17. Sonntag im Jahreskreis  C

 

Einen Freund finden kann nur, wer imstande ist, ein Freund zu sein: frei, um über sich zu verfügen, und bereit, sich zu verschenken. Er kann vertrauen, und der Freund vertraut ihm. Der Freund kann um alles bitten. Und er ist da, wenn der Freund ihn braucht. - Gott ist der Heilige, der ganz Andere, der Herr. Gott ist auch der Freund, der einzige schließlich. Er ist für uns da. Und er braucht uns.

 

 

Eröffnungsvers

Vgl. Ps 68 (67), 6-7.36

Gott ist hier, an heiliger Stätte.

Gott versammelt sein Volk in seinem Haus,

er schenkt ihm Stärke und Kraft.

 

Ehre sei Gott

 

 

Tagesgebet

Gott, du Beschützer aller, die auf dich hoffen,

ohne dich ist nichts gesund und nichts heilig.

Führe uns in deinem Erbarmen den rechten Weg

und hilf uns,

die vergänglichen Güter so zu gebrauchen,

dass wir die ewigen nicht verlieren.

Darum bitten wir durch Jesus Christus.

 

 

Zur 1. Lesung Abraham wagt es, mit Gott zu rechten und zu handeln. Das ist keine naiv-primitive Geschichte. Es geht um die Gerechtigkeit Gottes, also um Gott selbst. Abraham ahnt das, was im heutigen Evangelium gesagt wird: Der „Richter über die ganze Erde“ ist auch der Freund, der Vater (Lk 11,8). Er rechnet anders als die Menschen, er kennt nicht unsere Mengenlehre: Wenige Gerechte genügen, um viele Gottlose zu retten (vgl. Gen 18,25). Am Ende wird es ein einziger Gerechter sein, der die Vielen rettet: der geliebte Sohn.

 

 

ERSTE Lesung

Gen 18, 20-32

Herr, zürne doch nicht, wenn ich mit dir rede

Lesung aus dem Buch Genesis

In jenen Tagen

20sprach der Herr zu Abraham: Das Klagegeschrei über Sodom und Gomorra, ja, das ist laut geworden, und ihre Sünde, ja, die ist schwer.

21Ich will hinabgehen und sehen, ob ihr Tun wirklich dem Klagegeschrei entspricht, das zu mir gedrungen ist. Ich will es wissen.

22Die Männer wandten sich von dort ab und gingen auf Sodom zu. Abraham aber stand noch immer vor dem Herrn.

23Er trat näher und sagte: Willst du auch den Gerechten mit den Ruchlosen wegraffen?

24Vielleicht gibt es fünfzig Gerechte in der Stadt: Willst du auch sie wegraffen und nicht doch dem Ort vergeben wegen der fünfzig Gerechten dort?

25Das kannst du doch nicht tun, die Gerechten zusammen mit den Ruchlosen umbringen. Dann ginge es ja dem Gerechten genauso wie dem Ruchlosen. Das kannst du doch nicht tun. Sollte sich der Richter über die ganze Erde nicht an das Recht halten?

26Da sprach der Herr: Wenn ich in Sodom, in der Stadt, fünfzig Gerechte finde, werde ich ihretwegen dem ganzen Ort vergeben.

27Abraham antwortete und sprach: Ich habe es nun einmal unternommen, mit meinem Herrn zu reden, obwohl ich Staub und Asche bin.

28Vielleicht fehlen an den fünfzig Gerechten fünf. Wirst du wegen der fünf die ganze Stadt vernichten? Nein, sagte er, ich werde sie nicht vernichten, wenn ich dort fünfundvierzig finde.

29Er fuhr fort, zu ihm zu reden: Vielleicht finden sich dort nur vierzig. Da sprach er: Ich werde es der vierzig wegen nicht tun.

30Und weiter sagte er: Mein Herr zürne nicht, wenn ich weiterrede. Vielleicht finden sich dort nur dreißig. Er entgegnete: Ich werde es nicht tun, wenn ich dort dreißig finde.

31Darauf sagte er: Ich habe es nun einmal unternommen, mit meinem Herrn zu reden. Vielleicht finden sich dort nur zwanzig. Er antwortete: Ich werde sie um der zwanzig willen nicht vernichten.

32Und nochmals sagte er: Mein Herr zürne nicht, wenn ich nur noch einmal das Wort ergreife. Vielleicht finden sich dort nur zehn. Und wiederum sprach er: Ich werde sie um der zehn willen nicht vernichten.

 

 

Antwortpsalm

Ps 138 (137), 1-2b.2c-3.6-7b.7c-8 (R: 3a)

          R Herr, du hast mich erhört an dem Tag, als ich rief. - R

(GL neu 444)

1        Ich will dir danken aus ganzem Herzen,

V. Ton

          dir vor den Engeln singen und spielen;

2ab    ich will mich niederwerfen zu deinem heiligen Tempel hin

          und deinem Namen danken für deine Huld und Treue. - (R)

2cd    Denn du hast die Worte meines Mundes gehört,

          deinen Namen und dein Wort über alles verherrlicht.

3        Du hast mich erhört an dem Tag, als ich rief;

          du gabst meiner Seele große Kraft. - (R)

6        Ja, der Herr ist erhaben;

          doch er schaut auf die Niedrigen,

          und die Stolzen erkennt er von fern.

7ab    Gehe ich auch mitten durch große Not:

          du erhältst mich am Leben. - (R)

7cd    Du streckst die Hand aus gegen meine wütenden Feinde,

          und deine Rechte hilft mir.

8        Der Herr nimmt sich meiner an.

          Herr, deine Huld währt ewig.

          Lass nicht ab vom Werk deiner Hände! - R

 

 

Zur 2. Lesung Weder heidnische Philosophie noch jüdische Überlieferungen und Gesetzesbräuche können dem Menschen helfen. Letzten Endes bleibt nur der Glaube an die rettende Macht Gottes. Dieser Glaube ist möglich, weil Gott Jesus von den Toten auferweckt hat. In der Taufe sind wir mit ihm zu einem neuen Leben auferstanden. Die Schuld ist vergeben, Gott hat uns angenommen.

 

 

ZWEITE Lesung

Kol 2, 12-14

Gott hat euch mit Christus zusammen lebendig gemacht und euch alle Sünden vergeben

Lesung aus dem Brief des Apostels Paulus an die Kolosser

Brüder!

12Mit Christus wurdet ihr in der Taufe begraben, mit ihm auch auferweckt, durch den Glauben an die Kraft Gottes, der ihn von den Toten auferweckt hat.

13Ihr wart tot infolge eurer Sünden, und euer Leib war unbeschnitten; Gott aber hat euch mit Christus zusammen lebendig gemacht und uns alle Sünden vergeben.

14Er hat den Schuldschein, der gegen uns sprach, durchgestrichen und seine Forderungen, die uns anklagten, aufgehoben. Er hat ihn dadurch getilgt, dass er ihn an das Kreuz geheftet hat.

 

 

Ruf vor dem Evangelium

Vers: Röm 8, 15bc

Halleluja. Halleluja.

Ihr habt den Geist empfangen, der euch zu Söhnen macht,

den Geist, in dem wir rufen: Abba, Vater!

Halleluja.

 

 

Zum Evangelium Jesus hat gebetet, und er hat seine Jünger beten gelehrt. Er hat ihnen das Vaterunser als Grundform und Grundweisung für alles Beten gegeben. Bei Matthäus hat das Vaterunser sieben Bitten, bei Lukas nur fünf; vielleicht ist das die ursprünglichere Form. Jede Gemeinde und auch jeder Christ betet das Vaterunser, auch wenn sie den gleichen Wortlaut sprechen, auf ihre je eigene Weise. Und wer das Vaterunser mit aufrichtigem Herzen beten kann, hat angefangen, ein Jünger Jesu zu sein. - Lukas schließt an das Vaterunser weitere Jesusworte an: das Gleichnis vom bittenden Freund, die Ermutigung zum Bittgebet und zuletzt die Zusicherung, dass Gott uns nicht nur die kleinen Dinge geben will, sondern vor allem die große Gabe des Heiligen Geistes.

 

 

Evangelium

Lk 11, 1-13

Bittet, dann wird euch gegeben

+ Aus dem heiligen Evangelium nach Lukas

1Jesus betete einmal an einem Ort; und als er das Gebet beendet hatte, sagte einer seiner Jünger zu ihm: Herr, lehre uns beten, wie schon Johannes seine Jünger beten gelehrt hat.

2Da sagte er zu ihnen: Wenn ihr betet, so sprecht: Vater, dein Name werde geheiligt. Dein Reich komme.

3Gib uns täglich das Brot, das wir brauchen.

4Und erlass uns unsere Sünden; denn auch wir erlassen jedem, was er uns schuldig ist. Und führe uns nicht in Versuchung.

5Dann sagte er zu ihnen: Wenn einer von euch einen Freund hat und um Mitternacht zu ihm geht und sagt: Freund, leih mir drei Brote;

6denn einer meiner Freunde, der auf Reisen ist, ist zu mir gekommen, und ich habe ihm nichts anzubieten!,

7wird dann etwa der Mann drinnen antworten: Lass mich in Ruhe, die Tür ist schon verschlossen, und meine Kinder schlafen bei mir; ich kann nicht aufstehen und dir etwas geben?

8Ich sage euch: Wenn er schon nicht deswegen aufsteht und ihm seine Bitte erfüllt, weil er sein Freund ist, so wird er doch wegen seiner Zudringlichkeit aufstehen und ihm geben, was er braucht.

9Darum sage ich euch: Bittet, dann wird euch gegeben; sucht, dann werdet ihr finden; klopft an, dann wird euch geöffnet.

10Denn wer bittet, der empfängt; wer sucht, der findet; und wer anklopft, dem wird geöffnet.

11Oder ist unter euch ein Vater, der seinem Sohn eine Schlange gibt, wenn er um einen Fisch bittet,

12oder einen Skorpion, wenn er um ein Ei bittet?

13Wenn nun schon ihr, die ihr böse seid, euren Kindern gebt, was gut ist, wie viel mehr wird der Vater im Himmel den Heiligen Geist denen geben, die ihn bitten.

 

Glaubensbekenntnis

Fürbitten: Im Jahreskreis

 

 

Zur Eucharistiefeier Herr, gib uns jeden Tag das Brot, das wir brauchen. Gib es allen Menschen, die Hunger haben. Und den Satten gib den täglichen Hunger. Den Hunger nach deinem Wort und nach deinem Brot.

 

 

Gabengebet

Gütiger Gott,

nimm die Gaben an,

die wir von deiner Güte empfangen haben.

Lass deine Kraft in ihnen wirken,

damit sie uns in diesem Leben heiligen

und zu den ewigen Freuden führen.

Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.


Präfationen für die Sonntage im Jahreskreis

 

 

Kommunionvers

Ps 103 (102), 2

Lobe den Herrn, meine Seele,

und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat!

 

Oder:

Mt 5, 7-8

Selig, die barmherzig sind; denn sie werden Erbarmen finden.

Selig, die ein reines Herz haben; denn sie werden Gott schauen.

 

 

SCHLUSSGEBET

Herr, unser Gott,

wir haben

das Gedächtnis des Leidens Christi gefeiert

und das heilige Sakrament empfangen.

Was uns dein Sohn

in unergründlicher Liebe geschenkt hat,

das werde uns nicht zum Gericht,

sondern bringe uns das ewige Heil.

Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.

 

 

FÜR DEN TAG UND DIE WOCHE

Die Worte, die wir zu Gott sagen, sie können leise und arm und schüchtern sein. Wenn sie nur von Herzen kommen. Und wenn sie nur der Geist Gottes mitbetet. Dann hört sie Gott. Dann wird er keines dieser Worte vergessen. Dann wird er die Worte in seinem Herzen aufbewahren, weil man die Worte der Liebe nicht vergessen kann. Und dann wird er uns geduldig, ja selig weiter zuhören, ein ganzes Leben lang, bis wir ausgeredet haben, bis wir unser ganzes Leben ausgeredet haben. (K. Rahner)

 

 

Perikopen

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