6.
Sonntag im Jahreskreis
B
Reinheit
- darüber muss man heute leise reden. Man gerät in den Verdacht, engherzig und
schmalspurig zu sein. Reinheit im großen Sinn aber ist mehr als Freisein von
Sünde, mehr als Keuschheit; diese ist nur ein bemerkenswerter Einzelfall von
Reinheit. Unrein ist ein Wesen, wenn es im Genuss verweilt oder sich im Egoismus
einrollt. Da fehlt der Schwung, die Geradheit, die Ganzheit. Die Reinheit eines
Menschen bemisst sich nach dem Grad der Anziehung, die ihn zur göttlichen Mitte
hinführt.
| Eröffnungsvers |
Ps 31 (30), 3-4 |
Sei
mir ein schützender Fels, eine feste Burg, die mich
rettet.
Denn
du bist mein Fels und meine Burg;
um
deines Namens willen wirst du mich führen und leiten.
Tagesgebet
Gott,
du liebst deine Geschöpfe,
und
es ist deine Freude,
bei
den Menschen zu wohnen.
Gib
uns ein neues und reines Herz,
das
bereit ist, dich aufzunehmen.
Darum
bitten wir durch Jesus Christus.
Zur
1. Lesung Unter
Reinheit verstand man im
Alten Bund die Voraussetzungen, die ein Mensch erfüllen muss, um am
Gottesdienst teilnehmen zu können. Es ging scheinbar um äußere Vorschriften,
die in Wirklichkeit aber auch den inneren Menschen angehen. Krankheiten wie
Aussatz machten den Menschen „unrein“.
Das
hatte natürlich auch seine medizinische Bedeutung. Es war damals schwierig, den
eigentlichen Aussatz, die Lepra, von Krankheiten zu unterscheiden, die zunächst
ähnliche Anzeichen aufwiesen. Der Krankheit gegenüber war man ziemlich
hilflos; so suchte man wenigstens der Ansteckung vorzubeugen.
| ERSTE Lesung |
Lev 13, 1-2.43ac.44ab.45-46 |
Der
Aussätzige soll abgesondert wohnen, außerhalb des Lagers
Lesung
aus dem Buch Levitikus
1Der Herr sprach zu Mose und Aaron:
2Wenn
sich auf der Haut eines Menschen eine Schwellung, ein Ausschlag oder ein heller
Fleck bildet, liegt Verdacht auf Hautaussatz vor. Man soll ihn zum Priester
Aaron oder zu einem seiner Söhne, den Priestern, führen.
43acDer Priester soll ihn untersuchen. Stellt er eine Schwellung fest, die wie Aussatz aussieht,
44abso
ist der Mensch aussätzig; er ist unrein. Der Priester muss ihn für unrein
erklären.
45Der Aussätzige, der von diesem Übel betroffen ist, soll eingerissene Kleider tragen und das Kopfhaar ungepflegt lassen; er soll den Schnurrbart verhüllen und ausrufen: Unrein! Unrein!
46Solange
das Übel besteht, bleibt er unrein; er ist unrein. Er soll abgesondert wohnen,
außerhalb des Lagers soll er sich aufhalten.
| Antwortpsalm |
Ps 32 (31), 1-2.5.10-11 (R: vgl. 7) |
| R Du bist mein Schutz, o Herr, |
(GL 527, 5) |
| du rettest mich und hüllst mich in Jubel. - R | |
| 1 Wohl dem, dessen Frevel vergeben |
IV. Ton |
und dessen Sünde bedeckt ist.
2 Wohl dem Menschen, dem der Herr die Schuld nicht zur Last legt
und
dessen Herz keine Falschheit kennt. - (R)
5 Ich bekannte dir meine Sünde
und verbarg nicht länger meine Schuld vor dir.
Ich
sagte: Ich will dem Herrn meine Frevel bekennen.
Und du hast mir die Schuld vergeben. -
(R)
10 Der Frevler leidet viele Schmerzen,
doch
wer dem Herrn vertraut, den wird er mit seiner Huld umgeben.
11 Freut euch
am Herrn und jauchzt, ihr Gerechten,
jubelt alle, ihr Menschen mit redlichem Herzen.
Zur
2. Lesung Unter
den Anfragen aus Korinth war auch diese: Ob es einem Christen erlaubt sei,
Fleisch zu essen, das vorher den heidnischen Göttern zum Opfer dargebracht
worden war. Antwort: Es ist erlaubt, denn diese Götter sind nichts. Der Christ
soll ein freies und klares Gewissen haben; aber auch seiner eigenen Freiheit
gegenüber soll er so frei sein, dass er auf sie verzichten kann, wenn die
Rücksicht auf das Gewissen eines anderen dies erfordert.
| ZWEITE Lesung |
1 Kor 10, 31 - 11, 1 |
Nehmt
mich zum Vorbild, wie ich Christus zum Vorbild nehme
Lesung
aus dem ersten Brief des Apostels Paulus an die Korinther
Brüder!
31Ob ihr esst oder trinkt oder etwas anderes tut: tut alles zur Verherrlichung Gottes!
32Gebt weder Juden noch Griechen, noch der Kirche Gottes Anlass zu einem Vorwurf!
33Auch ich suche allen in allem entgegenzukommen; ich suche nicht meinen Nutzen, sondern den Nutzen aller, damit sie gerettet werden.
1Nehmt
mich zum Vorbild, wie ich Christus zum Vorbild nehme.
| Ruf vor dem Evangelium |
Vers: Lk 7, 16 |
Halleluja.
Halleluja.
Ein großer Prophet trat unter uns auf:
Gott
nahm sich seines Volkes an.
Halleluja.
Zum
Evangelium Die
Wunder
Jesu sind Zeichen seiner Macht und der anbrechenden Gottesherrschaft. Jesus ist
aber auch wirklicher Mensch, er leidet die Not anderer mit. Aussätzige erfahren
seine menschliche Güte und seine göttliche Kraft der Heilung. Jesus hat den
Willen zu helfen, und er hat die Macht. Der Geheilte aber kann nicht schweigen,
er muss die Macht Gottes bezeugen.
| Evangelium |
Mk 1, 40-45 |
Der Aussatz
verschwand, und der Mann war rein
+ Aus
dem heiligen Evangelium nach Markus
In jener Zeit
40kam ein Aussätziger zu Jesus und bat ihn um Hilfe; er fiel vor ihm auf die Knie und sagte: Wenn du willst, kannst du machen, dass ich rein werde.
41Jesus hatte Mitleid mit ihm; er streckte die Hand aus, berührte ihn und sagte: Ich will es - werde rein!
42Im
gleichen Augenblick verschwand der Aussatz, und der Mann war rein.
43Jesus schickte ihn weg und schärfte ihm ein:
44Nimm
dich in acht! Erzähl niemand etwas davon, sondern geh, zeig dich dem Priester
und bring das Reinigungsopfer dar, das Mose angeordnet hat. Das soll für sie
ein Beweis meiner Gesetzestreue sein.
45Der
Mann aber ging weg und erzählte bei jeder Gelegenheit, was geschehen war; er
verbreitete die ganze Geschichte, so dass sich Jesus in keiner Stadt mehr zeigen
konnte; er hielt sich nur noch außerhalb der Städte an einsamen Orten auf.
Dennoch kamen die Leute von überallher zu ihm.
Zur
Eucharistiefeier Wen
Jesus anrührt, der Heilige Gottes, der ist gerettet. Mich berührt sein Wort;
er sagt zu mir: Ich will es, sei rein. Und mich heiligt das Sakrament seines
Leibes und Blutes.
Gabengebet
Barmherziger
Gott,
das
heilige Opfer reinige uns von Sünden
und
mache uns zu neuen Menschen.
Es
helfe uns, nach deinem Willen zu leben,
damit
wir den verheißenen Lohn erlangen.
Darum
bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
Präfationen
für die Sonntage im Jahreskreis
| Kommunionvers |
Vgl. Ps 78 (77), 29-30 |
Alle
aßen und wurden satt; er gab ihnen, was sie begehrten.
Ihr
Verlangen wurde erfüllt.
| Oder: |
Joh 3, 16 |
Gott
hat die Welt so geliebt, dass er seinen einzigen Sohn
hingab,
damit
jeder, der an ihn glaubt, nicht zugrunde geht,
sondern
das ewige Leben hat.
Gott,
du Spender alles Guten,
du
hast uns das Brot des Himmels geschenkt.
Erhalte
in uns das Verlangen nach dieser Speise,
die
unser wahres Leben ist.
Darum
bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
Leben meines Lebens,
immer will ich mich bemühen,
meinen Körper rein zu halten, wissend,
dass auf allen meinen Gliedern die Berührung
deiner Hände liegt.
Immer will ich mich bemühen, meinem Denken fern zu halten
jede Art von Lüge, wissend, dass das Licht
vernünftigen Denkens, das du in mir entzündet,
deinen Namen trägt.
Und es sei mein ganzes Streben, dich
in meinem Tun zu offenbaren, wissend,
dass es deine Macht ist,
die mir Kraft zum Handeln gibt. (Rabindranath Tagore, 1910)