DONNERSTAG DER 26. WOCHE IM JAHRESKREIS

 

TAGESGEBET

Gott und Vater unseres Herrn Jesus Christus,

im Neuen Bund

berufst du Menschen aus allen Völkern

und führst sie

im Heiligen Geist zur Einheit zusammen.

Gib, dass deine Kirche ihrer Sendung treu bleibt,

dass sie ein Sauerteig ist für die Menschheit,

die du in Christus erneuern

und zu einer Familie umgestalten willst.

Darum bitten wir durch Jesus Christus. (MB 1018)

 

Oder ein anderes Tagesgebet

 

 

Jahr I

Zur Lesung Während Nehemia mit erstaunlicher Energie und Umsicht den Wiederaufbau Jerusalems vorantrieb, war von Esra überhaupt nicht mehr die Rede gewesen, und es gibt für dieses lange Schweigen (von Esra 10 bis Neh 8) keine rechte Erklärung. Jedenfalls, nachdem der improvisierte Baumeister, Staatsmann und Stratege Nehemia die Mauern und Tore Jerusalems aufgebaut hat, ist auf einmal Esra (wieder) da. Offenbar will der Chronist hier die Tätigkeit beider Männer in einem gemeinsamen Werk gipfeln lassen. Dem Politiker Nehemia ging es ebenso wie dem Priester und Gesetzeslehrer Esra um Israel, das heilige Volk, dem Gott nach dem Gericht jetzt einen neuen Anfang gewährte. Am Sinai war dieses Volk durch das Wort Gottes zusammengerufen und durch die Verkündigung und Annahme des Gotteswillens als Volk gegründet worden (Ex 19-24). Jetzt ist die Stunde eines neuen Anfangs gekommen; das Gesetz wird vorgelesen, und mit der Erneuerung des Sinaibundes wird die neue Tempelgemeinde gegründet. Es war, politisch gesehen, kein Volk mehr, es war der Rest des Volkes. Das „Gesetz“, das Esra diesem Restvolk wieder gab, ist seither die Grundlage seiner Existenz - und seine Gefahr gewesen. - Esra 3,1; 7,6; Est 9,19; Jes 55,10-11; Dtn 6,4-9; 30,14.

 

 

ERSTE Lesung

Neh 8, 1-4a.5-6.7b-12

Esra öffnete das Buch des Gesetzes und pries den Herrn. Darauf antworteten alle: Amen, amen!

Lesung aus dem Buch Nehemia

1Das ganze Volk versammelte sich geschlossen auf dem Platz vor dem Wassertor und bat den Schriftgelehrten Esra, das Buch mit dem Gesetz des Mose zu holen, das der Herr den Israeliten vorgeschrieben hat.

2Am ersten Tag des siebten Monats brachte der Priester Esra das Gesetz vor die Versammlung; zu ihr gehörten die Männer und die Frauen und alle, die das Gesetz verstehen konnten.

3Vom frühen Morgen bis zum Mittag las Esra auf dem Platz vor dem Wassertor den Männern und Frauen und denen, die es verstehen konnten, das Gesetz vor. Das ganze Volk lauschte auf das Buch des Gesetzes.

4aDer Schriftgelehrte Esra stand auf einer Kanzel aus Holz, die man eigens dafür errichtet hatte.

5Esra öffnete das Buch vor aller Augen; denn er stand höher als das versammelte Volk. Als er das Buch aufschlug, erhoben sich alle.

6Dann pries Esra den Herrn, den großen Gott; darauf antworteten alle mit erhobenen Händen: Amen, amen! Sie verneigten sich, warfen sich vor dem Herrn nieder, mit dem Gesicht zur Erde.

7bDie Leviten erklärten dem Volk das Gesetz; die Leute blieben auf ihrem Platz.

8Man las aus dem Buch, dem Gesetz Gottes, in Abschnitten vor und gab dazu Erklärungen, so dass die Leute das Vorgelesene verstehen konnten.

9Der Statthalter Nehemia, der Priester und Schriftgelehrte Esra und die Leviten, die das Volk unterwiesen, sagten dann zum ganzen Volk: Heute ist ein heiliger Tag zu Ehren des Herrn, eures Gottes. Seid nicht traurig, und weint nicht! Alle Leute weinten nämlich, als sie die Worte des Gesetzes hörten.

10Dann sagte Esra zu ihnen: Nun geht, haltet ein festliches Mahl, und trinkt süßen Wein! Schickt auch denen etwas, die selbst nichts haben; denn heute ist ein heiliger Tag zur Ehre des Herrn. Macht euch keine Sorgen; denn die Freude am Herrn ist eure Stärke.

11Auch die Leviten beruhigten das ganze Volk und sagten: Seid still, denn dieser Tag ist heilig. Macht euch keine Sorgen!

12Da gingen alle Leute nach Hause, um zu essen und zu trinken und auch andern davon zu geben und um ein großes Freudenfest zu begehen; denn sie hatten die Worte verstanden, die man ihnen verkündet hatte.

 

 

Antwortpsalm

Ps 19 (18), 8.9.10 (R: 9a)

          R Die Befehle des Herrn sind richtig,

(GL neu 312, 7 oder 35, 1)

          sie erfreuen das Herz. - R
8        Die Weisung des Herrn ist vollkommen,

II. oder VII. Ton

          sie erquickt den Menschen

          Das Gesetz des Herrn ist verlässlich,

          den Unwissenden macht es weise. - (R)

9        Die Befehle des Herrn sind richtig,

          sie erfreuen das Herz;

          das Gebot des Herrn ist lauter,

          es erleuchtet die Augen. - (R)

10      Die Furcht des Herrn ist rein,

          sie besteht für immer.

          Die Urteile des Herrn sind wahr,

          gerecht sind sie alle. - R

 

 

Jahr II

Zur Lesung Dass es vor Gott keine Zuflucht gibt außer bei ihm selbst, hat viele Jahrhunderte nach Ijob Mohammed ausgesprochen (Koran, Sure 9,118). In 16,21 hat Ijob den Gott, der im Himmel sein Zeuge ist, um Hilfe angerufen gegen den Gott der Vergeltung, wie Ijobs Freunde ihn darstellten. In der heutigen Lesung sind die Verse 25-27 wichtig. Sie wurden in der Fassung der lateinischen Vulgata als Ausdruck des Glaubens an die leibliche Auferstehung gedeutet und fanden deshalb auch ihren Platz m der Totenliturgie. Diese Auffassung geht sicher über den ursprünglichen Sinn der Ijobstelle hinaus. Aber tatsächlich spricht Ijob in der äußersten Not die Hoffnung aus, einen Wahrer seines Rechts, einen „Erlöser“, zu finden, der für ihn eintritt, und wäre es auch erst nach dem Tod: „ohne mein Fleisch“. Jetzt hat Gott sein Angesicht vor Ijob verborgen (vgl. 13,24), aber er wird sich ihm wieder zuwenden, nicht als Fremder, als Feind, sondern als Freund. - Spr 30,14. - Zu 19,25-27: Dan 12,2; 2 Makk 7,9.11.14.23.

 

 

ERSTE LESUNG

Ijob 19, 21-27

Ich weiß: mein Erlöser lebt

Lesung aus dem Buch Ijob

21Erbarmt, erbarmt euch meiner, ihr, meine Freunde! Denn Gottes Hand hat mich getroffen.

22Warum verfolgt ihr mich wie Gott, warum werdet ihr an meinem Fleisch nicht satt?

23Dass doch meine Worte geschrieben würden, in einer Inschrift eingegraben

24mit eisernem Griffel und mit Blei, für immer gehauen in den Fels.

25Doch ich, ich weiß: mein Erlöser lebt, als Letzter erhebt er sich über dem Staub.

26Ohne meine Haut, die so zerfetzte, und ohne mein Fleisch werde ich Gott schauen.

27Ihn selber werde ich dann für mich schauen; meine Augen werden ihn sehen, nicht mehr fremd. Danach sehnt sich mein Herz in meiner Brust.

 

 

Antwortpsalm

Ps 27 (26), 7-8.9.13-14 (R: 13)

          R Ich bin gewiss, zu schauen die Güte des Herrn

  (GL neu 39, 1)

          im Land der Lebenden. - R
7        Vernimm, o Herr, mein lautes Rufen;

V. Ton

          sei mir gnädig, und erhöre mich!

8        Mein Herz denkt an dein Wort: Sucht mein Angesicht!

          Dein Angesicht, Herr, will ich suchen. - (R)

9        Verbirg nicht dein Gesicht vor mir;

          weise deinen Knecht im Zorn nicht ab!

          Du wurdest meine Hilfe.

          Verstoß mich nicht, verlass mich nicht,

          du Gott meines Heiles! - (R)

13      Ich bin gewiss, zu schauen

          die Güte des Herrn im Land der Lebenden.

14      Hoffe auf den Herrn, und sei stark!

          Hab festen Mut, und hoffe auf den Herrn! - R

 

 

Jahr I und II

Ruf vor dem Evangelium

Vers: Mk 1, 15

Halleluja. Halleluja.

Das Reich Gottes ist nahe.

Kehrt um, und glaubt an das Evangelium!

Halleluja.

 

 

Zum Evangelium In Kapitel 9,1-6 hat Lukas von der Aussendung der Zwölf berichtet (25. Woche, Mittwoch). Inzwischen hat Jesus seine Tätigkeit in Galiläa abgeschlossen und ist auf dem Weg nach Jerusalem. Die Zeit drängt, und die Ernte ist groß (10,2). „Ernte“ ist in der Sprache der Bibel ein Bild für das endzeitliche Gericht Gottes über die Völker. Dass sich die Mission auf alle Völker ausdehnt, darauf weist die Zahl 70 hin; ihr liegt wohl die Vorstellung zugrunde, dass es in der Welt 70 nichtjüdische Völker gibt (vgl. Gen 10). Jesus, der den Weg des Gottesknechtes geht, weiß sich zu allen Völkern gesandt (vgl. Jes 42,6; 49,6). Die Aussendungsrede (10,2-11) gibt Anweisungen über die Ausrüstung der Missionare und über ihr Verhalten in den Häusern und Ortschaften. Eine doppelte Tätigkeit wird den Jüngern aufgetragen: die Tat und das Wort (Wunder und Verkündigung). Beide sind Fortsetzung der Tätigkeit Jesu selbst, Zeichen, die nicht übersehen werden können. Daher am Schluss das Drohwort gegen die ungläubigen Städte. - Zu 10,2 („Ernte“): Joel 4,12-13; Jes 9,1-2; Hos 6,11; Mt 9,37-38; Joh 4,35-36. - Zu 10,3-12: Mt 10,7-16; Lk 9,3-5; 22,35; 2 Kön 4,29; Mk 6,8-11; 1 Tim 5,18; Apg 13,51.

 

 

Evangelium

Lk 10, 1-12

Der Friede, den ihr dem Haus wünscht, wird auf ihm ruhen

+ Aus dem heiligen Evangelium nach Lukas

1In jener Zeit suchte der Herr zweiundsiebzig andere aus und sandte sie zu zweit voraus in alle Städte und Ortschaften, in die er selbst gehen wollte.

2Er sagte zu ihnen: Die Ernte ist groß, aber es gibt nur wenig Arbeiter. Bittet also den Herrn der Ernte, Arbeiter für seine Ernte auszusenden.

3Geht! Ich sende euch wie Schafe mitten unter die Wölfe.

4Nehmt keinen Geldbeutel mit, keine Vorratstasche und keine Schuhe! Grüßt niemand unterwegs!

5Wenn ihr in ein Haus kommt, so sagt als erstes: Friede diesem Haus!

6Und wenn dort ein Mann des Friedens wohnt, wird der Friede, den ihr ihm wünscht, auf ihm ruhen; andernfalls wird er zu euch zurückkehren.

7Bleibt in diesem Haus, esst und trinkt, was man euch anbietet; denn wer arbeitet, hat ein Recht auf seinen Lohn. Zieht nicht von einem Haus in ein anderes!

8Wenn ihr in eine Stadt kommt und man euch aufnimmt, so esst, was man euch vorsetzt.

9Heilt die Kranken, die dort sind, und sagt den Leuten: Das Reich Gottes ist euch nahe.

10Wenn ihr aber in eine Stadt kommt, in der man euch nicht aufnimmt, dann stellt euch auf die Straße und ruft:

11Selbst den Staub eurer Stadt, der an unseren Füßen klebt, lassen wir euch zurück; doch das sollt ihr wissen: Das Reich Gottes ist nahe.

12Ich sage euch: Sodom wird es an jenem Tag nicht so schlimm ergehen wie dieser Stadt.

 

 

FÜRBITTEN

Jesus Christus fordert uns auf, um Arbeiter für die Ernte zu bitten. Darum beten wir:

Wecke in den Herzen der Menschen das Verlangen. dir zu dienen.

A.: Wir bitten dich, erhöre uns.

Schenke allen, die du erwählt hast, Großmut, deinem Ruf zu folgen.

Steh deinen Boten bei, dass ihr Wort Glauben findet.

Vergilt deinen Dienern alle Mühe, die sie um deinetwillen auf sich nehmen.

Herr Jesus Christus, du bist der gute Hirt, der sich um alle sorgt. Dir sei Lob und Ehre in alle Ewigkeit.     A.: Amen.

 

 

„Die Schafe, die mitten unter die Wölfe geschickt werden - nun, diese Tiere sind keine zoologischen Renommierstücke. Sie eignen sich nicht für heraldische Symbole. Da ist der Löwe schon ein ansehnlicheres Wappentier. Aber Jesus will mit diesem zoologischen Bilde von den Lämmern auf etwas ganz Bestimmtes deuten. Er deutet darauf hin, dass die Kirche wehrlos sein muss. Ihre Stärke kann nicht darin bestehen, dass sie durch Konkordate und Rechtsverträge eine stabile Position in der Gesellschaft hat, dass sie durch Gotteslästerungsparagraphen vor allzu massiven Angriffen bewahrt wird und den Schutz eines öffentlichen Tabus genießt. Je mehr sie so unter menschlichem Schutz steht und je mehr sie sich durch Machtgewinn sichert, umso schwächer, impotenter und belangloser wird sie in Wirklichkeit. Das ist paradox, aber es ist so, Ihre Stärke besteht nur im Vertrauen auf den Hirten und im Glauben an den, der sie sendet. Aber diese Kraft der Geringen (ausgerechnet sie!) wird auch den stärksten Tyranneien trotzen, und dieses Salz des Glaubens wird die Erde vor Fäulnis bewahren“ (Helmut Thielicke).

 

 

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