27. Dezember
Hl. Johannes, Apostel,
Evangelist
Der Apostel Johannes, nach der
Überlieferung Verfasser des vierten Evangeliums und dreier Briefe, war ein
Bruder Jakobus‘ des Älteren und stammte aus Betsaida, wo sein Vater Zebedäus
die Fischerei betrieb. Johannes war kaum jener sanfte Jüngling, den uns die
christliche Kunst gemalt hat; er hatte wie sein Bruder ein heftiges
Temperament, Jesus nannte die beiden „Donnersöhne“. Johannes war zuerst Jünger
des Täufers gewesen, dann folgte er Jesus. Das besondere Vertrauen, das Jesus
zu ihm hatte, zeigte sich darin, dass er ihm sterbend seine Mutter anvertraute
(Joh 19, 26-27). Über das spätere Schicksal des Johannes ist wenig Sicheres
bekannt. Über die Zeit, in der das Evangelium und die Briefe abgefasst wurden,
gehen die Meinungen auseinander. Jesus ist für das Johannesevangelium Gottes
ewiges Wort, das der Welt das Leben gibt: durch seine Menschwerdung, durch
seine Taten und seine Worte, durch seinen Tod und seine Auferstehung und durch
die Sendung der Jünger.
Eröffnungsvers
Johannes ruhte beim Abendmahl an der Brust des
Herrn.
Ihm wurden die Geheimnisse des Himmels enthüllt.
Die Worte des Lebens hat er dem ganzen Erdkreis
verkündet.
Oder: Vgl. Sir 15, 5
Inmitten der Gemeinde öffnete der Herr ihm den
Mund
und erfüllte ihn mit dem Geist der Weisheit und
der Einsicht.
Das Kleid der Herrlichkeit zog er ihm an.
Tagesgebet
Allmächtiger Gott,
du hast uns durch den Evangelisten Johannes
einen Zugang eröffnet
zum Geheimnis deines ewigen Wortes.
Lass uns mit erleuchtetem Verstand
und liebendem Herzen erfassen,
was er in gewaltiger Sprache verkündet hat.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.
Zur Lesung Der erste Johannesbrief richtet sich gegen Irrlehren, die um die Wende
vom ersten zum zweiten Jahrhundert die christliche Kirche bedrohten. Ihnen
gegenüber stehen die zwei großen Anliegen dieses Briefs: 1. der rechte Glaube
an Jesus Christus als Sohn Gottes und wahren Menschen, 2. die Verwirklichung
dieses Glaubens in einem Leben, das von der Liebe bestimmt wird. Der Verfasser
stellt sich selbst als Zeugen vor, der das, was er verkündet, gesehen und
gehört, ja mit seinen eigenen Händen berührt hat: „das ewige Leben, das beim
Vater war und uns offenbart wurde“ in der Person Jesu. Johannes wirbt für die
Botschaft von Christus; es drängt ihn, das weiterzugeben, was er selbst empfangen
hat: den Glauben, die Freude. Diese Freude ist nicht ein fertiger Zustand; sie
ist ebenso wie der Glaube ein immer neues Ereignis, Gabe und Aufgabe zugleich.
- Zu 1, 1-2: Joh 1, 1.14. - Zu 1, 3-4; Joh 5, 23; 15, 23; 14, 9; 12, 45; 15,
11; 6, 24.
Lesung 1
Joh 1, 1-4
Was wir gesehen und gehört haben, das verkünden
wir auch euch
Lesung
aus dem ersten Johannesbrief
1Was
von Anfang an war, was wir gehört haben, was wir mit unseren Augen gesehen, was
wir geschaut und was unsere Hände angefasst haben, das verkünden wir: das Wort
des Lebens.
2Denn
das Leben wurde offenbart; wir haben gesehen und bezeugen und verkünden euch
das ewige Leben, das beim Vater war und uns offenbart wurde.
3Was
wir gesehen und gehört haben, das verkünden wir auch euch, damit auch ihr
Gemeinschaft mit uns habt. Wir aber haben Gemeinschaft mit dem Vater und mit
seinem Sohn Jesus Christus.
4Wir
schreiben dies, damit unsere Freude vollkommen ist.
Antwortpsalm Ps
97 (96), 1-2.5-6.11-12 (R: 12a)
R Ihr
Gerechten, freut euch am Herrn! - R (GL
149, 3)
1 Der
Herr ist König. Die Erde frohlocke. V. Ton
Freuen
sollen sich die vielen Inseln.
2 Rings um ihn her sind Wolken und Dunkel,
Gerechtigkeit und Recht sind die Stützen
seines Throns. - (R)
5 Berge schmelzen wie Wachs vor dem Herrn,
vor dem Antlitz des Herrschers aller
Welt.
6 Seine Gerechtigkeit verkünden die
Himmel,
seine Herrlichkeit schauen alle
Völker. - (R)
11 Ein Licht erstrahlt den Gerechten
und Freude den Menschen mit redlichem
Herzen.
12 Ihr Gerechten, freut euch am Herrn,
und lobt seinen heiligen Namen! - R
Ruf vor dem
Evangelium
Halleluja.
Halleluja.
Dich,
Gott, loben wir, dich, Herr, preisen wir.
Dich
preist der glorreiche Chor der Apostel.
Halleluja.
Zum Evangelium Der Jünger, „den Jesus liebte“ (Joh 20, 2), ist nach Joh 21, 20 der
Jünger, der sich beim Abendmahl an die Brust Jesu gelehnt und gefragt hatte:
Herr, wer ist es, der verrät? Er wird im Evangelium nie mit Namen genannt,
nicht ausdrücklich mit, Johannes, dem Sohn des Zebedäus, gleichgesetzt. Aber
diese Gleichsetzung wurde in der christlichen Kirche schon früh vollzogen, und
der Wettlauf der beiden Jünger zum Grab Jesu wurde als Wettlauf Amt und Geist,
zwischen Recht und Liebe gedeutet: Petrus als Vertreter der Amtskirche,
Johannes, der Lieblingsjünger, als Vertreter der vom Geist getragenen
Liebeskirche. Oder auch: Petrus als Vertreter des Judenchristentums, dessen
Vorrangstellung anerkannt wird, und Johannes als Vertreter des Heidenchristentums,
das eine größere Bereitschaft zum Glauben bewiesen hat. Der Abschnitt Joh 20,
1-8 zeigt aber, dass solche Gegenüberstellungen in Wirklichkeit nicht viel
bedeuten. Beide Jünger liefen zum Grab, so schnell sie konnten; beide sahen
zunächst nur das leere Grab. Von Johannes wird gesagt: „Er sah und glaubte“;
aber er konnte ebenso wie Petrus nur durch göttliche Erleuchtung zum Glauben an
die Auferstehung Jesu kommen. - Zu 20, 2: Joh 13, 23; 19, 26; 21, 7.20; 20, 13.
- Zu 20, 6-7: Joh 11, 44.
Evangelium Joh
20, 2-8
Auch der andere Jünger, der zuerst an das Grab
gekommen war, ging hinein; er sah und glaubte
+ Aus dem heiligen
Evangelium nach Johannes
2Da
lief sie schnell zu Simon Petrus und dem Jünger, den Jesus liebte, und sagte zu
ihnen: Man hat den Herrn aus dem Grab weggenommen, und wir wissen nicht, wohin
man ihn gelegt hat.
3Da
gingen Petrus und der andere Jünger hinaus und kamen zum Grab;
4sie
liefen beide zusammen dorthin, aber weil der andere Jünger schneller war als
Petrus, kam er als Erster ans Grab.
5Er
beugte sich vor und sah die Leinenbinden liegen, ging aber nicht hinein.
6Da kam
auch Simon Petrus, der ihm gefolgt war, und ging in das Grab hinein. Er sah die
Leinenbinden liegen
7und
das Schweißtuch, das auf dem Kopf Jesu gelegen hatte; es lag aber nicht bei den
Leinenbinden, sondern zusammengebunden daneben an einer besonderen Stelle.
8Da
ging auch der andere Jünger, der zuerst an das Grab gekommen war, hinein; er
sah und glaubte.
Fürbitten
Jesus
Christus brachte der Welt Licht und Leben. Ihn bitten wir:
Erfülle die Kirche mit deinem Licht, dass sie das Evangelium nach
Johannes in seiner Tiefe erfassen kann.
A.: Wir bitten dich, erhöre uns.
Schenke
allen Menschen deine Gnade, dass sie durch den Glauben das Leben haben.
Tröste
alle, die an ihrer Schwäche leiden, durch deine Menschwerdung.
Führe
alle Verstorbenen zur Vollendung des ewigen Lebens.
Denn du hast unter uns gewohnt, der einzige Sohn vom Vater, voll Gnade
und Wahrheit. Dich preisen wir in Ewigkeit.
A.: Amen.
Gabengebet
Allmächtiger Gott,
heilige die Gaben, die wir darbringen,
und lass uns im heiligen Mahl
das Geheimnis deines ewigen Wortes erfassen,
das du dem Evangelisten Johannes
in dieser Feier erschlossen hast.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
Kommunionvers Joh
1, 14.16
Das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns
gewohnt.
Aus seiner Fülle haben wir alle empfangen.
Schlussgebet
Allmächtiger Gott,
der heilige Apostel Johannes
hat deinen Sohn verkündet
als das Wort, das Fleisch geworden ist.
Gib, dass Christus durch diese Feier
immer unter uns wohne,
damit wir die Fülle deiner Gnade empfangen.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.