31. Sonntag im
Jahreskreis
Um ein Christ zu sein, genügt
es nicht, anständig zu sein und rechtschaffen seine Pflicht zu tun. Das tun
auch die Heiden. Die große Wahrheit im Leben eines Christen ist Christus
selbst: Licht vom Licht, wahrer Gott vom wahren Gott (Credo). Und das große
Gebot ist die Liebe. Sie kann durch nichts anderes ersetzt werden.
| Eröffnungsvers |
Ps 38 (37), 22-23 |
Herr, verlass mich nicht, bleib mir nicht fern,
mein Gott!
Eile mir zu Hilfe, Herr, du mein Heil.
Tagesgebet
Allmächtiger, barmherziger Gott,
es ist deine Gabe und dein Werk,
wenn das gläubige Volk
dir würdig und aufrichtig dient.
Nimm alles von uns,
was uns auf dem Weg zu dir aufhält,
damit wir ungehindert der Freude entgegeneilen,
die du uns verheißen hast.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.
Zur 1. Lesung Das Buch Deuteronomium ist eine große Sammlung von Gesetzen, die alle
unter die Autorität des Mose gestellt werden. Die Absicht dieses Buches ist, in
der späten Zeit des israelitischen Königtums das Volk daran zu erinnern, dass
es Gottes heiliges Volk ist. Tatsächlich läuft dieses Volk ständig anderen
Göttern nach: Die vielgestaltigen Naturgottheiten des Landes Kanaan sind
anziehender als der große, herbe Gott, der Israel aus Ägypten herausgeführt
hat. Der Kernsatz des israelitischen Glaubens aber lautet bis heute: „Höre,
Israel: Jahwe, unser Gott, Jahwe ist einzig.“
| ERSTE Lesung |
Dtn 6, 2-6 |
Höre, Israel! Du sollst den Herrn, deinen Gott,
lieben mit ganzem Herzen
Lesung aus dem Buch Deuteronomium
Mose
sprach zum Volk:
2Wenn du den Herrn, deinen Gott, fürchtest, indem du auf
alle seine Gesetze und Gebote, auf die ich dich verpflichte, dein ganzes Leben
lang achtest, du, dein Sohn und dein Enkel, wirst du lange leben.
3Deshalb, Israel, sollst du hören und darauf achten,
alles, was der Herr, unser Gott, mir gesagt hat, zu halten, damit es dir gut
geht und ihr so unermesslich zahlreich werdet, wie es der Herr, der Gott deiner
Väter, dir zugesagt hat, in dem Land, wo Milch und Honig fließen.
4Höre, Israel! Jahwe, unser Gott, Jahwe ist einzig.
5Darum sollst du den Herrn, deinen Gott, lieben mit
ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit ganzer Kraft.
6Diese Worte, auf die ich dich heute verpflichte, sollen
auf deinem Herzen geschrieben stehen.
| Antwortpsalm |
Ps 18 (17), 2-3.4 u. 47.51 u. 50 (R: 2a) |
| R Ich will dich lieben, Herr, meine Stärke. - R |
(GL 528, 4) |
| 2 Ich will dich lieben, Herr, meine Stärke, |
II. Ton |
3
Herr, du mein Fels, meine Burg, mein
Retter,
mein Gott meine Feste, in der ich mich
berge,
mein Schild und sicheres Heil, meine
Zuflucht. - (R)
4 Ich rufe: Der Herr sei gepriesen!,
und ich werde vor meinen Feinden
gerettet.
47 Es lebt der Herr! Mein Fels sei gepriesen.
Der Gott meines Heils sei hoch
erhoben. - (R)
51 Seinem König verlieh er große Hilfe,
Huld erwies er seinem Gesalbten,
David und seinem Stamm auf ewig.
50 Darum will ich dir danken, Herr, vor den
Völkern,
ich will deinem Namen singen und
spielen. - R
Zur 2. Lesung Durch Jesus Christus hat Gott eine neue, endgültige Heilsordnung
geschaffen. Die Priester des Alten Bundes waren sterbliche Menschen, der
Schwachheit und Sünde unterworfen. Christus aber ist der Sohn, der ganz
Heilige: er war von Anfang an bei Gott. Er allein konnte sich selbst als
makelloses Opfer für unsere Sünder darbringen; durch sein Opfer sind wir
geheiligt und haben Zugang zu Gott.
| ZWEITE Lesung |
Hebr 7, 23-28 |
Weil Jesus auf ewig bleibt, hat er ein
unvergängliches Priestertum
Lesung aus dem Hebräerbrief
Brüder!
23Im Alten Bund folgten viele Priester aufeinander, weil der
Tod sie hinderte zu bleiben;
24er aber hat, weil er auf ewig bleibt, ein
unvergängliches Priestertum.
25Darum kann er auch die, die durch ihn vor Gott
hintreten, für immer retten; denn er lebt allezeit, um für sie einzutreten.
26Ein solcher Hoherpriester war für uns in der Tat
notwendig: einer, der heilig ist, unschuldig, makellos, abgesondert von den
Sündern und erhöht über die Himmel;
27einer, der es nicht Tag für Tag nötig hat, wie die
Hohenpriester zuerst für die eigenen Sünden Opfer darzubringen und dann für die
des Volkes; denn das hat er ein für alle Mal getan, als er sich selbst
dargebracht hat.
28Das Gesetz nämlich macht Menschen zu Hohenpriestern, die
der Schwachheit unterworfen sind; das Wort des Eides aber, der später als das
Gesetz kam, setzt den Sohn ein, der auf ewig vollendet ist.
| Ruf vor dem Evangelium |
Vers: vgl. Joh 14, 23 |
Halleluja.
Halleluja.
(So spricht der Herr:)
Wer
mich liebt hält fest an meinem Wort.
Mein
Vater wird ihn lieben, und wir werden bei ihm wohnen.
Halleluja.
Zum Evangelium Die Frage des Schriftgelehrten nach dem ersten und größten Gebot
scheint aufrichtig gewesen zu sein. Die Antwort Jesu ist uns so bekannt, dass
wir Mühe haben, sie wirklich zu hören und ihr Gewicht zu spüren. Jesus erinnert
den Fragenden an das Glaubensbekenntnis, das er als frommer Jude jeden Tag
spricht. Gott an erster Stelle. Ihn lieben heißt: ihn als den Einzigen
anerkennen,
sich von seiner Glut so ergreifen lassen, dass man auch dem Nächsten, dem
Mitmenschen, etwas von der Liebe und Freude Gottes mitteilen kann. Dabei geht
es nicht um Gefühle, sondern darum, dass Gottes Macht und Herrschaft den
Menschen erfahrbar wird.
| Evangelium |
Mk 12, 28b-34 |
Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben; du
sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst
+ Aus dem heiligen Evangelium nach Markus
In
jener Zeit
28bging ein Schriftgelehrter zu Jesus hin und fragte ihn:
Welches Gebot ist das erste von allen?
29Jesus antwortete: Das erste ist: Höre, Israel, der Herr,
unser Gott, ist der einzige Herr.
30Darum sollst du den Herrn, deinen Gott, lieben mit
ganzem Herzen und ganzer Seele, mit all deinen Gedanken und all deiner Kraft.
31Als zweites kommt hinzu: Du sollst deinen Nächsten
lieben wie dich selbst. Kein anderes Gebot ist größer als diese beiden.
32Da sagte der Schriftgelehrte zu ihm: Sehr gut, Meister!
Ganz richtig hast du gesagt: Er allein ist der Herr, und es gibt keinen anderen
außer ihm,
33und ihn mit ganzem Herzen, ganzem Verstand und ganzer
Kraft zu lieben und den Nächsten zu lieben wie sich selbst, ist weit mehr als
alle Brandopfer und anderen Opfer.
34Jesus sah, dass er mit Verständnis geantwortet hatte,
und sagte zu ihm: Du bist nicht fern vom Reich Gottes. Und keiner wagte mehr,
Jesus eine Frage zu stellen.
Zur Eucharistiefeier Gott selbst betrachtet alle Menschen als
seine Nächsten; er selbst ist unser Nächster. Seine Liebe sucht uns da, wo wir
sind. Und sie holt uns heim - in Jesus, der als Einziger gewusst hat, was Liebe
ist.
Gabengebet
Heiliger Gott,
diese Gabe werde zum reinen Opfer,
das deinen Namen groß macht unter den Völkern.
Für uns aber werde sie zum Sakrament,
das uns die Fülle deines Erbarmens schenkt.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
Präfationen für die Sonntage im Jahreskreis
| Kommunionvers |
Ps 16 (15), 11 |
Herr, du zeigst mir den Pfad zum Leben;
vor deinem Angesicht herrscht Freude in Fülle.
| Oder: |
Joh 6, 57 |
So spricht der Herr:
Wie mich der lebendige Vater gesandt hat
und wie ich durch den Vater lebe,
so wird jeder, der mich isst, durch mich leben.
Schlussgebet
Gütiger Gott,
du hast uns mit dem Brot des Himmels gestärkt.
Lass deine Kraft in uns wirken,
damit wir fähig werden,
die ewigen Güter zu empfangen,
die uns in diesen Gaben verheißen sind.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
Für den Tag und die Woche
Die Liebe ist das Urgeschenk. Alles, was uns sonst noch unverdient gegeben werden
mag, wird erst durch sie zum Geschenk. (Thomas von Aquin)
Zur Liebe kann man niemand
zwingen. Nur Liebe selbst weckt Gegenliebe. Auf solche Weise wollte Gott den
Menschen erobern. Daran denken, wie Gott uns liebte, ist der beste Weg, um Gott
zu lieben. (Maximilian Kolbe)