MITTWOCH DER 27. WOCHE IM JAHRESKREIS

 

TAGESGEBET

Du,

der du uns deinen Namen genannt

und uns Mut gemacht hast, dich anzusprechen,

wir kommen zu dir und sagen:

Gott, unser Vater,

wir danken dir, dass du für uns da bist.

Hilf uns,

dass auch wir für dich leben –

und für die Menschen,

in denen du uns begegnest.

Darum bitten wir durch Jesus Christus. (MB 318)

 

Oder ein anderes Tagesgebet

 

 

Jahr I

Zur Lesung Nachdem sich die Niniviten bekehrt haben, muss auch der Prophet sich bekehren. Dass Gott immer zum Verzeihen bereit ist, hat Jona aus alter israelitischer Überlieferung gewusst: „Jahwe ist ein barmherziger und gnädiger Gott, langmütig, reich an Huld und Treue“ (Ex 34,6). Jona meint, das könne nur für Israel, nicht aber für die verhasste Stadt Ninive gelten. Gerade gegen diese engstirnige Auffassung, die im Israel jener Zeit (4. Jh. v. Chr.) offenbar nicht so vereinzelt war, wendet sich das Jonabuch. Jahwe ist Herr über die ganze Welt, über alle Völker, nicht um sie zu vernichten, sondern um sie zu retten. Der Bekehrung und Rettung der Völker soll auch Israel dienen, das ist sein prophetisches Amt (vgl. Jes 43,10). Auch mit einem widerspenstigen Israel (=Jona) erreicht Jahwe sein Ziel. - Lk 15,28; Ps 103,8-10; 1 Kön 19,4; Tob 3,6.

 

 

ERSTE Lesung

Jona 3, 10b; 4, 1-11

Dir ist es leid um den Rizinusstrauch.

Mir aber sollte es nicht leid sein um Ninive, die große Stadt?

Lesung aus dem Buch Jona

10bGott reute das Unheil, das er ihnen angedroht hatte, und er führte die Drohung nicht aus.

1Das missfiel Jona ganz und gar, und er wurde zornig.

2Er betete zum Herrn und sagte: Ach Herr, habe ich das nicht schon gesagt, als ich noch daheim war? Eben darum wollte ich ja nach Tarschisch fliehen; denn ich wusste, dass du ein gnädiger und barmherziger Gott bist, langmütig und reich an Huld und dass deine Drohungen dich reuen.

3Darum nimm mir jetzt lieber das Leben, Herr! Denn es ist für mich besser zu sterben als zu leben.

4Da erwiderte der Herr: Ist es recht von dir, zornig zu sein?

5Da verließ Jona die Stadt und setzte sich östlich vor der Stadt nieder. Er machte sich dort ein Laubdach und setzte sich in seinen Schatten, um abzuwarten, was mit der Stadt geschah.

6Da ließ Gott, der Herr, einen Rizinusstrauch über Jona emporwachsen, der seinem Kopf Schatten geben und seinen Ärger vertreiben sollte. Jona freute sich sehr über den Rizinusstrauch.

7Als aber am nächsten Tag die Morgenröte heraufzog, schickte Gott einen Wurm, der den Rizinusstrauch annagte, so dass er verdorrte.

8Und als die Sonne aufging, schickte Gott einen heißen Ostwind. Die Sonne stach Jona auf den Kopf, so dass er fast ohnmächtig wurde. Da wünschte er sich den Tod und sagte: Es ist besser für mich zu sterben als zu leben.

9Gott aber fragte Jona: Ist es recht von dir, wegen des Rizinusstrauches zornig zu sein? Er antwortete: Ja, es ist recht, dass ich zornig bin und mir den Tod wünsche.

10Darauf sagte der Herr: Dir ist es leid um den Rizinusstrauch, für den du nicht gearbeitet und den du nicht großgezogen hast. Über Nacht war er da, über Nacht ist er eingegangen.

11Mir aber sollte es nicht leid sein um Ninive, die große Stadt, in der mehr als hundertzwanzigtausend Menschen leben, die nicht einmal rechts und links unterscheiden können - und außerdem so viel Vieh?

 

 

Antwortpsalm

Ps 86 (85), 3-4.5-6.9-10 (R: vgl. 15b)

          R Voll Langmut bist du, Herr,

(GL neu 401)

          und reich an Huld und Treue. - R
3        Du bist mein Gott. Sei mir gnädig, o Herr!

VI. Ton

          Den ganzen Tag rufe ich zu dir.

4        Herr, erfreue deinen Knecht;

          denn ich erhebe meine Seele zu dir. - (R)

5        Herr, du bist gütig und bereit zu verzeihen,

          für alle, die zu dir rufen, reich an Gnade.

6        Herr, vernimm mein Beten,

          achte auf mein lautes Flehen! - (R)

9        Alle Völker kommen und beten dich an,

          sie geben, Herr, deinem Namen die Ehre.

10      Denn du bist groß und tust Wunder;

          du allein bist Gott. - R

 

 

Jahr II

Zur Lesung Paulus hat keinen Zweifel an seiner Sendung zu den Heiden und an dem Evangelium, das er ihnen verkündet. Dennoch hätte es sein können, dass er vergeblich gearbeitet hätte (V. 2), dann nämlich, wenn die Gemeinde von Jerusalem seine Tätigkeit nicht anerkannte. Deshalb ging Paulus 14 Jahre nach seinem ersten Besuch wieder nach Jerusalem. Was er in Gal 2,7-10 über das Aposteltreffen in Jerusalem sagt, steht in einer gewissen Spannung zu dem, was Lukas darüber in Apg 15 berichtet. Paulus stellt die Sache von seinem Standpunkt aus dar. Ihm ist wichtig, dass seine Sendung zu den Heiden und seine Art, das Evangelium zu verkünden, von den maßgebenden Männern in Jerusalem anerkannt wurden, vor allem von Jakobus, Kephas und Johannes. Von einer Aufteilung der Missionsarbeit (Wir sollten zu den Heiden gehen, sie zu den Beschnittenen, Gal 2,9) steht nichts in Apg 15; es ist dabei auch gar nicht an das Nebeneinanderbestehen von zwei Kirchen zu denken, eher an zwei Richtungen, in die das eine Evangelium gesprochen wird. - Wie notwendig für die Einheit der Kirche der Kontakt zwischen Juden- und Heidenchristen war, zeigt der berühmte Zusammenstoß zwischen Petrus und Paulus in Antiochia (V. 11-14). Es genügt nicht, grundsätzlich das Recht der Heidenchristen auf Freiheit vom jüdischen Gesetz anzuerkennen; das war für Petrus so klar wie für Paulus. Der entscheidende Punkt in Antiochia war die Tischgemeinschaft, die Mahlgemeinschaft, in der sich die Gemeinschaft des Glaubens und der Liebe bezeugt und verwirklicht. - Zu 2,7-10: Röm 15,17-19; 1 Tim 2,7; Apg 12,17; Eph 3,8; 1 Kor 16,1.

 

 

ERSTE Lesung

Gal 2, 1-2.7-14

Sie erkannten die Gnade, die mir verliehen ist

Lesung aus dem Brief des Apostels Paulus an die Galater

Brüder!

1Vierzehn Jahre später ging ich wieder nach Jerusalem hinauf, zusammen mit Barnabas; ich nahm auch Titus mit.

2Ich ging hinauf aufgrund einer Offenbarung, legte der Gemeinde und im besonderen den Angesehenen das Evangelium vor, das ich unter den Heiden verkündige; ich wollte sicher sein, dass ich nicht vergeblich laufe oder gelaufen bin.

7Im Gegenteil, sie sahen, dass mir das Evangelium für die Unbeschnittenen anvertraut ist wie dem Petrus für die Beschnittenen -

8denn Gott, der Petrus die Kraft zum Aposteldienst unter den Beschnittenen gegeben hat, gab sie mir zum Dienst unter den Heiden -,

9und sie erkannten die Gnade, die mir verliehen ist. Deshalb gaben Jakobus, Kephas und Johannes, die als die Säulen Ansehen genießen, mir und Barnabas die Hand zum Zeichen der Gemeinschaft: Wir sollten zu den Heiden gehen, sie zu den Beschnittenen.

10Nur sollten wir an ihre Armen denken; und das zu tun, habe ich mich eifrig bemüht.

11Als Kephas aber nach Antiochia gekommen war, bin ich ihm offen entgegengetreten, weil er sich ins Unrecht gesetzt hatte.

12Bevor nämlich Leute aus dem Kreis um Jakobus eintrafen, pflegte er zusammen mit den Heiden zu essen. Nach ihrer Ankunft aber zog er sich von den Heiden zurück und trennte sich von ihnen, weil er die Beschnittenen fürchtete.

13Ebenso unaufrichtig wie er verhielten sich die anderen Juden, so dass auch Barnabas durch ihre Heuchelei verführt wurde.

14Als ich aber sah, dass sie von der Wahrheit des Evangeliums abwichen, sagte ich zu Kephas in Gegenwart aller: Wenn du als Jude nach Art der Heiden und nicht nach Art der Juden lebst, wie kannst du dann die Heiden zwingen, wie Juden zu leben?

 

 

Antwortpsalm

Ps 117 (116), 1.2 (R: vgl. Mk 16, 15)

          R Geht hinaus in die ganze Welt,

(GL neu 454)

          und verkündet allen das Evangelium! - R
          (Oder: Halleluja.)
1        Lobet den Herrn, alle Völker,

VI. Ton

          preist ihn, alle Nationen! - (R)

2        Denn mächtig waltet über uns seine Huld,

          die Treue des Herrn währt in Ewigkeit. - R

 

 

Jahr I und II

Ruf vor dem Evangelium

Vers: Röm 8, 15bc

Halleluja. Halleluja.

Ihr habt den Geist empfangen, der euch zu Söhnen macht,

den Geist, in dem wir rufen: Abba, Vater!

Halleluja.

 

 

Zum Evangelium  Die Tatsache, dass Jesus betet, und die Art, wie er es tut, veranlasst die Bitte: „Herr, lehre uns beten!“ Jesus gibt den Jüngern das Vaterunser als Grundform und Grundweisung für alles Beten. Lukas berichtet im Vergleich zu Matthäus (Mt 6,9-13) einen kürzeren Wortlaut des Vaterunsers, mit nur fünf Bitten. In der Mitte steht die Bitte um das Brot, das wir täglich brauchen: das Brot für Leib und Seele. Voraus gehen zwei Gebetsrufe, die Gottes Ehre (seinen „Namen“) und das Kommen seiner Herrschaft zum Inhalt haben. Vergebung der Sünde und Bewahrung vor dem Bösen ist, nach dem täglichen Brot, das, was der Mensch am nötigsten hat. Wer dieses Gebet mit aufrichtigem Herzen sprechen kann, hat angefangen, ein Jünger Jesu zu sein.

 

 

Evangelium

Lk 11, 1-4

Herr, lehre uns beten!

+ Aus dem heiligen Evangelium nach Lukas

1Jesus betete einmal an einem Ort; und als er das Gebet beendet hatte, sagte einer seiner Jünger zu ihm: Herr, lehre uns beten, wie schon Johannes seine Jünger beten gelehrt hat.

2Da sagte er zu ihnen: Wenn ihr betet, so sprecht: Vater, dein Name werde geheiligt. Dein Reich komme.

3Gib uns täglich das Brot, das wir brauchen.

4Und erlass uns unsere Sünden; denn auch wir erlassen jedem, was er uns schuldig ist. Und führe uns nicht in Versuchung.

 

 

FÜRBITTEN

Jesus Christus hat uns beten gelehrt. Zu ihm rufen wir:

Erfülle dein Volk mit freudiger Erwartung, dass Gottes Reich kommt. (Stille) Christus, höre uns.

A.: Christus, erhöre uns.

Gib allen Menschen das tägliche Brot. (Stille) Christus, höre uns.

Vergib den Sündern ihre Schuld. (Stille) Christus, höre uns.

Rette uns aus der Macht des Bösen. (Stille) Christus, höre uns.

Denn du bist unser Mittler beim Vater und trittst für uns ein. Dir sei Dank und Ehre in alle Ewigkeit.     A.: Amen.

 

 

„Vor seiner Bekehrung hielt sich Foucauld oft stundenlang in einer Kirche auf und wiederholte sein, wie er sagte, ,seltsames Gebet‘: mein Gott, wenn es dich gibt, lass mich dich erkennen!‘ Sertillanges hat folgendes Vaterunser an den Anfang seines ‚Katechismus der Ungläubigen‘ gestellt:

,Vater, wenn es dich gibt, wage ich es, mich an dich zu wenden. Wenn es dich gibt, ist dein Name heilig: er werde geheiligt. Wenn es dich gibt, ist dein Reich die Ordnung und auch deren Glanz: dein Reich komme. Wenn es dich gibt, ist dein Wille das Gesetz der Welten und das Gesetz der Seelen: dein Wille geschehe in uns allen und in allen Dingen, wie im Himmel, so auf Erden.

Gib uns, wenn es dich gibt, unser tägliches Brot, das Brot der Wahrheit, das Brot der Weisheit, das Brot der Freude, das Brot über allem Brot, das man dem verspricht, der dafür danken kann. Wenn es dich gibt, habe ich dir gegenüber große Schuld: vergib mir meine Schuld, wie ich selbst gern denen vergebe, die mir etwas schulden. Verlass mich in Zukunft nicht in der Versuchung, sondern erlöse mich von allem Bösen‘ “ (Jean-François Six).

 

 

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