ZUR PASSION Die Leidensgeschichte ist viel mehr als ein bloßer Bericht; sie ist Deutung und Verkündigung, sie sagt nicht nur, was geschah, sondern auch warum und wozu es geschah. Das Johannesevangelium zeigt noch deutlicher als die früheren Evangelien, dass Jesus sich mit klarem Wissen freiwillig dem Tod ausgeliefert hat. Souverän steht er seinen Anklägern und Richtern gegenüber. Niemand kann ihm das Leben entreißen, er selbst gibt es hin. Nach der Darstellung des Johannesevangeliums starb Jesus zu der Stunde, als im Tempel die Lämmer für das Paschamahl geschlachtet wurden. Er selbst ist das wahre Osterlamm, sein Blut ist der Preis für unsere Rettung.
| Passion |
Joh 18, 1 - 19, 42 |
E
= Evangelist, + = Worte Jesu, S = Worte sonstiger
Personen
Das Leiden unseres Herrn Jesus Christus nach Johannes
Die Verhaftung
1E
Jesus
ging mit seinen Jüngern hinaus, auf die andere Seite des Baches
Kidron. Dort war ein Garten; in den ging er mit seinen Jüngern hinein.
2Auch Judas, der
Verräter, der ihn auslieferte, kannte den Ort, weil Jesus dort oft mit
seinen Jüngern zusammengekommen war.
3Judas holte die
Soldaten und die Gerichtsdiener der Hohenpriester und der Pharisäer, und
sie kamen dorthin mit Fackeln, Laternen und Waffen.
4Jesus, der alles
wusste, was mit ihm geschehen sollte, ging hinaus und fragte sie: +
Wen sucht ihr?
5E
Sie
antworteten ihm: S Jesus von Nazaret. E
Er sagte zu ihnen: + Ich bin es. E
Auch Judas, der Verräter, stand bei ihnen.
6Als er zu ihnen sagte:
Ich bin es!, wichen sie zurück und stürzten zu Boden.
7Er fragte sie noch
einmal: +
Wen sucht ihr?
8E Sie sagten: S
Jesus von Nazaret. E Jesus antwortete: +
Ich habe euch gesagt, dass ich es bin. Wenn
ihr mich sucht, dann lasst diese gehen!
9E So sollte sich das
Wort erfüllen, das er gesagt hatte: Ich habe keinen von denen verloren,
die du mir gegeben hast.
10Simon Petrus aber, der
ein Schwert bei sich hatte, zog es, schlug nach dem Diener des
Hohenpriesters und hieb ihm das rechte Ohr ab; der Diener hieß Malchus.
11Da sagte Jesus zu Petrus: + Steck das Schwert in die Scheide! Der Kelch, den mir der Vater gegeben hat - soll ich ihn nicht trinken?
Das
Verhör vor Hannas und die Verleugnung durch Petrus
12E Die Soldaten, ihre
Befehlshaber und die Gerichtsdiener der Juden nahmen Jesus fest, fesselten
ihn und
13führten ihn zuerst zu
Hannas; er war nämlich der Schwiegervater des Kajaphas, der in jenem Jahr
Hoherpriester war.
14Kajaphas aber war es,
der den Juden den Rat gegeben hatte: S
Es ist besser, dass ein einziger
Mensch für das Volk stirbt.
15E
Simon Petrus und ein
anderer Jünger folgten Jesus. Dieser Jünger war mit dem Hohenpriester
bekannt und ging mit Jesus in den Hof des hohepriesterlichen Palastes.
16Petrus aber blieb
draußen am Tor stehen. Da kam der andere Jünger, der Bekannte des
Hohenpriesters, heraus; er sprach mit der Pförtnerin und führte Petrus
hinein.
17Da sagte die
Pförtnerin zu Petrus: S Bist du nicht auch einer von den Jüngern
dieses Menschen? E Er antwortete: S
Nein.
18E Die Diener und die
Knechte hatten sich ein Kohlenfeuer angezündet und standen dabei, um sich
zu wärmen; denn es war kalt. Auch Petrus stand bei ihnen und wärmte sich.
19Der Hohepriester
befragte Jesus über seine Jünger und über seine Lehre.
20Jesus antwortete ihm:
+
Ich habe offen vor aller Welt gesprochen. Ich habe immer in der
Synagoge und im Tempel gelehrt, wo alle Juden zusammenkommen. Nichts habe
ich im Geheimen gesprochen.
21Warum fragst du mich?
Frag doch die, die mich gehört haben, was ich zu ihnen gesagt habe; sie
wissen, was ich geredet habe.
22E Auf diese Antwort hin
schlug einer von den Knechten, der dabeistand, Jesus ins Gesicht und
sagte: S
Redest du so mit dem Hohenpriester?
23E Jesus entgegnete ihm:
+
Wenn es nicht recht war, was ich gesagt habe, dann weise es
nach; wenn es aber recht war, warum schlägst du mich?
24E Danach schickte ihn
Hannas gefesselt zum Hohenpriester Kajaphas.
25Simon Petrus aber
stand am Feuer und wärmte sich. Sie sagten zu ihm: S
Bist nicht auch du einer von seinen Jüngern?
26E Er leugnete und
sagte: S
Nein. E Einer von den Dienern des Hohenpriesters,
ein Verwandter dessen, dem Petrus das Ohr abgehauen hatte, sagte: S
Habe ich dich nicht im Garten bei ihm gesehen?
27E Wieder leugnete Petrus, und gleich darauf krähte ein Hahn.
Das Verhör und die Verurteilung durch Pilatus
28Von Kajaphas brachten
sie Jesus zum Prätorium; es war früh am Morgen. Sie selbst gingen nicht in
das Gebäude hinein, um nicht unrein zu werden, sondern das Paschalamm
essen zu können.
29Deshalb kam Pilatus zu
ihnen heraus und fragte: S Welche Anklage erhebt ihr gegen diesen
Menschen?
30E Sie antworteten ihm:
S
Wenn er kein Übeltäter wäre, hätten wir ihn dir nicht
ausgeliefert.
31E Pilatus sagte zu
ihnen: S
Nehmt ihr ihn doch, und richtet ihn nach eurem Gesetz! E
Die Juden antworteten ihm: S Uns ist es nicht gestattet, jemand
hinzurichten.
32E So sollte sich das
Wort Jesu erfüllen, mit dem er angedeutet hatte, auf welche Weise er
sterben werde.
33Pilatus ging wieder in
das Prätorium hinein, ließ Jesus rufen und fragte ihn: S
Bist du der König der Juden?
34E Jesus antwortete: +
Sagst du das von dir aus, oder haben es dir andere über mich
gesagt?
35E Pilatus entgegnete:
S
Bin ich denn ein Jude? Dein eigenes Volk und die Hohenpriester
haben dich an mich ausgeliefert. Was hast du getan?
36E Jesus antwortete: +
Mein Königtum ist nicht von dieser Welt. Wenn es von dieser
Welt wäre, würden meine Leute kämpfen, damit ich den Juden nicht
ausgeliefert würde. Aber mein Königtum ist nicht von hier.
37E Pilatus sagte zu ihm:
S
Also bist du doch ein König? E
Jesus antwortete: + Du sagst es, ich bin ein König. Ich bin
dazu geboren und dazu in die Welt gekommen, dass ich für die Wahrheit
Zeugnis ablege. Jeder, der aus der Wahrheit ist, hört auf meine Stimme.
38E Pilatus sagte zu ihm:
S
Was ist Wahrheit? E Nachdem er das gesagt hatte, ging er
wieder zu den Juden hinaus und sagte zu ihnen: S
Ich finde keinen Grund, ihn zu verurteilen.
39Ihr seid gewohnt, dass
ich euch am Paschafest einen Gefangenen freilasse. Wollt ihr also, dass
ich euch den König der Juden freilasse?
40E Da schrien sie
wieder: S
Nicht diesen, sondern Barabbas! E
Barabbas aber war ein Straßenräuber.
1Darauf ließ Pilatus
Jesus geißeln.
2Die Soldaten flochten
einen Kranz aus Dornen; den setzten sie ihm auf und legten ihm einen
purpurroten Mantel um.
3Sie stellten sich vor
ihn hin und sagten: S Heil dir, König der Juden! E
Und sie schlugen ihm ins Gesicht.
4Pilatus ging wieder
hinaus und sagte zu ihnen: S Seht, ich bringe ihn zu euch heraus; ihr
sollt wissen, dass ich keinen Grund finde, ihn zu verurteilen.
5E Jesus kam heraus; er
trug die Dornenkrone und den purpurroten Mantel. Pilatus sagte zu ihnen:
S
Seht, da ist der Mensch!
6E Als die Hohenpriester
und ihre Diener ihn sahen, schrien sie: S
Ans Kreuz mit ihm, ans Kreuz mit ihm! E
Pilatus sagte zu ihnen: S Nehmt ihr ihn, und kreuzigt ihn! Denn ich
finde keinen Grund, ihn zu verurteilen.
7E Die Juden entgegneten
ihm: S Wir haben ein Gesetz, und nach diesem
Gesetz muss er sterben, weil er sich als Sohn Gottes ausgegeben hat.
8E Als Pilatus das
hörte, wurde er noch ängstlicher.
9Er ging wieder in das
Prätorium hinein und fragte Jesus: S
Woher stammst du? E Jesus aber gab ihm keine Antwort.
10Da sagte Pilatus zu
ihm: S Du sprichst nicht mit mir? Weißt du nicht,
dass ich Macht habe, dich freizulassen, und Macht, dich zu kreuzigen?
11E Jesus antwortete: +
Du hättest keine Macht über mich, wenn es dir nicht von oben gegeben wäre;
darum liegt größere Schuld bei dem, der mich dir ausgeliefert hat.
12E Daraufhin wollte
Pilatus ihn freilassen, aber die Juden schrien: S
Wenn du ihn freilässt, bist du kein Freund des Kaisers; jeder, der sich
als König ausgibt, lehnt sich gegen den Kaiser auf.
13E Auf diese Worte hin
ließ Pilatus Jesus herausführen, und er setzte sich auf den Richterstuhl
an dem Platz, der Lithostrotos, auf hebräisch Gabbata, heißt.
14Es war am Rüsttag des
Paschafestes, ungefähr um die sechste Stunde.
15Pilatus sagte zu den
Juden: S Da ist euer König! E
Sie aber schrien: S Weg mit ihm, kreuzige ihn! E
Pilatus aber sagte zu ihnen: S Euren König soll ich kreuzigen? E
Die Hohenpriester antworteten: S
Wir haben keinen König außer dem Kaiser.
16aE Da lieferte er ihnen Jesus aus, damit er gekreuzigt würde.
Die Hinrichtung Jesu
16bSie übernahmen Jesus.
17Er trug sein Kreuz und
ging hinaus zur so genannten Schädelhöhe, die auf hebräisch Golgota heißt.
18Dort kreuzigten sie
ihn und mit ihm zwei andere, auf jeder Seite einen, in der Mitte Jesus.
19Pilatus ließ auch ein
Schild anfertigen und oben am Kreuz befestigen; die Inschrift lautete:
Jesus von Nazaret, der König der Juden.
20Dieses Schild lasen
viele Juden, weil der Platz, wo Jesus gekreuzigt wurde, nahe bei der Stadt
lag. Die Inschrift war hebräisch, lateinisch und griechisch abgefasst.
21Die Hohenpriester der
Juden sagten zu Pilatus: S Schreib nicht: Der König der Juden,
sondern dass er gesagt hat: Ich bin der König der Juden.
22E Pilatus antwortete:
S Was ich geschrieben habe, habe ich
geschrieben.
23E Nachdem die Soldaten
Jesus ans Kreuz geschlagen hatten, nahmen sie seine Kleider und machten
vier Teile daraus, für jeden Soldaten einen. Sie nahmen auch sein
Untergewand, das von oben her ganz durchgewebt und ohne Naht war.
24Sie sagten zueinander:
S Wir wollen es nicht zerteilen, sondern
darum losen, wem es gehören soll. E
So sollte sich das Schriftwort erfüllen: Sie verteilten meine Kleider
unter sich und warfen das Los um mein Gewand. Dies führten die Soldaten
aus.
25Bei dem Kreuz Jesu
standen seine Mutter und die Schwester seiner Mutter, Maria, die Frau des
Klopas, und Maria von Magdala.
26Als Jesus seine Mutter
sah und bei ihr den Jünger, den er liebte, sagte er zu seiner Mutter: +
Frau, siehe, dein Sohn!
27E Dann sagte er zu dem Jünger: + Siehe, deine Mutter! E Und von jener Stunde an nahm sie der Jünger zu sich.
(Hier
stehen alle auf.)
28Danach, als Jesus
wusste, dass nun alles vollbracht war, sagte er, damit sich die Schrift
erfüllte: + Mich dürstet.
29E Ein Gefäß mit Essig
stand da. Sie steckten einen Schwamm mit Essig auf einen Ysopzweig und
hielten ihn an seinen Mund.
30Als Jesus von dem Essig genommen hatte, sprach er: + Es ist vollbracht! E Und er neigte das Haupt und gab seinen Geist auf.
Hier knien alle zu einer kurzen Gebetsstille nieder.
Die Bestattung
des Leichnams
31Weil Rüsttag war und
die Körper während des Sabbats nicht am Kreuz bleiben sollten, baten die
Juden Pilatus, man möge den Gekreuzigten die Beine zerschlagen und ihre
Leichen dann abnehmen; denn dieser Sabbat war ein großer Feiertag.
32Also kamen die
Soldaten und zerschlugen dem Ersten die Beine, dann dem andern, der mit
ihm gekreuzigt worden war.
33Als sie aber zu Jesus
kamen und sahen, dass er schon tot war, zerschlugen sie ihm die Beine
nicht,
34sondern einer der
Soldaten stieß mit der Lanze in seine Seite, und sogleich floss Blut und
Wasser heraus.
35Und der, der es
gesehen hat, hat es bezeugt, und sein Zeugnis ist wahr. Und er weiß, dass
er Wahres berichtet, damit auch ihr glaubt.
36Denn das ist
geschehen, damit sich das Schriftwort erfüllte: Man soll an ihm kein
Gebein zerbrechen.
37Und ein anderes
Schriftwort sagt: Sie werden auf den blicken, den sie durchbohrt haben.
38Josef aus Arimathäa
war ein Jünger Jesu, aber aus Furcht vor den Juden nur heimlich. Er bat
Pilatus, den Leichnam Jesu abnehmen zu dürfen, und Pilatus erlaubte es.
Also kam er und nahm den Leichnam ab.
39Es kam auch Nikodemus,
der früher einmal Jesus bei Nacht aufgesucht hatte. Er brachte eine
Mischung aus Myrrhe und Aloe, etwa hundert Pfund.
40Sie nahmen den
Leichnam Jesu und umwickelten ihn mit Leinenbinden, zusammen mit den
wohlriechenden Salben, wie es beim jüdischen Begräbnis Sitte ist.
41An dem Ort, wo man ihn
gekreuzigt hatte, war ein Garten, und in dem Garten war ein neues Grab, in
dem noch niemand bestattet worden war.
42Wegen des Rüsttages der Juden und weil das Grab in der Nähe lag, setzten sie Jesus dort bei.