10. Sonntag im Jahreskreis A

 

Barmherzigkeit hat in unserer Sprache keinen besonders guten Klang. Wir wollen zuerst Gerechtigkeit. Aber sagen wir statt Barmherzigkeit einmal Freundlichkeit, Verständnis, Hilfsbereitschaft, Versöhnung: all das lässt sich nicht durch Gesetze erzwingen, es kann nur aus dem Herzen kommen. Ohne diese Barmherzigkeit (oder wie wir es nennen wollen), ohne die Liebe, die dem anderen Gutes will und Gutes tut, ist unser ganzer Gottesdienst nichts wert.

 

 

Eröffnungsvers

Ps 27 (26), 1-2

Der Herr ist mein Licht und mein Heil;

vor wem sollte ich mich fürchten?

Der Herr ist die Kraft meines Lebens;

vor wem sollte mir bangen?

Meine Bedränger und Feinde,

sie müssen straucheln und fallen.

 

Ehre sei Gott

 

 

Tagesgebet

Gott, unser Vater,

alles Gute kommt allein von dir.

Schenke uns deinen Geist,

damit wir erkennen, was recht ist,

und es mit deiner Hilfe auch tun.

Darum bitten wir durch Jesus Christus.

 

 

Zur 1. Lesung In dem Bußgebet Hos 6,1-3 ist von Rückkehr zu Gott die Rede, und von Rettung als der erwarteten Frucht dieses Bußgottesdienstes. Aber was soll ein Bußgottesdienst, wo kein ernster Wille zur Umkehr vorhanden ist? Gott will nicht äußerlichen Opferkult, sondern Liebe und Gotteserkenntnis: lebendiges Wissen um den hier und jetzt anwesenden, schenkenden und fordernden Gott.

 

 

ERSTE Lesung

Hos 6, 3-6

Liebe will ich, nicht Schlachtopfer

Lesung aus dem Buch Hosea

3Lasst uns streben nach Erkenntnis, nach der Erkenntnis des Herrn. Er kommt so sicher wie das Morgenrot; er kommt zu uns wie der Regen, wie der Frühjahrsregen, der die Erde tränkt.

4Was soll ich tun mit dir, Efraim? Was soll ich tun mit dir, Juda? Eure Liebe ist wie eine Wolke am Morgen und wie der Tau, der bald vergeht.

5Darum schlage ich drein durch die Propheten, ich töte sie durch die Worte meines Mundes. Dann leuchtet mein Recht auf wie das Licht.

6Liebe will ich, nicht Schlachtopfer, Gotteserkenntnis statt Brandopfer.

 

 

Antwortpsalm

Ps 50 (49), 7-8.12-13.14-15 (R: 23b)

          R Wer rechtschaffen lebt, dem zeig ich mein Heil.  -R

(GL neu 657,3)

7        Höre, mein Volk, ich rede.

II. Ton

          Israel, ich klage dich an,

          ich, der ich dein Gott bin.

       Nicht wegen deiner Opfer rüge ich dich,

          deine Brandopfer sind mit immer vor Augen. - (R)

12      Hätte ich Hunger, ich brauchte es dir nicht zu sagen,

          denn mein ist die Welt und was sie erfüllt.

13      Soll ich denn das Fleisch von Stieren essen

          und das Blut von Böcken trinken? - (R)

14      Bring Gott als Opfer dein Lob,

          und erfülle dem Höchsten deine Gelübde!

15      Rufe mich an am Tag der Not;

          dann rette ich dich, und du wirst mich ehren. - R

 

 

Zur 2. Lesung Nicht durch Erfüllung des mosaischen Gesetzes oder anderer Gesetze wird der Mensch vor Gott gerecht, sondern durch den Glauben (Röm 3,22). Der Glaube Abrahams war Hoffnung, Vertrauen, Gehorsam. Er hat Gott als den anerkannt, der sein Wort wahr macht, selbst da, wo es ganz unmöglich scheint. Wer so, ohne Vorbehalt, zu Gott ja sagt und sich in seine Hände gibt, zu dem sagt auch Gott ja; der ist gerecht, von Gott angenommen.

 

 

ZWEITE Lesung

Röm 4, 18-25

Er wurde stark im Glauben und erwies Gott Ehre

Lesung aus dem Brief des Apostels Paulus an die Römer

Brüder!

18Gegen alle Hoffnung hat Abraham voll Hoffnung geglaubt, dass er der Vater vieler Völker werde, nach dem Wort: So zahlreich werden deine Nachkommen sein.

19Ohne im Glauben schwach zu werden, war er, der fast Hundertjährige, sich bewusst, dass sein Leib und auch Saras Mutterschoß erstorben waren.

20Er zweifelte nicht im Unglauben an der Verheißung Gottes, sondern wurde stark im Glauben, und er erwies Gott Ehre,

21fest davon überzeugt, dass Gott die Macht besitzt zu tun, was er verheißen hat.

22Darum wurde der Glaube ihm als Gerechtigkeit angerechnet.

23Doch nicht allein um seinetwillen steht in der Schrift, dass der Glaube ihm angerechnet wurde,

24sondern auch um unseretwillen: er soll auch uns angerechnet werden, die wir an den glauben, der Jesus, unseren Herrn, von den Toten auferweckt hat.

25Wegen unserer Verfehlungen wurde er hingegeben, wegen unserer Gerechtmachung wurde er auferweckt.

 

 

Ruf vor dem Evangelium

Vers: vgl. Jes 61, 1 (Lk 4, 18)

Halleluja. Halleluja.

Der Herr hat mich gesandt,

den Armen die Frohe Botschaft zu bringen

und den Gefangenen die Freiheit zu verkünden.

Halleluja.

 

 

Zum Evangelium Für die gesetzestreuen Pharisäer ist es ein Ärgernis, dass Jesus sich mit Zöllnern und Sündern an einen Tisch setzt. Jesus aber beruft sich auf seine Sendung und auf den Willen Gottes. Er ist als Arzt für die Kranken gekommen, und seine Tischgemeinschaft mit den Sündern ist ein wahrerer Gottesdienst als die schöne Liturgie im Tempel. Herzliches Erbarmen und helfende Liebe ist der Dienst, den Gott eigentlich will.

 

 

Evangelium

Mt 9, 9-13

Ich bin gekommen, um die Sünder zu rufen, nicht die Gerechten

+ Aus dem heiligen Evangelium nach Matthäus

In jener Zeit

9sah Jesus einen Mann namens Matthäus am Zoll sitzen und sagte zu ihm: Folge mir nach! Da stand Matthäus auf und folgte ihm.

10Und als Jesus in seinem Haus beim Essen war, kamen viele Zöllner und Sünder und aßen zusammen mit ihm und seinen Jüngern.

11Als die Pharisäer das sahen, sagten sie zu seinen Jüngern: Wie kann euer Meister zusammen mit Zöllnern und Sündern essen?

12Er hörte es und sagte: Nicht die Gesunden brauchen den Arzt, sondern die Kranken.

13Darum lernt, was es heißt: Barmherzigkeit will ich, nicht Opfer. Denn ich bin gekommen, um die Sünder zu rufen, nicht die Gerechten.

 

Glaubensbekenntnis

Fürbitten: Im Jahreskreis

 

 

Zur Eucharistiefeier Es ist heute wie damals: Gott lädt die Sünder ein und ruft sie an seinen Tisch. Auch die frommen und feinen Leute gehören dazu, auch sie müssen sagen: Herr, ich bin nicht würdig.

 

 

Gabengebet

Herr, sieh gütig auf dein Volk,

das sich zu deinem Lob versammelt hat.

Nimm an, was wir darbringen,

und mehre durch diese Feier unsere Liebe.

Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.

 

Präfationen für die Sonntage im Jahreskreis

 

 

Kommunionvers

Ps 18 (17), 3

Herr, du bist mein Fels, meine Burg, mein Retter,

mein Gott, meine Zuflucht.

 

Oder:

1 Joh 4, 16

Gott ist Liebe, und wer in der Liebe bleibt, bleibt in Gott,

und Gott bleibt in ihm.

 

 

Schlussgebet

Barmherziger Gott,

die heilende Kraft dieses Sakramentes

befreie uns von allem verkehrten Streben

und führe uns auf den rechten Weg.

Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.

 

 

Für den Tag und die Woche

Das Maß  Barmherzigkeit will ich, nicht Opfer“: Jesus zitiert bei Matthäus gleich zweimal diesen großen Lehrsatz des Propheten Hosea (Mt 9,13; 12,7). Die Christenheit hat den Akzent vielfach anders setzen wollen; das schiefe Wort vom praktizierenden Christen ist der unwiderlegliche Zeuge für solches Denken und Werten. Der Gott der Offenbarung sollte gerade für die, die sich seine Frommen und seine Bekenner nennen, der Maßgebende schlechthin sein. Anderswo Maß zu nehmen, etwa an den eigenen Vorstellungen von Religion, ist gerade nicht die Religion, die Jahwe und Jesus wollen. (nach A. Deissler)

 

 

Perikopen

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