2. Sonntag der Osterzeit
Der gefährlichste Feind des Glaubens und der Liebe ist der Zweifel: die bohrende Frage, ob nicht alles nur Betrug und Selbsttäuschung war. Gründe und Beweise helfen nicht weiter, sie werden ja ebenfalls in den Zweifel hineingezogen. Helfen kann nur eine große, alles verändernde Erfahrung: die Offenbarung der Wahrheit selbst oder die spontane Mitteilung der Liebe. Dem „ungläubigen“ Thomas hat Jesus seine Wunden gezeigt, um die Wunde des Zweifels zu heilen.
Eröffnungsvers 1 Petr 2, 2
verlangt nach der
unverfälschten Milch des Wortes,
damit ihr durch sie
heranwachst und das Heil erlangt.
Halleluja.
Freut euch und dankt Gott, der
euch zu sich gerufen hat.
Ihr seid Kinder Gottes und
Erben seiner Herrlichkeit. Halleluja.
Tagesgebet
Barmherziger Gott
durch die jährliche Osterfeier
erneuerst du den Glauben deines Volkes.
Lass uns immer tiefer erkennen,
wie heilig das Bad der Taufe ist,
das uns gereinigt hat,
wie mächtig dein Geist,
aus dem wir wieder geboren sind,
und wie kostbar das Blut, durch das wir erkauft
sind.
Darum bitten wir durch Jesus
Christus.
Zur 1. Lesung Weil Christus auferstanden ist, gibt es die „Gemeinde der Gläubigen“,
die Kirche Christi. Der Glaube der Gemeinde ruht auf der Aussage der Apostel;
sie sind die Zeugen der Auferstehung. Der Geist des Auferstandenen ist das Band
der Einheit aller Glaubenden und die Kraft ihrer tätigen Liebe.
1. Lesung Apg 4, 32-35
32Die Gemeinde der Gläubigen
war ein Herz und eine Seele. Keiner nannte etwas von dem, was er hatte, sein Eigentum,
sondern sie hatten alles gemeinsam.
33Mit großer Kraft legten die
Apostel Zeugnis ab von der Auferstehung Jesu, des Herrn, und reiche Gnade ruhte
auf ihnen allen.
34Es gab auch keinen unter
ihnen, der Not litt. Denn alle, die Grundstücke oder Häuser besaßen, verkauften
ihren Besitz, brachten den Erlös
35und legten ihn den Aposteln
zu Füßen. Jedem wurde davon so viel zugeteilt, wie er nötig hatte.
Antwortpsalm Ps 118 (117), 2 u. 4.16-17.18 u.
22.23-24 (R: 1)
R
Danket dem Herrn, denn er ist gütig, (GL 233, 1)
denn seine Huld währt ewig. - R
oder:
R Halleluja. - R
2 So soll Israel sagen: VI. Ton
Denn seine Huld währt ewig.
4 So sollen alle sagen, die den Herrn
fürchten und ehren:
Denn seine Huld währt ewig. – (R)
16
„Die Rechte des Herrn ist erhoben,
Die Rechte des Herrn wirkt mit Macht!“
17 Ich werde nicht sterben, sondern leben,
um die Taten des Herrn zu verkünden. – (R)
18 Der Herr hat mich hart gezüchtigt,
doch dem Tod mich nicht übergeben.
22 Der Stein, den die Bauleute verwarfen,
er ist zum Eckstein geworden. – (R)
23 Das hat der Herr vollbracht,
vor unseren Augen geschah dieses
Wunder.
24 Dies ist der Tag, den der Herr gemacht
hat,
wir wollen jubeln und
uns an ihm freuen! – (R)
Zur 2. Lesung Die Liebe, die von Gott stammt ,ist
nicht ein Gefühl, sondern eine Lebensform, eine Macht. Wer Gott liebt, der
liebt auch seine Geschöpfe. Er ist stärker als die „Welt“, die mit ihrem
Begehren und Prahlen den Menschen zerstört. Die Macht dieser Welt ist in ihrem
tödlichen Unwesen aufgedeckt, seit aus der Seite Jesu Blut und Wasser geflossen
sind.
2. Lesung 1 Joh 5, 1-6
Lesung aus dem ersten Brief des Johannes
1Jeder, der glaubt, dass
Jesus der Christus ist, stammt von Gott, und jeder, der den Vater liebt, liebt
auch den, der von ihm stammt.
2Wir erkennen, dass wir die
Kinder Gottes lieben, wenn wir Gott lieben und seine Gebote erfüllen.
3Denn die Liebe zu Gott
besteht darin, dass wir seine Gebote halten. Seine Gebote sind nicht schwer.
4Denn alles, was von Gott
stammt, besiegt die Welt. Und das ist der Sieg, der die Welt besiegt hat: unser
Glaube.
5Wer sonst besiegt die Welt,
außer dem, der glaubt, dass Jesus der Sohn Gottes ist?
6Dieser ist es, der durch
Wasser und Blut gekommen ist: Jesus Christus. Er ist nicht nur im Wasser
gekommen, sondern im Wasser und im Blut. Und der Geist ist es, der Zeugnis
ablegt; denn der Geist ist die Wahrheit.
Ruf vor dem
Evangelium Vers: Joh 20, 29
Halleluja.
Halleluja.
(So spricht der Herr:)
Weil
du mich gesehen hast, Thomas, glaubst du.
Selig
sind, die nicht sehen und doch glauben!
Halleluja.
Zum Evangelium Der
Ostergruß des Auferstandenen heißt
„Friede!“; seine Gabe für die Jünger ist der Heilige Geist, der Lebensatem der
neuen Schöpfung. In der Kraft des Geistes werden die Jünger das Werk Jesu
fortsetzen; sie werden sein Wort verkünden und Sünden vergeben. Der Glaube soll
nicht an Erscheinungen und Wundern hängen; er ereignet sich in der Begegnung mit
Christus: im Hören des Wortes, in der Gemeinschaft der Glaubenden.
Evangelium Joh 20, 19-31
+ Aus dem heiligen Evangelium
nach Johannes
19Am Abend dieses ersten Tages
der Woche, als die Jünger aus Furcht vor den Juden die Türen verschlossen
hatten, kam Jesus, trat in ihre Mitte und sagte zu ihnen: Friede sei mit euch!
20Nach diesen Worten zeigte er
ihnen seine Hände und seine Seite. Da freuten sich die Jünger, dass sie den
Herrn sahen.
21Jesus sagte noch einmal zu
ihnen: Friede sei mit euch! Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch.
22Nachdem er das gesagt hatte,
hauchte er sie an und sprach zu ihnen: Empfangt den Heiligen Geist!
23Wem ihr die Sünden vergebt,
dem sind sie vergeben; wem ihr die Vergebung verweigert, dem ist sie
verweigert.
24Thomas, genannt Didymus
(Zwilling), einer der Zwölf, war nicht bei ihnen, als Jesus kam.
25Die anderen Jünger sagten zu
ihm: Wir haben den Herrn gesehen. Er entgegnete ihnen: Wenn ich nicht die Male
der Nägel an seinen Händen sehe und wenn ich meinen Finger nicht in die Male
der Nägel und meine Hand nicht in seine Seite lege, glaube ich nicht.
26Acht Tage darauf waren seine
Jünger wieder versammelt, und Thomas war dabei. Die Türen waren verschlossen.
Da kam Jesus, trat in ihre Mitte und sagte: Friede sei mit euch!
27Dann sagte er zu Thomas:
Streck deinen Finger aus - hier sind meine Hände! Streck deine Hand aus und leg
sie in meine Seite, und sei nicht ungläubig, sondern gläubig!
28Thomas antwortete ihm: Mein
Herr und mein Gott!
29Jesus sagte zu ihm: Weil du
mich gesehen hast, glaubst du. Selig sind, die nicht sehen und doch glauben.
30Noch viele andere Zeichen,
die in diesem Buch nicht aufgeschrieben sind, hat Jesus vor den Augen seiner
Jünger getan.
31Diese aber sind
aufgeschrieben, damit ihr glaubt, dass Jesus der Messias ist, der Sohn Gottes,
und damit ihr durch den Glauben das Leben habt in seinem Namen.
Zur Eucharistiefeier Jesus,
der Auferstandene, ist unser Friede. Von Ihm empfangen wir das Wort der
Vergebung und das Brot des ewigen Lebens. Vom Apostel Thomas lernen wir die
Antwort des Glaubens: Mein Herr und mein Gott!
Gott,
du hast deinem Volk
durch das Bekenntnis des Glaubens
und den Empfang der Taufe neues Leben geschenkt.
Nimm die Gaben (der Neugetauften und aller)
deiner Gläubigen gnädig an
und lass uns in dir Seligkeit und ewiges Leben
finden.
Darum bitten wir durch
Christus, unseren Herrn.
Kommunionvers Joh 20, 29
Selig, die nicht sehen und
doch glauben. Halleluja.
Schlussgebet
Allmächtiger Gott,
im heiligen Sakrament haben wir
den Leib und das Blut deines Sohnes empfangen.
Lass diese österliche Gabe in uns weiterwirken
und fruchtbar sein.
Darum bitten wir durch
Christus, unseren Herrn.
Mit Wunden „Er ist auferstanden, aber mit Wunden. Mit Wunden, aber mit verklärten“
(J. Bernhardt). – Nur der Glaube kann das Ostergeheimnis ergreifen. Dennoch
bleibt der Vernunft das Recht der kritischen Nachfrage. Der „ungläubige“ Thomas
bezweifelte nicht die Aussage anderer Jünger: Wir haben den Herrn gesehen. Er
wollte aber sichergehen, dass der Auferstandene, den sie gesehen haben,
derselbe war, der ihn einst in die Nachfolge gerufen hatte und dann am Kreuz
gestorben war. Er, und kein anderer. Kein anderer kann die Wundmale des
Gekreuzigten vorweisen. „Seht doch meine Hände und Füße an: Ich bin es wirklich“ (Lk 24,
39).