23. Sonntag im
Jahreskreis
Die Demut hat es mit Gott zu tun, in zweiter
Linie mit den Menschen. Aber nie mit der Dummheit. Nur der weise gewordene, der
klar und reif gewordene Mensch kann demütig sein. Er geht seinen Weg von Stufe
zu Stufe, von Freiheit zu Freiheit. Er folgt Jesus nach.
| Eröffnungsvers |
Ps 119 (118), 137.124 |
Herr, du bist gerecht, und deine Entscheide sind richtig.
Handle an deinem Knecht nach deiner Huld.
Tagesgebet
Gütiger Gott,
du hast uns durch deinen Sohn erlöst
und als deine geliebten Kinder angenommen.
Sieh voll Güte auf alle, die an Christus glauben,
und schenke ihnen die wahre Freiheit
und das ewige Erbe.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.
Zur 1. Lesung Ein waches und hörendes Herz hatte der König Salomo von Gott erbeten, als
er seine Regierung antrat. Auch der Verfasser des Weisheitsbuches betet um
Weisheit. Es ist notwendig, darum zu beten. Studium und Nachdenken allein tun
es nicht. Die Klarheit des Geistes und der zündende Funke lassen sich nicht
erzwingen; man kann sie nur erbitten und als Geschenk annehmen.
| ERSTE Lesung |
Weish 9, 13-19 |
Welcher Mensch kann Gottes Plan erkennen?
Lesung
aus dem Buch der Weisheit
13Welcher
Mensch kann Gottes Plan erkennen, oder wer begreift, was der Herr will?
14Unsicher
sind die Berechnungen der Sterblichen und hinfällig unsere Gedanken;
15denn
der vergängliche Leib beschwert die Seele, und das irdische Zelt belastet den
um vieles besorgten Geist.
16Wir
erraten kaum, was auf der Erde vorgeht, und finden nur mit Mühe, was doch auf
der Hand liegt; wer kann dann ergründen, was im Himmel ist?
17Wer
hat je deinen Plan erkannt, wenn du ihm nicht Weisheit gegeben und deinen
heiligen Geist aus der Höhe gesandt hast?
18So
wurden die Pfade der Erdenbewohner gerade gemacht, und die Menschen lernten,
was dir gefällt;
19durch
die Weisheit wurden sie gerettet.
| Antwortpsalm |
Ps 90 (89), 3-4.5-6.12-13.14 u. 17 (R: 1) |
| R Herr, du bist unsere Zuflucht |
(GL 711, 2) |
| von Geschlecht zu Geschlecht. - R |
| 3 Du lässt die Menschen zurückkehren zum Staub |
I. Ton |
und sprichst: „Kommt wieder, ihr
Menschen!“
4 Denn tausend Jahre sind für dich wie der
Tag,
der gestern vergangen ist,
wie eine Wache m der Nacht. - (R)
5
Von Jahr zu Jahr säst du die Menschen
aus;
sie gleichen dem sprossenden Gras.
6 Am Morgen grünt es und blüht,
am Abend wird es geschnitten und
welkt. - (R)
12
Unsere Tage zu zählen, lehre uns!
Dann gewinnen wir ein weises Herz.
13
Herr, wende dich uns doch endlich zu!
Hab Mitleid mit deinen Knechten! - (R)
14
Sättige uns am Morgen mit deiner Huld!
Dann wollen wir jubeln und uns freuen
all unsre Tage.
17 Es komme über uns die Güte des Herrn,
unsres Gottes!
Lass das Werk unsrer Hände gedeihen,
ja, lass gedeihen das Werk unsrer
Hände! - R
Zur 2. Lesung Der
Brief des Apostels Paulus an Philemon ist ein sehr persönlicher Brief. Ein
entlaufener Sklave des Philemon war zu Paulus ins Gefängnis gekommen. Paulus
hat ihn getauft und lieb gewonnen. Nun schickt er ihn zu Philemon zurück. Er
bittet nicht um die Freilassung des Onesimus; er rüttelt nicht am sozialen
Gefüge seiner Zeit. Wenn die Menschen, die an Christus glauben, einander als
Brüder annehmen, dann wird sich mit Notwendigkeit auch die rechte soziale
Ordnung ergeben.
| ZWEITER Lesung |
Phlm 9b-10.12-17 |
Nimm ihn auf, nicht mehr als Sklaven, sondern als
geliebten Bruder
Lesung
aus dem Brief des Apostels Paulus an Philemon
Lieber
Bruder!
9bIch,
Paulus, ein alter Mann, der jetzt für Christus Jesus im Kerker liegt,
10ich
bitte dich für mein Kind Onesimus, dem ich im Gefängnis zum Vater geworden bin.
12Ich
schicke ihn zu dir zurück, ihn, das bedeutet mein eigenes Herz.
13Ich
würde ihn gern bei mir behalten, damit er mir an deiner Stelle dient, solange
ich um des Evangeliums willen im Gefängnis bin.
14Aber
ohne deine Zustimmung wollte ich nichts tun. Deine gute Tat soll nicht
erzwungen, sondern freiwillig sein.
15Denn
vielleicht wurde er nur deshalb eine Weile von dir getrennt, damit du ihn für
ewig zurückerhältst,
16nicht
mehr als Sklaven, sondern als weit mehr: als geliebten Bruder. Das ist er
jedenfalls für mich, um wie viel mehr dann für dich, als Mensch und auch vor
dem Herrn.
17Wenn
du dich mir verbunden fühlst, dann nimm ihn also auf wie mich selbst!
| Ruf vor dem Evangelium |
Vers: Ps 119 (118), 135 |
Halleluja.
Halleluja.
Lass dein Angesicht leuchten über
deinem Knecht,
und
lehre mich deine Gesetze.
Halleluja.
Zum Evangelium Der Weg Jesu führt nach Jerusalem, nach Golgota. Wer mit ihm gehen
will, muss die Bedingungen wissen: Verzicht auf Besitz, Familie, Freunde, Ehre,
ja auf das eigene Leben. Jesus verlangt nicht von allen das Gleiche, von
niemand das Unmögliche. Er ruft jeden auf seinen ihm eigenen Weg. Der größere
Verzicht, der von Einzelnen gefordert wird, ist die andere Seite der größeren
Liebe, zu der sie gerufen sind.
| Evangelium |
Lk 14, 25-33 |
Keiner von euch kann mein Jünger sein, wenn er
nicht auf seinen ganzen Besitz verzichtet
+ Aus dem heiligen
Evangelium nach Lukas
In
jener Zeit
25als
viele Menschen Jesus begleiteten; wandte er sich an sie und sagte:
26Wenn
jemand zu mir kommt und nicht Vater und Mutter, Frau und Kinder, Brüder und
Schwestern, ja sogar sein Leben gering achtet, dann kann er nicht mein Jünger
sein.
27Wer
nicht sein Kreuz trägt und mir nachfolgt, der kann nicht mein Jünger sein.
28Wenn
einer von euch einen Turm bauen will, setzt er sich dann nicht zuerst hin und
rechnet, ob seine Mittel für das ganze Vorhaben ausreichen?
29Sonst
könnte es geschehen, dass er das Fundament gelegt hat, dann aber den Bau nicht
fertig stellen kann. Und alle, die es sehen, würden ihn verspotten
30und
sagen: Der da hat einen Bau begonnen und konnte ihn nicht zu Ende führen.
31Oder
wenn ein König gegen einen anderen in den Krieg zieht, setzt er sich dann nicht
zuerst hin und überlegt, ob er sich mit seinen zehntausend Mann dem entgegenstellen
kann, der mit zwanzigtausend gegen ihn anrückt?
32Kann
er es nicht, dann schickt er eine Gesandtschaft, so lange der andere noch weit
weg ist, und bittet um Frieden.
33Darum
kann keiner von euch mein Jünger sein, wenn er nicht auf seinen ganzen Besitz
verzichtet.
Zur Eucharistiefeier Wenn wir das Gedenken an die Opferhingabe Jesu begehen, bitten wir um den
Heiligen Geist: um die Liebe, die Jesus zum Kreuz geführt und die sein Opfer
vollendet hat.
Gabengebet
Herr, unser Gott,
du schenkst uns den Frieden
und gibst uns die Kraft, dir aufrichtig zu dienen.
Lass uns dich mit unseren Gaben ehren
und durch die Teilnahme
an dem einen Brot und dem einen Kelch
eines Sinnes werden.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
Präfationen für die Sonntage im Jahreskreis
| Kommunionvers |
Ps 42 (41), 2-3 |
Wie der Hirsch lechzt nach frischem Wasser,
so lechzt meine Seele, Gott, nach dir.
Meine Seele dürstet nach Gott, nach dem
lebendigen Gott.
| Oder: |
Joh 8, 12 |
So spricht der Herr:
Ich bin das Licht der Welt.
Wer mir nachfolgt, wird nicht in der Finsternis gehen,
sondern wird das Licht des Lebens haben.
Herr, unser Gott,
in deinem Wort und Sakrament
gibst du uns Nahrung und Leben.
Lass uns durch diese großen Gaben
in der Liebe wachsen
und zur ewigen Gemeinschaft
mit deinem Sohn gelangen,
der mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit.
Innere Zeichen auf dem Weg der Nachfolge:
Liebe
und Geduld.
Rechtschaffenheit
und Demut,
Treue
und Mut
- Stille.
(D. H.)