Dienstag der 17. Woche im Jahreskreis

 

Tagesgebet

Gütiger Gott,

durch das Wirken deiner Gnade

schenkst du uns schon auf Erden

den Anfang des ewigen Lebens.

Vollende, was du in uns begonnen hast,

und führe uns hin zu jenem Licht,

in dem du selber wohnst.

Darum bitten wir durch Jesus Christus. (MB 103)

 

Oder ein anderes Tagesgebet

 

 

Jahr I

Zur Lesung In den Kapiteln über die Ereignisse am Sinai ist bereits die zukünftige Geschichte des Sinaibundes dargestellt: Beteuerung des Gehorsams und der Treue, Bundesbruch, Strafe, Verzeihung und Erneuerung des Bundes (vgl. Ex 19 und 24; 32; 33-34). Nach einem Bundesbruch wird die Situation nicht einfach wieder so, wie sie vorher war. Gott ist zwar derselbe geblieben, aber die Menschen sind nicht mehr dieselben. - Seit der Sache mit dem Goldenen Kalb hat sich die Beziehung zwischen Gott und dem Volk verändert. Dass man Gott nicht mehr im Wohnbereich des Lagers begegnen kann, ist gewiss mit Absicht gerade an dieser Stelle vermerkt. Die Distanz ist größer geworden. Aber Mose ist nach wie vor der Vertraute Gottes, ihm offenbart Jahwe aufs Neue seinen „Namen“, diesen Namen, der seit Ex 3,14 ein Versprechen rettender Gegenwart war. Noch in viel späterer Zeit wird man in Israel beten: „Um deines Namens willen reiß uns heraus“ (Ps 79,9). Der Retter ist aber auch der Richter er straft den, der den Bund bricht, doch der Bund bleibt bestehen, denn „Jahwe ist ein barmherziger und gnädiger Gott ...“ (34,6). Daraufhin kann Mose bitten: vergib uns, lass uns dein Eigentum sein! -  Zu 34,6-7: Dtn 7,9-10; Tob 3,3; Ps 130,3-4; Ex 20,5-6; Num 14,18; Dtn 5,9-10; Ps 86,15; Jer 32,18; Nah 1,3; Joel 2,13; Jona 4,2; Joh 1,14.

 

 

ERSTE Lesung

Ex 33, 7-11; 34, 4b.5-9.28

Der Herr und Mose redeten miteinander Auge in Auge

Lesung aus dem Buch Exodus

In jenen Tagen

7nahm Mose das Zelt und schlug es für sich außerhalb des Lagers auf, in einiger Entfernung vom Lager. Er nannte es Offenbarungszelt. Wenn einer den Herrn aufsuchen wollte, ging er zum Offenbarungszelt vor das Lager hinaus.

8Wenn Mose zum Zelt hinausging, erhob sich das ganze Volk. Jeder trat vor sein Zelt, und sie schauten Mose nach, bis er in das Zelt eintrat.

9Sobald Mose das Zelt betrat, ließ sich die Wolkensäule herab und blieb am Zelteingang stehen. Dann redete der Herr mit Mose.

10Wenn das ganze Volk die Wolkensäule am Zelteingang stehen sah, erhoben sich alle und warfen sich vor ihren Zelten zu Boden.

11Der Herr und Mose redeten miteinander Auge in Auge, wie Menschen miteinander reden. Wenn Mose aber dann ins Lager zurückging, wich sein Diener Josua, der Sohn Nuns, ein junger Mann, nicht vom Zelt.

4b Am Morgen stand Mose zeitig auf und ging auf den Sinai hinauf, wie es ihm der Herr aufgetragen hatte. Die beiden steinernen Tafeln nahm er mit.

5Der Herr aber stieg in der Wolke herab und stellte sich dort neben ihn hin. Er rief den Namen Jahwe aus.

6Der Herr ging an ihm vorüber und rief: Jahwe ist ein barmherziger und gnädiger Gott, langmütig, reich an Huld und Treue:

7Er bewahrt Tausenden Huld, nimmt Schuld, Frevel und Sünde weg, lässt aber den Sünder nicht ungestraft; er verfolgt die Schuld der Väter an den Söhnen und Enkeln, an der dritten und vierten Generation.

8Sofort verneigte sich Mose bis zur Erde und warf sich zu Boden.

9Er sagte: Wenn ich deine Gnade gefunden habe, mein Herr, dann ziehe doch mein Herr mit uns. Es ist zwar ein störrisches Volk, doch vergib uns unsere Schuld und Sünde, und lass uns dein Eigentum sein!

28Mose blieb dort beim Herrn vierzig Tage und vierzig Nächte. Er aß kein Brot und trank kein Wasser. Er schrieb die Worte des Bundes, die zehn Worte, auf Tafeln.

                

 

Antwortpsalm

Ps 103 (102), 6-7.8-9.10-11.12-13 (R: vgl. 8a)

          R Gnädig und barmherzig ist der Herr. - R

(GL neu 517)

6        Der Herr vollbringt Taten des Heiles,

IV. Ton

          Recht verschafft er allen Bedrängten.

7        Er hat Mose seine Wege kundgetan,

          den Kindern Israels seine Werke. - (R)

8        Der Herr ist barmherzig und gnädig,

          langmütig und reich an Güte.

9        Er wird nicht immer zürnen,

          nicht ewig im Groll verharren. - (R)

10      Er handelt an uns nicht nach unsern Sünden

          und vergilt uns nicht nach unsrer Schuld.

11      Denn so hoch der Himmel über der Erde ist

          so hoch ist seine Huld über denen, die ihn fürchten. - (R)

12      So weit der Aufgang entfernt ist vom Untergang,

          so weit entfernt er die Schuld von uns.

13      Wie ein Vater sich seiner Kinder erbarmt,

          so erbarmt sich der Herr über alle, die ihn fürchten. - R

 

 

Jahr II

Zur Lesung Die Lesung ist aus einem Prophetenwort und einem Volksklagelied zusammengesetzt (V. 17-18 und V. 19-22). Unmittelbare Veranlassung war eine große Dürre (14,1), gegen die alle „Regenspender“ nichts vermochten. Der Prophet weint über die Not, zumal Gott ihn wissen ließ, dass noch Schlimmeres kommen wird; in 14,12 steht die Dreiheit „Schwert, Hunger und Pest“. In den Versen 19-22 wird der Prophet gleichsam zum Vorbeter der Gemeinde. Das Gebet hat drei Teile: Schilderung der Not, Bekenntnis der Schuld, Bitte um Hilfe. Der Prophet lässt das Volk so beten, wie er selbst denkt: dass es beten müsste. Die Bitte wird doppelt motiviert: a) Gott möge an seinen Namen denken, der in Jerusalem wohnt; b) vor allem aber, er möge an den Bund denken, den er mit Israel geschlossen hat. An ihn „denken“, das bedeutet: ihn nicht lösen, ihn nicht auch seinerseits kündigen, so wie das Volk ihn durch seinen Abfall praktisch gekündigt hat. Der Prophet glaubt an Gottes Treue, über alle Untreue des Volkes hinweg. - Jer 8,15; Am 5,18; Ex 2,24; 6,5; Ps 106,45; 147,8.

 

 

ERSTE Lesung

Jer 14, 17b-22

Herr, gedenke deines Bundes mit uns, und löse ihn nicht!

Lesung aus dem Buch Jeremia

17Meine Augen fließen über von Tränen bei Tag und bei Nacht und finden keine Ruhe. Denn großes Verderben brach herein über die Jungfrau, die Tochter, mein Volk, eine unheilbare Wunde.

18Gehe ich aufs Feld hinaus - seht, vom Schwert Durchbohrte! Komme ich in die Stadt - seht, vom Hunger Gequälte! Ja, auch Propheten und Priester werden verschleppt in ein Land, das sie nicht kennen.

19Hast du denn Juda ganz verworfen, wurde dir Zion zum Abscheu? Warum hast du uns so geschlagen, dass es für uns keine Heilung mehr gibt? Wir hofften auf Heil, doch kommt nichts Gutes, auf die Zeit der Heilung, doch ach, nur Schrecken!

20Wir erkennen, Herr, unser Unrecht, die Schuld unsrer Väter: Ja, wir haben gegen dich gesündigt.

21Um deines Namens willen verschmäh nicht, verstoß nicht den Thron deiner Herrlichkeit! Gedenke deines Bundes mit uns, und löse ihn nicht!

22Gibt es etwa Regenspender unter den Götzen der Völker? Oder ist es der Himmel, der von selbst regnen lässt? Bist nicht du es, Herr, unser Gott? Wir setzen unsre Hoffnung auf dich; denn du hast dies alles gemacht.

 

 

Antwortpsalm

Ps 79 (78), 5 u. 8.9.11 u. 13 (R: vgl. 9b)

          R Um deines Namens willen, Herr, befreie uns! - R

(GL neu 623,2)

5        Wie lange noch, Herr? Willst du auf ewig zürnen?

II. Ton

          Wie lange noch wird dein Eifer lodern wie Feuer?

8        Rechne uns die Schuld der Vorfahren nicht an!

          Mit deinem Erbarmen komm uns eilends entgegen!

          Denn wir sind sehr erniedrigt. - (R)

9        Um der Ehre deines Namens willen

          hilf uns, du Gott unsres Heils!

          Um deines Namens willen reiß uns heraus

          und vergib uns die Sünden! - (R)

11      Das Stöhnen der Gefangenen dringe zu dir.

          Befrei die Todgeweihten durch die Kraft deines Armes!

13      Wir, dein Volk, die Schafe deiner Weide,

          wollen dir ewig danken,

          deinen Ruhm verkünden von Geschlecht zu Geschlecht. - R

 

 

Jahr I und II

Ruf vor dem Evangelium

Halleluja. Halleluja.

Der Samen ist das Wort Gottes, der Sämann ist Christus.

Wer Christus findet, der bleibt in Ewigkeit.

Halleluja.

 

 

Zum Evangelium Im Gleichnis vom Unkraut unter dem Weizen (13,24-30) ging es darum, dass der Hausvater Unkraut und Weizen zusammen wachsen lässt: es gibt in der Kirche Gute und Böse, Heilige und Sünder, und es wird jedem Fanatismus gewehrt, der jetzt schon alles Unkraut ausreißen möchte. In der Deutung des Gleichnisses verlagert sich das Schwergewicht von der gegenwärtigen Zeit der Kirche auf die Zeit des Endgerichts. Richter ist der erhöhte Menschensohn, sein Reich („der Acker“, V. 38) ist die Welt. Er hat den guten Samen ausgestreut, er wird auch endgültig entscheiden, was Weizen und was Unkraut ist. Unkraut sind nach Vers 38 „die Söhne des Bösen“, nach Vers 41 alle Verführer und Übeltäter - innerhalb und außerhalb der Kirche. Beim „Feuerofen“ brauchen wir nicht an ein physisches Feuer zu denken; es ist Strafe genug, vom Licht und von der Freude der Gottesgemeinschaft ausgeschlossen zu sein. Die Hölle ist ein kaltes Feuer; deshalb das Zähneklappern. Von den Gerechten ist nur ganz kurz die Rede, sie sind ja sozusagen der Normalfall; über die Häufigkeit dieses Normalfalls wird uns hier nichts gesagt. - Jes 27,12; Joel 4,13; Offb 14,15-16; Mt 3,12; Offb 21,8; Mt 8,12; Ri 5,31; Weish 3,7; Dan 12,3.

 

 

Evangelium

Mt 13, 36-43

Wie das Unkraut aufgesammelt und im Feld verbrannt wird, so wird es auch am Ende der Welt sein

+ Aus dem heiligen Evangelium nach Matthäus

In jener Zeit

36verließ Jesus die Menge und ging nach Hause. Und seine Jünger kamen zu ihm und sagten: Erkläre uns das Gleichnis vom Unkraut auf dem Acker.

37Er antwortete: Der Mann, der den guten Samen sät, ist der Menschensohn;

38der Acker ist die Welt; der gute Samen, das sind die Söhne des Reiches; das Unkraut sind die Söhne des Bösen;

39der Feind, der es gesät hat, ist der Teufel; die Ernte ist das Ende der Welt; die Arbeiter bei dieser Ernte sind die Engel.

40Wie nun das Unkraut aufgesammelt und im Feuer verbrannt wird, so wird es auch am Ende der Welt sein:

41Der Menschensohn wird seine Engel aussenden, und sie werden aus seinem Reich alle zusammenholen, die andere verführt und Gottes Gesetz übertreten haben,

42und werden sie in den Ofen werfen, in dem das Feuer brennt. Dort werden sie heulen und mit den Zähnen knirschen.

43Dann werden die Gerechten im Reich ihres Vaters wie die Sonne leuchten. Wer Ohren hat, der höre!

 

 

Fürbitten

Wir bitten unseren Herrn Jesus Christus, der weiß, was wir nötig haben:

Steh den Verkündern des Evangeliums bei, dass sie im Dienst an deinem Wort nicht ermüden.

A.: Herr, erhöre unser Gebet.

Unterstütze alle, die sich für mehr Gerechtigkeit zwischen den sozialen Gruppen einsetzen.

Lass die Notleidenden nicht im Stich, und gib ihnen Helfer.

Vergib unsere Schuld, damit wir in das Reich des Vaters gelangen.

Gütiger Gott, du erbarmst dich aller, die zu dir rufen. Erhöre unser Gebet durch Christus, unseren Herrn.

A.: Amen.

 

 

Der Bund wird immer dauern; Gottes Barmherzigkeit ist größer als die Sünden seines Volkes. Einzelne Menschen und ganze Geschlechter können sich vom Bund ausschließen, aber Gottes Verheißung (an Abraham, Mose, David) bleibt bestehen. Die Bundestheologie von Exodus 34,6-7 steht auch im Zusammenhang mit dem davidischen Bund. - Es wird Söhne Davids geben, die sich gegenüber dem Bund untreu erweisen. Gott wird sie bestrafen, aber er wird dem Haus Davids seine Treue und seine Liebe nicht entziehen (Ps 88,3o.32-34). In Ex 34,6 offenbart sich Jahwe als „Vorüberziehender“: Er ist ein Gott, der sich bewegt, der sich durch Taten zu erkennen gibt. Er ist kein Gott, der in einem Tempel oder einem Götzenbild eingefangen oder eingeschlossen werden kann. Israel stellt ihn den Göttern der Heiden gegenüber, die sich nur bewegen konnten, wenn man ihre Bilder trug (Jes 46,1-2) (vgl. James Plastaras).

 

Wenn wir ein Wort des Evangeliums von Gott empfangen, dann ist das kein Text, der uns zur Lektüre geboten wird, keine Idee, die wir zergliedern sollen, nein, es ist Gott, der in unserem Zelt zu uns spricht, von Angesicht zu Angesicht, wie ein Mensch mit seinem Freund redet. Wenn wir ihm auf diese Art lauschen, dann wird das Wort ‚lebendig‘ in uns sein und ‚wirksam‘, es wird in uns arbeiten, uns heilen, es wird uns zu neuem Leben erwecken“ (Louis Evely).

 

Perikopen

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