6. Sonntag im Jahreskreis  A

 

Der ist ein freier Mensch, der tun kann, was er will - stimmt das? Es könnte stimmen, wenn nur die Worte den rechten Sinn hätten. Aber was heißt wollen, und was heißt können? Zu bedenken ist jedenfalls auch dieser andere Satz: Frei ist nur der Mensch, der auch das zu tun vermag, was er nicht will; in anderer Sprache: der Mensch, der gehorchen kann.

 

 

Eröffnungsvers

Ps 31 (30), 3-4

Sei mir ein schützender Fels, eine feste Burg, die mich rettet.

Denn du bist mein Fels und meine Burg;

um deines Namens willen wirst du mich führen und leiten.

 

Ehre sei Gott

 

 

Tagesgebet

Gott, du liebst deine Geschöpfe,

und es ist deine Freude,

bei den Menschen zu wohnen.

Gib uns ein neues und reines Herz,

das bereit ist, dich aufzunehmen.

Darum bitten wir durch Jesus Christus.

 

 

Zur 1. Lesung Gegen zwei Irrtümer richtet sich der Weisheitslehrer Ben Sirach (um 180 v. Chr.): gegen die Behauptung, die Sünde sei nicht vermeidbar, ja, Gott selbst sei dafür verantwortlich, und die andere Behauptung, Gott kümmere sich gar nicht um den Menschen und wisse nichts von seiner Sünde. Das sagen die Toren; sie haben nichts von Gott begriffen und nicht viel vom Menschen. Es gehört zum Wesen des Menschen, dass er zwischen Gut und Böse unterscheiden und wählen kann, und zum Wesen Gottes, dass er sich um sein Geschöpf, den Menschen, kümmert.

 

 

ERSTE Lesung

Sir 15, 15-20 (16-21)

Keinem gebietet er zu sündigen

Lesung aus dem Buch Jesus Sirach

15Gott gab den Menschen seine Gebote und Vorschriften. Wenn du willst, kannst du das Gebot halten; Gottes Willen zu tun ist Treue.

16Feuer und Wasser sind vor dich hingestellt; streck deine Hände aus nach dem, was dir gefällt.

17Der Mensch hat Leben und Tod vor sich; was er begehrt, wird ihm zuteil.

18Überreich ist die Weisheit des Herrn; stark und mächtig ist er und sieht alles.

19Die Augen Gottes schauen auf das Tun des Menschen, er kennt alle seine Taten.

20Keinem gebietet er zu sündigen, und die Betrüger unterstützt er nicht.

 

 

Antwortpsalm

Ps 119 (118), 1-2.4-5.17-18.33-34 (R: vgl. 1)

          R Selig die Menschen,

(GL neu 31,1)

          die leben nach der Weisung des Herrn. - R
1        Wohl denen, deren Weg ohne Tadel ist,

IV. Ton

          die leben nach der Weisung des Herrn.

2        Wohl denen, die seine Vorschriften befolgen

          und ihn suchen von ganzem Herzen. - (R)

4        Du hast deine Befehle gegeben,

          damit man sie genau beachtet.

5        Wären doch meine Schritte fest darauf gerichtet,

          deinen Geboten zu folgen! - (R)

17      Herr, tu deinem Knecht Gutes, erhalt mich am Leben!

          Dann will ich dein Wort befolgen.

18      Öffne mir die Augen

          für das Wunderbare an deiner Weisung! - (R)

33      Herr, weise mir den Weg deiner Gesetze!

          Ich will ihn einhalten bis ans Ende.

34      Gib mir Einsicht, damit ich deiner Weisung folge

          und mich an sie halte aus ganzem Herzen. - R

 

 

Zur 2. Lesung Die Christengemeinde von Korinth war keine ideale Gemeinde. Es gab allerlei Missstände, daneben aber den Anspruch einer hohen Erkenntnis und geistlichen Erfahrung. Die Weisheit aber, auf die es ankommt, ist das Geheimnis des Kreuzes. Diese Weisheit, die Einsicht in die Tiefen Gottes, offenbart der Geist nur den Vollkommenen, und die Vollkommenheit besteht in der Liebe.

 

 

ZWEITE Lesung

1 Kor 2, 6-10

Wir verkündigen die Weisheit, die Gott vorausbestimmt hat zu unserer Verherrlichung

Lesung aus dem ersten Brief des Apostels Paulus an die Korinther

Brüder!

6Wir verkündigen Weisheit unter den Vollkommenen, aber nicht Weisheit dieser Welt oder der Machthaber dieser Welt, die einst entmachtet werden.

7Vielmehr verkündigen wir das Geheimnis der verborgenen Weisheit Gottes, die Gott vor allen Zeiten vorausbestimmt hat zu unserer Verherrlichung.

8Keiner der Machthaber dieser Welt hat sie erkannt, denn hätten sie die Weisheit Gottes erkannt, so hätten sie den Herrn der Herrlichkeit nicht gekreuzigt.

9Nein, wir verkündigen, wie es in der Schrift heißt, was kein Auge gesehen und kein Ohr gehört hat, was keinem Menschen in den Sinn gekommen ist: das Große, das Gott denen bereitet hat, die ihn lieben.

10Denn uns hat es Gott enthüllt durch den Geist. Der Geist ergründet nämlich alles, auch die Tiefen Gottes.

 

 

Ruf vor dem Evangelium

Vers: vgl. Mt 11, 25

Halleluja. Halleluja.

Sei gepriesen, Vater, Herr des Himmels und der Erde;

du hast die Geheimnisse des Reiches den Unmündigen offenbart.

Halleluja.

 

 

Zum Evangelium Das Gesetz und die Propheten versteht Jesus als die eine große Willenskundgabe Gottes für sein Volk. Jesus will diesen Willen Gottes neu und unverfälscht verkünden. Für die Erfüllung des Gesetzes genügt nicht die rein äußerliche Tat; auf die innere Haltung, auf das Herz kommt es an.

 

 

Evangelium

Mt 5, 17-37

Zu den Alten ist gesagt worden - ich aber sage euch

+ Aus dem heiligen Evangelium nach Matthäus

In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern:

17Denkt nicht, ich sei gekommen, um das Gesetz und die Propheten aufzuheben. Ich bin nicht gekommen, um aufzuheben, sondern um zu erfüllen.

18Amen, das sage ich euch: Bis Himmel und Erde vergehen, wird auch nicht der kleinste Buchstabe des Gesetzes vergehen, bevor nicht alles geschehen ist.

19Wer auch nur eines von den kleinsten Geboten aufhebt und die Menschen entsprechend lehrt, der wird im Himmelreich der Kleinste sein. Wer sie aber hält und halten lehrt, der wird groß sein im Himmelreich.

20Darum sage ich euch: Wenn eure Gerechtigkeit nicht weit größer ist als die der Schriftgelehrten und Pharisäer, werdet ihr nicht in das Himmelreich kommen.

21Ihr habt gehört, dass zu den Alten gesagt worden ist: Du sollst nicht töten; wer aber jemand tötet, soll dem Gericht verfallen sein.

22Ich aber sage euch: Jeder, der seinem Bruder auch nur zürnt, soll dem Gericht verfallen sein; und wer zu seinem Bruder sagt: Du Dummkopf!, soll dem Spruch des Hohen Rates verfallen sein; wer aber zu ihm sagt: Du gottloser Narr!, soll dem Feuer der Hölle verfallen sein.

23Wenn du deine Opfergabe zum Altar bringst und dir dabei einfällt, dass dein Bruder etwas gegen dich hat,

24so lass deine Gebe dort vor dem Altar liegen; geh und versöhne dich zuerst mit deinem Bruder, dann komm und opfere deine Gabe.

25Schließ ohne Zögern Frieden mit deinem Gegner, so lange du mit ihm noch auf dem Weg zum Gericht bist. Sonst wird dich dein Gegner vor den Richter bringen, und der Richter wird dich dem Gerichtsdiener übergeben, und du wirst ins Gefängnis geworfen.

26Amen, das sage ich dir: Du kommst von dort nicht heraus, bis du den letzten Pfennig bezahlt hast.

27Ihr habt gehört, dass gesagt worden ist: Du sollst nicht die Ehe brechen.

28Ich aber sage euch: Wer eine Frau auch nur lüstern ansieht, hat in seinem Herzen schon Ehebruch mit ihr begangen.

29Wenn dich dein rechtes Auge zum Bösen verführt, dann reiß es aus und wirf es weg! Denn es ist besser für dich, dass eines deiner Glieder verloren geht, als dass dein ganzer Leib in die Hölle geworfen wird.

30Und wenn dich deine rechte Hand zum Bösen verführt, dann hau sie ab und wirf sie weg! Denn es ist besser für dich, dass eines deiner Glieder verloren geht, als dass dein ganzer Leib in die Hölle kommt.

31Ferner ist gesagt worden: Wer seine Frau aus der Ehe entlässt, muss ihr eine Scheidungsurkunde geben.

32Ich aber sage euch: Wer seine Frau entlässt, obwohl kein Fall von Unzucht vorliegt, liefert sie dem Ehebruch aus; und wer eine Frau heiratet, die aus der Ehe entlassen worden ist, begeht Ehebruch.

33Ihr habt gehört. dass zu den Alten gesagt worden ist: Du sollst keinen Meineid schwören, und: Du sollst halten, was du dem Herrn geschworen hast.

34Ich aber sage euch: Schwört überhaupt nicht, weder beim Himmel, denn er ist Gottes Thron,

35noch bei der Erde, denn sie ist der Schemel für seine Füße, noch bei Jerusalem, denn es ist die Stadt des großen Königs.

36Auch bei deinem Haupt sollst du nicht schwören; denn du kannst kein einziges Haar weiß oder schwarz machen.

37Euer Ja sei ein Ja, euer Nein ein Nein; alles andere stammt vom Bösen.

 

Oder:

Kurzfassung

Mt 5, 20-22a.27-28.33-34a.37 

Zu den Alten ist gesagt worden - ich aber sage euch

+ Aus dem heiligen Evangelium nach Matthäus

In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern:

20Darum sage ich euch: Wenn eure Gerechtigkeit nicht weit größer ist als die der Schriftgelehrten und Pharisäer, werdet ihr nicht in das Himmelreich kommen.

21Ihr habt gehört, dass zu den Alten gesagt worden ist: Du sollst nicht töten; wer aber jemand tötet, soll dem Gericht verfallen sein.

22aIch aber sage euch: Jeder, der seinem Bruder auch nur zürnt, soll dem Gericht verfallen sein.

27Ihr habt gehört, dass gesagt worden ist: Du sollst nicht die Ehe brechen.

28Ich aber sage euch: Wer eine Frau auch nur lüstern ansieht, hat in seinem Herzen schon Ehebruch mit ihr begangen.

33Ihr habt gehört. dass zu den Alten gesagt worden ist: Du sollst keinen Meineid schwören, und: Du sollst halten, was du dem Herrn geschworen hast.

34aIch aber sage euch: Schwört überhaupt nicht.

37Euer Ja sei ein Ja, euer Nein ein Nein; alles andere stammt vom Bösen.

 

Glaubensbekenntnis

Fürbitten: Im Jahreskreis

 

 

Zur Eucharistiefeier  Jesus konnte das Gesetz Gottes neu verkünden, weil er selbst es auf neue Weise erfüllt hat. Ich komme, um deinen Willen zu tun: in diesem Psalmwort ist die Haltung Jesu ausgesprochen und sein Weg vorgezeichnet (vgl. Hebr 10,5-10).

 

 

Gabengebet

Barmherziger Gott,

das heilige Opfer reinige uns von Sünden

und mache uns zu neuen Menschen.

Es helfe uns, nach deinem Willen zu leben,

damit wir den verheißenen Lohn erlangen.

Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.


Präfationen für die Sonntage im Jahreskreis

 

 

Kommunionvers

Vgl. Ps 78 (77), 29-30

Alle aßen und wurden satt; er gab ihnen, was sie begehrten.

Ihr Verlangen wurde erfüllt.

 

Oder:

 Joh 3, 16

Gott hat die Welt so geliebt, dass er seinen einzigen Sohn hingab,

damit jeder, der an ihn glaubt, nicht zugrunde geht,

sondern das ewige Leben hat.

 

 

SCHLUSSGEBET

Gott, du Spender alles Guten,

du hast uns das Brot des Himmels geschenkt.

Erhalte in uns das Verlangen nach dieser Speise,

die unser wahres Leben ist.

Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.

 

 

FÜR DEN TAG UND DIE WOCHE

Ja und Amen Im Wort Jesu und in seinem Geschick offenbart sich Gott so, wie er ist: als ein Gott für die Menschen. Jesus ist das Ja Gottes zum konkret existierenden Menschen. Er ist aber auch, stellvertretend für die Vielen das Ja des Menschen zu Gott, das Amen, das wir ihm nachsprechen und nachtun sollen: das Amen der Treue und des Vertrauens.

 

 

Perikopen

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