10. Sonntag im Jahreskreis B

 

Es gibt das Böse, und es gibt den Bösen. Die Geschichte der Menschheit ist der Beweis dafür. Jesus hat mit dem Bösen gerechnet, er ist ihm in vielfacher Gestalt begegnet: dem Dämon der Stummheit, der Unreinheit, der Lüge, des Hasses. Auch wir tun gut daran, mit ihm zu rechnen, auch wenn er in unserem Jahrhundert andere Gestalten annimmt. Wir wissen aber, dass Jesus der Stärkere ist.

 

 

Eröffnungsvers

Ps 27 (26), 1-2

Der Herr ist mein Licht und mein Heil;

vor wem sollte ich mich fürchten?

Der Herr ist die Kraft meines Lebens;

vor wem sollte mir bangen?

Meine Bedränger und Feinde,

sie müssen straucheln und fallen.

 

Ehre sei Gott

 

 

Tagesgebet

Gott, unser Vater,

alles Gute kommt allein von dir.

Schenke uns deinen Geist,

damit wir erkennen, was recht ist,

und es mit deiner Hilfe auch tun.

Darum bitten wir durch Jesus Christus.

 

 

Zur 1. Lesung Die biblische Erzählung vom Sündenfall sagt uns, was geschehen ist und was immer wieder geschieht. In wenigen Sätzen beschreibt sie den scheinbar kurzen und doch ungeheuren Weg von der Unschuld zur Schuld und von der Schuld zur Angst. - Die Lehre von der Erbsünde ergibt sich nicht direkt aus der Erzählung vom Sündenfall im Buch Genesis, sondern erst aus dem größeren Zusammenhang der Offenbarung (vgl. Röm 5,12). Die messianische Deutung von Genesis 3,15 versteht unter dem Nachkommen der Frau Christus, den Überwinder des Bösen.

 

 

ERSTE Lesung

Gen 3, 9-15

Feindschaft setze ich zwischen dich und die Frau, zwischen deinen Nachwuchs und den Nachwuchs der Frau

Lesung aus dem Buch Genesis

9Nachdem Adam von der Frucht des Baumes gegessen hatte, rief Gott, der Herr, ihm zu und sprach: Wo bist du?

10Er antwortete: Ich habe dich im Garten kommen hören; da geriet ich in Furcht, weil ich nackt bin, und versteckte mich.

11Darauf fragte er: Wer hat dir gesagt, dass du nackt bist? Hast du von dem Baum gegessen, von dem zu essen ich dir verboten habe?

12Adam antwortete: Die Frau, die du mir beigesellt hast, sie hat mir von dem Baum gegeben, und so habe ich gegessen.

13Gott, der Herr, sprach zu der Frau: Was hast du da getan? Die Frau antwortete: Die Schlange hat mich verführt, und so habe ich gegessen.

14Da sprach Gott, der Herr, zur Schlange: Weil du das getan hast, bist du verflucht unter allem Vieh und allen Tieren des Feldes. Auf dem Bauch sollst du kriechen und Staub fressen alle Tage deines Lebens.

15Feindschaft setze ich zwischen dich und die Frau, zwischen deinen Nachwuchs und ihren Nachwuchs. Er trifft dich am Kopf, und du triffst ihn an der Ferse.

 

 

Antwortpsalm

Ps 130 (129), 1-2.3-4.5-6b.6c-7a u. 8 (R: 7bc)

          R Beim Herrn ist die Huld,

(GL neu 639, 3)

          bei ihm ist Erlösung in Fülle.  -R
1        Aus der Tiefe rufe ich, Herr, zu dir:

II. Ton

2        Herr, höre meine Stimme!

          Wende dein Ohr mir zu,

          achte auf mein lautes Flehen! - (R)

3        Würdest du, Herr, unsere Sünden beachten,

          Herr, wer könnte bestehen?

4        Doch bei dir ist Vergebung,

          damit man in Ehrfurcht dir dient. - (R)

      Ich hoffe auf den Herrn, es hofft meine Seele,

          ich warte voll Vertrauen auf sein Wort.

6ab    Meine Seele wartet auf den Herrn

          mehr als die Wächter auf den Morgen. - (R)

6c      Mehr als die Wächter auf den Morgen

7a      soll Israel harren auf den Herrn.

      Ja, er wird Israel erlösen

          von all seinen Sünden. - R

 

 

Zur 2. Lesung Die Seele des apostolischen Dienstes ist der Glaube. Weil er an Jesus, den Auferstandenen, glaubt, verbraucht der Apostel sein Leben im Dienst der Verkündigung. Sein Glaube ist Liebe zu Christus und Liebe zu den Menschen, denen er das Licht Christi bringen will. Und sein Glaube ist Hoffnung: Warten auf die Begegnung mit Christus und die Offenbarung seiner Herrlichkeit.

 

 

ZWEITE Lesung

2 Kor 4, 13 - 5, 1

Wir glauben, darum reden wir

Lesung aus dem zweiten Brief des Apostels Paulus an die Korinther

Brüder!

13Wir haben den gleichen Geist des Glaubens, von dem es in der Schrift heißt: Ich habe geglaubt, darum habe ich geredet. Auch wir glauben, und darum reden wir.

14Denn wir wissen, dass der, welcher Jesus, den Herrn, auferweckt hat, auch uns mit Jesus auferwecken und uns zusammen mit euch vor sein Angesicht stellen wird.

15Alles tun wir euretwegen, damit immer mehr Menschen aufgrund der überreich gewordenen Gnade den Dank vervielfachen, Gott zur Ehre.

16Darum werden wir nicht müde; wenn auch unser äußerer Mensch aufgerieben wird, der innere wird Tag für Tag erneuert.

17Denn die kleine Last unserer gegenwärtigen Not schafft uns in maßlosem Übermaß ein ewiges Gewicht an Herrlichkeit,

18uns, die wir nicht auf das Sichtbare starren, sondern nach dem Unsichtbaren ausblicken; denn das Sichtbare ist vergänglich, das Unsichtbare ist ewig.

1Wir wissen: Wenn unser irdisches Zelt abgebrochen wird, dann haben wir eine Wohnung von Gott, ein nicht von Menschenhand errichtetes ewiges Haus im Himmel.

 

 

Ruf vor dem Evangelium

Vers: vgl. Joh 12, 31b.32

Halleluja. Halleluja.

(So spricht der Herr:)

Jetzt wird der Herrscher dieser Welt hinausgeworfen.

Und wenn ich über die Erde erhöht bin, werde ich alle an mich ziehen.

Halleluja.

 

 

Zum Evangelium Im Evangelium ist von den Angehörigen Jesu die Rede; im Schlussteil des Abschnitts werden seine Mutter und seine Brüder“ (seine Verwandten) genannt. Das Auftreten Jesu macht ihnen Kummer, sie verstehen ihn nicht mehr. Die Schriftgelehrten aus Jerusalem aber sagen, er sei vom Teufel besessen. Ihnen sagt Jesus in verhüllter Rede, dass er mächtiger ist als der Widersacher. Seinen Angehörigen aber versucht er zu erklären, wer seine wahren Verwandten sind: nicht die „draußen“, sondern die Freunde und Jünger an seinem Tisch. Sie hören sein Wort und halten ihm die Treue; Jesus ist ihnen Freund und Bruder geworden.

 

 

Evangelium

Mk 3, 20-35

Das Reich des Satans hat keinen Bestand

+ Aus dem heiligen Evangelium nach Markus

In jener Zeit

20ging Jesus in ein Haus, und wieder kamen so viele Menschen zusammen, dass er und die Jünger nicht einmal mehr essen konnten.

21Als seine Angehörigen davon hörten, machten sie sich auf den Weg, um ihn mit Gewalt zurückzuholen; denn sie sagten: Er ist von Sinnen.

22Die Schriftgelehrten, die von Jerusalem herabgekommen waren, sagten: Er ist von Beelzebub besessen; mit Hilfe des Anführers der Dämonen treibt er die Dämonen aus.

23Da rief er sie zu sich und belehrte sie in Form von Gleichnissen: Wie kann der Satan den Satan austreiben?

24Wenn ein Reich in sich gespalten ist, kann es keinen Bestand haben.

25Wenn eine Familie in sich gespalten ist, kann sie keinen Bestand haben.

26Und wenn sich der Satan gegen sich selbst erhebt und mit sich selbst im Streit liegt, kann er keinen Bestand haben, sondern es ist um ihn geschehen.

27Es kann aber auch keiner in das Haus eines starken Mannes einbrechen und ihm den Hausrat rauben, wenn er den Mann nicht vorher fesselt; erst dann kann er sein Haus plündern.

28Amen, das sage ich euch: Alle Vergehen und Lästerungen werden den Menschen vergeben werden, so viel sie auch lästern mögen;

29wer aber den Heiligen Geist lästert, der findet in Ewigkeit keine Vergebung, sondern seine Sünde wird ewig an ihm haften.

30Sie hatten nämlich gesagt: Er ist von einem unreinen Geist besessen.

31Da kamen seine Mutter und seine Brüder; sie blieben vor dem Haus stehen und ließen ihn herausrufen.

32Es saßen viele Leute um ihn herum, und man sagte zu ihm: Deine Mutter und deine Brüder stehen draußen und fragen nach dir.

33Er erwiderte: Wer ist meine Mutter, und wer sind meine Brüder?

34Und er blickte auf die Menschen, die im Kreis um ihn herumsaßen, und sagte: Das hier sind meine Mutter und meine Brüder.

35Wer den Willen Gottes erfüllt, der ist für mich Bruder und Schwester und Mutter.

 

Glaubensbekenntnis

Fürbitten: Im Jahreskreis

 

 

Zur Eucharistiefeier Christus in unserer Mitte: er sieht uns als seine Brüder und Schwestern. Uns: wer den Willen Gottes tut, so wie er selbst nichts anderes gesucht hat als den Willen des Vaters.

 

 

Gabengebet

Herr, sieh gütig auf dein Volk,

das sich zu deinem Lob versammelt hat.

Nimm an, was wir darbringen,

und mehre durch diese Feier unsere Liebe.

Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.

 

Präfationen für die Sonntage im Jahreskreis

 

 

Kommunionvers

Ps 18 (17), 3

Herr, du bist mein Fels, meine Burg, mein Retter,

mein Gott, meine Zuflucht.

 

Oder:

1 Joh 4, 16

Gott ist Liebe, und wer in der Liebe bleibt, bleibt in Gott,

und Gott bleibt in ihm.

 

 

Schlussgebet

Barmherziger Gott,

die heilende Kraft dieses Sakramentes

befreie uns von allem verkehrten Streben

und führe uns auf den rechten Weg.

Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.

 

 

Für den Tag und die Woche

Die Spannung  Das Wachstum im Glauben steigert die Empfindsamkeit des Menschen, und zwar nach der positiven wie nach der negativen Seite hin. Den Heiligen werden unendliche Räume der Freude erschlossen, aber sie leiden auch am schlimmsten an sich und an der Unerlöstheit der Welt. Mit der Fähigkeit zur Vision der kommenden, anbrechenden Herrlichkeit steigert sich auch die Einsicht in die Tiefe des Abgrunds der Bosheit und Gottwidrigkeit. Die Waagschalen des Empfindens werden auf beiden Seiten stärker beladen ... Das bringt in das Leben des Glaubenden eine große, oft ungeheure und zuweilen kaum mehr zu ertragende Spannung. (Bernardin Schellenberger)

 

 

Perikopen

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