Grenzen Italiens hinausgetragen.
Mit dieser Epoche unauslöschlich verbunden ist der Name Bonifatius. Dieser eifrige Verfechter der Benediktusregel gründete im achten Jahrhundert in Deutschland die Klöster Amöneburg, Ohrdruf, Fritzlar und Fulda. Ebenfalls in diese Zeit fällt die Gründung der meisten bayerischen Benediktinerklöster. Als gegen Ende des neunten Jahrhunderts die Missionstätigkeit abnahm, wandten sich die Klöster in größerem Umfang kulturellen Aufgaben zu. Immer stärker entwickelten sich die Abteien zu mächtigen Institutionen, die nicht nur auf religiöses Wirken beschränkt blieben. Die Zeit wurde reif für einen Zusammenschluß, um den Gefahren von innen und außen besser begegnen zu können.
Bahnbrechend waren die Benediktiner der 910 gegründeten Abtei Cluny in Südfrankreich. Von ihnen neugegründete Klöster hielten sie in rechtlicher Abhängigkeit, und auch schon bestehende Klöster gliederten sie sich in gleicher Unterordnung ein, so schufen sie einen großen, einheitlich geleiteten Klosterverband. Ihr Beispiel wirkte weiter auch auf die Klöster in anderen Ländern und durch die Jahrhunderte. Überall und immer wieder neu, sich den Zeiten und Umständen anpassend, schlossen sich Benediktinerklöster zu Verbänden und Kongregationen zusammen. Um 1700 gab es im deutschen Raum acht Benediktinerkongregationen; Bestrebungen, sie zu einer gesamtdeutschen zu vereinigen, schlugen fehl.
Mit dem Ende des 18. Jahrhunderts begannen die schweren Schläge gegen das katholische Ordenswesen. In Österreich wurde der größte Teil, in Frankreich wurden alle Klöster aufgehoben. In Deutschland machte der Reichsdeputationshauptschluß vom Jahre 1803 den Klöstern ein Ende. Doch bereits wenige Jahrzehnte später begann unter der Protektion König Ludwigs II. von Bayern ein neuer Aufschwung der Benediktiner in Bayern. Im übrigen Deutschland erstand 1863 wieder benediktinisches Leben mit der Gründung von Beuron. Auf Wunsch Papst Leos XIII. schlossen sich die verschiedenen Benediktinerkongregationen zu einer Konföderation unter einem Abtprimas zusammen. So ist heute mit dem Begriff Benediktinerorden die Gesamtheit jener benediktinischen Klöster gemeint, die sich über ihre Kongregationen unter der Leitung des Abtprimas zur Konföderation der Benediktiner vereint haben. In ihr sind allerdings nicht alle Klöster vertreten, die nach der Regel des heiligen Benedikt leben. Es fehlen vor allem die Zisterzienser und Trappisten, die ebenfalls als Söhne des heiligen Benedikt anzusprechen sind.![]()


