30. Sonntag im
Jahreskreis
B
Der Mensch kann sehen und
hören, und er weiß, dass er es kann. Dieses Wissen unterscheidet ihn vom Tier.
Wenn ein Sinnesorgan gestört ist, fühlt er sich in seinem Menschsein
beeinträchtigt, alles wird schwerer für ihn. Außer dem äußeren Sinnesorgan hat
der Mensch aber auch eine innere Fähigkeit, das Gesehene oder Gehörte
aufzunehmen; diese Fähigkeit kann sich entfalten oder auch verkümmern. Es gibt
Wirklichkeiten, die wir sehen, während wir für andere blind und taub sind. Wenn
wir für die Wirklichkeit Gottes offen sind, fähig zu sehen und zu hören, dann
ist das ein großes Glück. Und Glück verpflichtet.
Eröffnungsvers Vgl.
Ps 105 (104), 3-4
Freuen sollen sich alle, die den Herrn suchen.
Sucht den Herrn und seine Macht, sucht sein
Antlitz allezeit.
Tagesgebet
Allmächtiger, ewiger Gott
mehre in uns den Glauben,
die Hoffnung und die Liebe.
Gib uns die Gnade,
zu lieben, was du gebietest,
damit wir erlangen, was du verheißen hast.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.
Zur 1. Lesung Jeremia, der Prophet des Untergangs, durfte nach dem eingetroffenen
Gottesgericht (Untergang der beiden Reiche Israel und Juda) auch die
Trostbotschaft ausrichten, dass Gott sich um sein Volk kümmern wird. Wie ein
Hirt und Vater wird er den Rest Israels wieder sammeln; er will das Verwundete
heilen, das Verlorene retten. Messianische Erwartungen klingen an, wenn der
Prophet auch den Blinden und den Lahmen Hoffnung zuspricht.
1. Lesung Jer 31, 7-9
Blinde und Lahme, tröstend geleite ich sie heim
Lesung
aus dem Buch Jeremia
7Ja, so spricht der Herr: Jubelt Jakob voll Freude zu,
und jauchzt über das Haupt der Völker! Verkündet, lobsingt und sagt: Der Herr
hat sein Volk gerettet, den Rest Israels.
8Seht, ich bringe sie heim aus dem Nordland und sammle
sie von den Enden der Erde, darunter Blinde und Lahme, Schwangere und
Wöchnerinnen; als große Gemeinde kehren sie hierher zurück.
9Weinend kommen sie, und tröstend geleite ich sie. Ich
führe sie an wasserführende Bäche, auf einen ebenen Weg, wo sie nicht
straucheln. Denn ich bin Israels Vater, und Efraim ist mein erstgeborener Sohn.
Antwortpsalm Ps
126 (125), 1-2b.2c-3.4-5.6 (R: 3)
R
Großes hat der Herr an uns getan. (GL 753, 1)
Da waren wir fröhlich. - R
1 Als der Herr das Los der Gefangenschaft
Zions wendete, II. Ton
da waren wir alle wie Träumende.
2ab Da war unser Mund voll Lachen
und unsere Zunge voll Jubel. - (R)
2cd Da sagte man unter den andern Völkern:
„Der Herr hat an ihnen Großes getan.“
3 Ja, Großes hat der Herr an uns getan.
Da waren wir, fröhlich. - (R)
4 Wende doch, Herr, unser Geschick,
wie du versiegte Bäche wieder füllst
im Südland.
5 Die mit Tränen säen;
werden mit Jubel ernten. - (R)
6 Sie gehen hin unter Tränen
und tragen den Samen zur Aussaat.
Sie kommen wieder mit Jubel
und bringen ihre Garben ein.
R
Großes hat der Herr an uns getan.
Da waren wir fröhlich.
Zur 2. Lesung Wir haben Grund, dem Wort Gottes zu glauben und der Treue Gottes zu
trauen. Wir haben einen Hohenpriester: Jesus, den ewigen Sohn. Er ist einer von
uns, kann also mitfühlen mit unserer Schwachheit, und er ist von Gott
eingesetzt zum Dienst für die Menschen. Darin gleicht er dem Hohenpriester des
Alten Bundes; aber sein Priestertum ist ungleich erhabener; er ist der Sohn,
und sein Priestertum ist ein ewiges Priestertum. Er ist mächtig, um alle zu
retten, die ihm gehorchen.
2. Lesung Hebr 5, 1-6
Du bist Priester auf ewig nach der Ordnung
Melchisedeks
Lesung
aus dem Hebräerbrief
1Denn
jeder Hohepriester wird aus den Menschen ausgewählt und für die Menschen
eingesetzt zum Dienst vor Gott, um Gaben und Opfer für die Sünden darzubringen.
2Er ist
fähig, für die Unwissenden und Irrenden Verständnis aufzubringen, da auch er
der Schwachheit unterworfen ist;
3deshalb
muss er für sich selbst ebenso wie für das Volk Sündopfer darbringen.
4Und
keiner nimmt sich eigenmächtig diese Würde, sondern er wird von Gott berufen,
so wie Aaron.
5So hat
auch Christus sich nicht selbst die Würde eines Hohenpriesters verliehen,
sondern der, der zu ihm gesprochen hat: Mein Sohn bist du. Heute habe ich dich
gezeugt,
6wie er
auch an anderer Stelle sagt: Du bist Priester auf ewig nach der Ordnung
Melchisedeks.
Ruf vor dem
Evangelium Vers:
vgl. 2 Tim 1, 10
Halleluja.
Halleluja.
Unser
Retter Jesus Christus hat dem Tod die Macht genommen
und
uns das Licht des Lebens gebracht durch das Evangelium.
Halleluja.
Zum Evangelium Die Heilung des Blinden von Jericho ist die letzte Wundererzählung im
Markusevangelium. Der Blinde wusste, dass er blind war, und schrie um Hilfe. Er
wurde sehend und begab sich in die Nachfolge Jesu. Die Jünger dagegen scheinen
immer noch blind zu sein. Sie ziehen zwar mit Jesus nach Jerusalem hinauf, aber
sie verstehen seinen Weg nicht; bei der Kreuzigung Jesu wird der heidnische
Hauptmann der Einzige sein, der sieht und begreift: „Wahrhaftig, dieser Mensch
war Gottes Sohn.“
Evangelium Mk
10, 46-52
Rabbuni,
ich möchte wieder sehen können
+ Aus dem heiligen
Evangelium nach Markus
46Sie
kamen nach Jericho. Als er mit seinen Jüngern und einer großen Menschenmenge
Jericho wieder verließ, saß an der Straße ein blinder Bettler, Bartimäus, der
Sohn des Timäus.
47Sobald
er hörte, dass es Jesus von Nazaret war, rief er laut: Sohn Davids, Jesus, hab
Erbarmen mit mir!
48Viele
wurden ärgerlich und befahlen ihm zu schweigen. Er aber schrie noch viel
lauter: Sohn Davids, hab Erbarmen mit mir!
49Jesus
blieb stehen und sagte: Ruft ihn her! Sie riefen den Blinden und sagten zu ihm:
Hab nur Mut, steh auf, er ruft dich.
50Da
warf er seinen Mantel weg, sprang auf und lief auf Jesus zu.
51Und
Jesus fragte ihn: Was soll ich dir tun? Der Blinde antwortete: Rabbuni, ich
möchte wieder sehen können.
52Da
sagte Jesus zu ihm: Geh! Dein Glaube hat dir geholfen. Im gleichen Augenblick
konnte er wieder sehen, und er folgte Jesus auf seinem Weg.
Zur Eucharistiefeier Durch
die Taufe sind wir worden, aber der Glaube ist noch ein dunkles Licht. Unser
ganzes Leben ist (wenn es richtig geht) ein Erwachen zum Licht Christi. - Herr,
öffne mir die Augen, damit ich sehe; zeig mir deine Wege.
Gabengebet
Allmächtiger Gott
sieh gnädig auf die Gaben, die wir darbringen,
und lass uns dieses Opfer so feiern,
dass es dir zur Ehre gereicht.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
Präfationen für die Sonntage im Jahreskreis
Kommunionvers Vgl. Ps 20 (19), 6
Wir jubeln über die Hilfe des Herrn.
Wir frohlocken im Namen unseres Gottes.
Oder: Eph 5, 2
Christus hat uns geliebt und sich für uns
hingegeben
als Gabe und Opfer, das Gott wohlgefällt.
Schlussgebet
Herr, unser Gott
gib, dass deine Sakramente
in uns das Heil wirken, das sie enthalten,
damit wir einst
als unverhüllte Wirklichkeit empfangen,
was wir jetzt in heiligen Zeichen begehen.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
Für den Tag und die Woche
Blinde und Sehende Es gibt Menschen, die blind sind gegenüber
allem Guten, das mehr ist als das Nutzbringende. Es gibt Menschen, die blind
sind gegenüber aller Wahrheit, die mehr ist als das Wahrnehmbare und
Sichtbare. Und es gibt Menschen, die blind sind gegenüber dem Urgrund aller
Dinge, den wir Gott nennen. Es braucht deshalb Menschen, die der Glaube sehend
gemacht hat und die fähig sind, andere, die sich noch im Dunkel. befinden, zu
führen. (B. Lesniewicz)