3. Woche der Fastenzeit

Zur Auswahl

 

Die folgenden Lesungen können an jedem Tag dieser Woche genommen werden, vor allem, wenn am 3. Fastensonntag der Lesejahre B und C das Evangelium von der Samariterin nicht gelesen wurde.

 

Zur Lesung „Ist der Herr in unserer Mitte oder nicht?“, das war in der Wüste die Existenzfrage für Israel. Die Art aber, wie diese Frage gestellt wurde, war eine Herausforderung an Gott. Das Volk hat an Gott gezweifelt und ihn auf die Probe gestellt; es hat „mit Mose gestritten“, seine Unzufriedenheit mit Gott laut ausgesprochen. Gott hat sich das alles gefallen lassen. Er hat sich als der treue Gott erwiesen, als der sichere Fels Israels und als die Quelle lebendigen Wassers (vgl. Evangelium). Gott verweigert seine Gabe dem nicht, der sich seiner Güte und Treue ausgeliefert hat. Die wesentliche Gabe ist er selbst; er gibt aber auch die kleineren Dinge, von denen wir leben, angefangen beim Wasser, das wir zum Trinken brauchen. - Num 20,1-13; Dtn 6,16; Ps 78,15-16; 95,1.8-9; 105,41; 106,32; Weish 11,4; Jes 43,20; Jer 2,13.

 

 

ERSTE Lesung

Ex 17, 1-7

Schlag auf den Felsen, es wird Wasser aus dem Felsen herauskommen, und das Volk kann trinken

Lesung aus dem Buch Exodus

In jenen Tagen

1zog die ganze Gemeinde der Israeliten von der Wüste Sin weiter, von einem Rastplatz zum andern, wie es der Herr jeweils bestimmte. In Refidim schlugen sie ihr Lager auf. Weil das Volk kein Wasser zu trinken hatte,

2geriet es mit Mose in Streit und sagte: Gebt uns Wasser zu trinken! Mose aber antwortete: Was streitet ihr mit mir? Warum stellt ihr den Herrn auf die Probe?

3Das Volk dürstete dort nach Wasser und murrte gegen Mose. Sie sagten: Warum hast du uns überhaupt aus Ägypten hierher geführt? Um uns, unsere Söhne und unser Vieh verdursten zu lassen?

4Mose schrie zum Herrn: Was soll ich mit diesem Volk anfangen? Es fehlt nur wenig, und sie steinigen mich.

5Der Herr antwortete Mose: Geh am Volk vorbei, und nimm einige von den Ältesten Israels mit; nimm auch den Stab in die Hand, mit dem du auf den Nil geschlagen hast, und geh!

6Dort drüben auf dem Felsen am Horeb werde ich vor dir stehen. Dann schlag an den Felsen! Es wird Wasser herauskommen, und das Volk kann trinken. Das tat Mose vor den Augen der Ältesten Israels.

7Den Ort nannte er Massa und Meriba (Probe und Streit), weil die Israeliten Streit begonnen und den Herrn auf die Probe gestellt hatten, indem sie sagten: Ist der Herr in unserer Mitte oder nicht?

 

 

Antwortpsalm

Ps 95 (94), 1-2.6-7c.7d-9 (R: vgl. 7d.8a)

          R Hört auf die Stimme des Herrn, (GL neu 53,1)
          verhärtet nicht euer Herz! - R
1        Kommt, lasst uns jubeln vor dem Herrn VI. Ton

          und zujauchzen dem Fels unsres Heiles!

2        Lasst uns mit Lob seinem Angesicht nahen,

          vor ihm jauchzen mit Liedern! - (R)

6        Kommt, lasst uns niederfallen, uns vor ihm verneigen,

          lasst uns niederknien vor dem Herrn, unserm Schöpfer!

7abc  Denn er ist unser Gott,

          wir sind das Volk seiner Weide,

          die Herde, von seiner Hand geführt. - (R)

7d      Ach, würdet ihr doch heute auf seine Stimme hören!

8        „Verhärtet euer Herz nicht wie in Meriba,

          wie in der Wüste am Tag von Massa!

9        Dort haben eure Väter mich versucht,

          sie haben mich auf die Probe gestellt

          und hatten doch mein Tun gesehen.“

          R Hört auf die Stimme des Herrn,

          verhärtet nicht euer Herz!

 

 

Ruf vor dem Evangelium

Vers: vgl. Joh 4, 42.15

Herr Jesus, dir sei Ruhm und Ehre! - R

Herr, du bist der Retter der Welt.

Gib mir lebendiges Wasser, damit mich nie mehr dürstet.

Herr Jesus, dir sei Ruhm und Ehre!

 

 

Zum Evangelium „Ich bin es“, sagt Jesus zur Frau aus Samarien. Das ist der Höhepunkt dieses Evangeliums. Müde und durstig kommt Jesus zum Jakobsbrunnen, und er verspricht „lebendiges Wasser“, zum Erstaunen der Frau und zum Staunen der Welt bis heute. „Der Brunnen ist tief“: tiefer, als die Frau dachte. Gott selbst ist die Quelle des lebendigen Wassers. Und Jesus verspricht, dieses Wasser zu geben, das in Ewigkeit nicht versiegt. Reinheit, Heiligkeit, Leben: das alles gibt Gott seinem Volk, das aus Wasser und Geist geboren wird. Und dieses Volk weiß, wo Gott angebetet wird: nicht an einem geographischen Ort, sondern „im Geist und in der Wahrheit“, im Innersten der Seele, wo der Geist Gottes wohnt und uns beten lehrt. Damit ist das gemeinsame Beten nicht abgeschafft, es muss aber darauf geprüft werden, ob es „wahr“ ist: ob das Herz mit dem Wort und Geist Gottes zusammenklingt. - Jes 41,17-20; Sach 13,1; 14,8; Joh 3,5; 19,34; Offb 7,14; 21,6.

 

 

Evangelium

Joh 4, 5-42

Das Wasser, das ich gebe, wird zur sprudelnden Quelle, deren Wasser ewiges Leben schenkt

+ Aus dem heiligen Evangelium nach Johannes

In jener Zeit

5kam Jesus zu einem Ort in Samarien, der Sychar hieß und nahe bei dem Grundstück lag, das Jakob seinem Sohn Josef vermacht hatte.

6Dort befand sich der Jakobsbrunnen. Jesus war müde von der Reise und setzte sich daher an den Brunnen; es war um die sechste Stunde.

7Da kam eine samaritische Frau, um Wasser zu schöpfen. Jesus sagte zu ihr: Gib mir zu trinken!

8Seine Jünger waren nämlich in den Ort gegangen, um etwas zum Essen zu kaufen.

9Die samaritische Frau sagte zu ihm: Wie kannst du als Jude mich, eine Samariterin, um Wasser bitten? Die Juden verkehren nämlich nicht mit den Samaritern.

10Jesus antwortete ihr: Wenn du wüsstest, worin die Gabe Gottes besteht und wer es ist, der zu dir sagt: Gib mir zu trinken!, dann hättest du ihn gebeten, und er hätte dir lebendiges Wasser gegeben.

11Sie sagte zu ihm: Herr, du hast kein Schöpfgefäß, und der Brunnen ist tief; woher hast du also das lebendige Wasser?

12Bist du etwa größer als unser Vater Jakob, der uns den Brunnen gegeben und selbst daraus getrunken hat, wie seine Söhne und seine Herden?

13Jesus antwortete ihr: Wer von diesem Wasser trinkt, wird wieder Durst bekommen;

14wer aber von dem Wasser trinkt, das ich ihm geben werde, wird niemals mehr Durst haben; vielmehr wird das Wasser, das ich ihm gebe, in ihm zur sprudelnden Quelle werden, deren Wasser ewiges Leben schenkt.

15Da sagte die Frau zu ihm: Herr, gib mir dieses Wasser, damit ich keinen Durst mehr habe und nicht mehr hierher kommen muss, um Wasser zu schöpfen.

16Er sagte zu ihr: Geh, ruf deinen Mann, und komm wieder her!

17Die Frau antwortete: Ich habe keinen Mann. Jesus sagte zu ihr: Du hast richtig gesagt: Ich habe keinen Mann.

18Denn fünf Männer hast du gehabt, und der, den du jetzt hast, ist nicht dein Mann. Damit hast du die Wahrheit gesagt.

19Die Frau sagte zu ihm: Herr, ich sehe, dass du ein Prophet bist.

20Unsere Väter haben auf diesem Berg Gott angebetet; ihr aber sagt, in Jerusalem sei die Stätte, wo man anbeten muss.

21Jesus sprach zu ihr: Glaube mir, Frau, die Stunde kommt, zu der ihr weder auf diesem Berg noch in Jerusalem den Vater anbeten werdet.

22Ihr betet an, was ihr nicht kennt, wir beten an, was wir kennen; denn das Heil kommt von den Juden.

23Aber die Stunde kommt, und sie ist schon da, zu der die wahren Beter den Vater anbeten werden im Geist und in der Wahrheit; denn so will der Vater angebetet werden.

24Gott ist Geist, und alle, die ihn anbeten, müssen im Geist und in der Wahrheit anbeten.

25Die Frau sagte zu ihm: Ich weiß, dass der Messias kommt, das ist: der Gesalbte (Christus). Wenn er kommt, wird er uns alles verkünden.

26Da sagte Jesus zu ihr: Ich bin es, ich, der mit dir spricht.

27Inzwischen waren seine Jünger zurückgekommen. Sie wunderten sich, dass er mit einer Frau sprach, aber keiner sagte: Was willst du?, oder: Was redest du mit ihr?

28Da ließ die Frau ihren Wasserkrug stehen, eilte in den Ort und sagte zu den Leuten:

29Kommt her, seht, da ist ein Mann, der mir alles gesagt hat, was ich getan habe: Ist er vielleicht der Messias?

30Da liefen sie hinaus aus dem Ort und gingen zu Jesus.

31Währenddessen drängten ihn seine Jünger: Rabbi, iss!

32Er aber sagte zu ihnen: Ich lebe von einer Speise, die ihr nicht kennt.

33Da sagten die Jünger zueinander: Hat ihm jemand etwas zu essen gebracht?

34Jesus sprach zu ihnen: Meine Speise ist es, den Willen dessen zu tun, der mich gesandt hat, und sein Werk zu Ende zu führen.

35Sagt ihr nicht: Noch vier Monate dauert es bis zur Ernte? Ich aber sage euch: Blickt umher und seht, dass die Felder weiß sind, reif zur Ernte.

36Schon empfängt der Schnitter seinen Lohn und sammelt Frucht für das ewige Leben, so dass sich der Sämann und der Schnitter gemeinsam freuen.

37Denn hier hat das Sprichwort recht: Einer sät, und ein anderer erntet.

38Ich habe euch gesandt, zu ernten, wofür ihr nicht gearbeitet habt; andere haben gearbeitet, und ihr erntet die Frucht ihrer Arbeit.

39Viele Samariter aus jenem Ort kamen zum Glauben an Jesus auf das Wort der Frau hin, die bezeugt hatte: Er hat mir alles gesagt, was ich getan habe.

40Als die Samariter zu ihm kamen, baten sie ihn, bei ihnen zu bleiben; und er blieb dort zwei Tage.

41Und noch viel mehr Leute kamen zum Glauben an ihn aufgrund seiner eigenen Worte.

42Und zu der Frau sagten sie: Nicht mehr aufgrund deiner Aussage glauben wir, sondern weil wir ihn selbst gehört haben und nun wissen: Er ist wirklich der Retter der Welt.

 

 

 „Scheint es nicht alle Konventionen in Frage zu stellen, wenn der Jude den Nichtjuden ,braucht‘, und ist es nicht für viele noch heute ein Skandalon, wenn der Christ vom Nichtchristen einen ,Trunk‘ erbittet? Aber eben: seine erfrischende und belebende Wirkung erfährt man nur, wenn man davon gekostet hat. Die Glaubensunterschiede werden in diesem Gespräch nicht verdeckt oder verwischt, sondern beim Namen genannt; nicht um auf dem eigenen Recht zu bestehen, sondern um eine persönliche Not aufzuzeigen, einen Zweifel anzumelden, eine Lösung zu suchen. ,Unsere Väter haben auf diesem Berg angebetet. Ihr aber sagt, in Jerusalem sei die Stätte, wo man anbeten müsse.‘ Die Antwort lässt an Klarheit nichts zu wünschen übrig, und für unser Empfinden mag sie allzu apodiktisch klingen, aber es ist ein Wort, das gesagt werden muss: ‚Ihr betet an, was ihr nicht kennt, wir beten an, was wir kennen; denn das Heil kommt von den Juden.‘ Damit ist die Gesprächsbasis auch für den Christen genau umrissen: Der Unterschied auch zwischen Christen und Nichtchristen liegt nicht darin, dass der eine anbetet und der andere nicht, dass der eine im Heil und der andere im Unheil steht, sondern der einzige (allerdings wesentliche) Unterschied liegt darin, dass der eine den kennt, durch den ihm das Heil zukommt, und der andere nicht“ (Irmgard Ackermann).

 

 

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