MONTAG DER 27. WOCHE IM JAHRESKREIS

 

TAGESGEBET

Gott.

In Jesus von Nazaret hast du der Welt

den neuen Menschen gegeben.

Wir danken dir,

dass wir ihn kennen dürfen;

dass sein Wort und Beispiel

in dieser Stunde unter uns lebendig wird.

Öffne uns für seine Gegenwart.

Rühre uns an mit seinem Geist.

Mach durch ihn auch uns zu neuen Menschen.

Darum bitten wir durch ihn, Jesus Christus. (MB 315, 29)

 

Oder ein anderes Tagesgebet

 

 

Jahr I

Zur Lesung Das Buch Jona hat seinen Namen von einem Propheten Jona, der in 2 Kön 14,25 erwähnt wird; das war in der Zeit Jerobeams II. (784-744 v. Chr.). Mit diesem Propheten wird aber unser Jonabuch außer dem Namen nicht viel gemeinsam haben. Wahrscheinlich hat es seine jetzige Gestalt erst in der Zeit nach dem babylonischen Exil erhalten. Es ist nicht, wie andere Prophetenbücher, eine Zusammenstellung von Prophetenworten, sondern eine Erzählung, und zwar eine „weisheitliche Lehrerzählung“. Die Erzählung steht ganz im Dienst der Lehre. Ob Jona wirklich im Bauch des Fisches war und nach drei Tagen wieder ausgespien wurde, ist völlig unwichtig; auch vom Neuen Testament her besteht keine Notwendigkeit, diese Erzählung als geschichtlichen Bericht zu verstehen. Wichtig ist das Gottesbild, dem wir hier begegnen: der Gott Israels kümmert sich um die ferne, verkommene Stadt Ninive und schickt ihr einen Propheten. Was der Prophet dort sagen soll, erfahren wir erst im dritten Kapitel. Er soll der Stadt das Gericht ankündigen. Jona flieht nicht, weil er vor Ninive Angst hat, sondern weil er ahnt, dass er sich, wie er es versteht, blamieren wird: dass Gott ihn blamieren wird; denn Jahwe ist ein gnädiger und barmherziger Gott, er ist unberechenbar. - Jona 4,2; Ps 107,23-33; Apg 27,18-19; Mt 8,24-25; Jer 26,15; Mt 12,40.

 

 

ERSTE Lesung

Jona 1, 1 - 2, 1.11

Jona machte sich auf den Weg; er wollte fliehen, weit weg vom Herrn

Lesung aus dem Buch Jona

1Das Wort des Herrn erging an Jona, den Sohn Amittais:

2Mach dich auf den Weg, und geh nach Ninive, in die große Stadt, und droh ihr das Strafgericht an! Denn die Kunde von ihrer Schlechtigkeit ist bis zu mir heraufgedrungen.

3Jona machte sich auf den Weg; doch er wollte nach Tarschisch fliehen, weit weg vom Herrn. Er ging also nach Jafo hinab und fand dort ein Schiff, das nach Tarschisch fuhr. Er bezahlte das Fahrgeld und ging an Bord, um nach Tarschisch mitzufahren, weit weg vom Herrn.

4Aber der Herr ließ auf dem Meer einen heftigen Wind losbrechen; es entstand ein gewaltiger Seesturm, und das Schiff drohte auseinander zu brechen.

5Die Seeleute bekamen Angst, und jeder schrie zu seinem Gott um Hilfe. Sie warfen sogar die Ladung ins Meer, damit das Schiff leichter wurde. Jona war in den untersten Raum des Schiffes hinabgestiegen, hatte sich hingelegt und schlief fest.

6Der Kapitän ging zu ihm und sagte: Wie kannst du schlafen? Steh auf, ruf deinen Gott an; vielleicht denkt dieser Gott an uns, so dass wir nicht untergehen.

7Dann sagten sie zueinander: Kommt, wir wollen das Los werfen, um zu erfahren, wer an diesem unserem Unheil schuld ist. Sie warfen das Los, und es fiel auf Jona.

8Da fragten sie ihn: Sag uns, was treibst du für ein Gewerbe, und woher kommst du, aus welchem Land und aus welchem Volk?

9Er antwortete ihnen: Ich bin ein Hebräer und verehre Jahwe, den Gott des Himmels, der das Meer und das Festland gemacht hat.

10Da bekamen die Männer große Angst und sagten zu ihm: Warum hast du das getan? Denn sie erfuhren, dass er vor Jahwe auf der Flucht war; er hatte es ihnen erzählt.

11Und sie sagten zu ihm: Was sollen wir mit dir machen, damit das Meer sich beruhigt und uns verschont? Denn das Meer wurde immer stürmischer.

12Jona antwortete ihnen: Nehmt mich und werft mich ins Meer, damit das Meer sich beruhigt und euch verschont. Denn ich weiß, dass dieser gewaltige Sturm durch meine Schuld über euch gekommen ist.

13Die Männer aber ruderten mit aller Kraft, um wieder an Land zu kommen; doch sie richteten nichts aus, denn das Meer stürmte immer heftiger gegen sie an.

14Da riefen sie zu Jahwe: Ach Herr, lass uns nicht untergehen wegen dieses Mannes, und rechne uns, was wir jetzt tun, nicht als Vergehen an unschuldigem Blut an. Denn wie du wolltest, Herr, so hast du gehandelt.

15Dann nahmen sie Jona und warfen ihn ins Meer, und das Meer hörte auf zu toben.

16Da ergriff die Männer große Furcht vor Jahwe und sie schlachteten für Jahwe ein Opfer und machten ihm viele Gelübde.

1Der Herr aber schickte einen großen Fisch, der Jona verschlang. Jona war drei Tage und drei Nächte im Bauch des Fisches,

11Da befahl der Herr dem Fisch, Jona ans Land zu speien.

 

 

Antwortpsalm

Jona 2, 3.4.5-6.8 u. 10 (R: vgl. 7c)

          R Du holtest mich lebendig herauf aus dem Grab, Herr, mein Gott. - R

(GL neu 312, 5)

3        In meiner Not rief ich zum Herrn,

VII. Ton

          und er erhörte mich.

          Aus der Tiefe der Unterwelt schrie ich um Hilfe,

          und du hörtest mein Rufen. - (R)

4        Du hast mich in die Tiefe geworfen, in das Herz der Meere;

          mich umschlossen die Fluten,

          all deine Wellen und Wogen

          schlugen über mir zusammen. - (R)

5        Ich dachte: Ich bin aus deiner Nähe verstoßen.

          Wie kann ich deinen heiligen Tempel wieder erblicken?

6        Das Wasser reichte mir bis an die Kehle,

          die Urflut umschloss mich. - (R)

8        Als mir der Atem schwand, dachte ich an den Herrn,

          und mein Gebet drang zu dir, zu deinem heiligen Tempel.

10      Ich will dir opfern und laut dein Lob verkünden.

          Was ich gelobt habe, will ich erfüllen.

          Vom Herrn kommt die Rettung. - R

 

 

Jahr II

Zur Lesung Auf seiner zweiten Missionsreise hat Paulus Galatien und Phrygien durchwandert (Apg 16,6). Die dort gewonnenen Christen hat er später nochmals besucht (Apg 18,23). Aber dann haben andere Missionare in den galatischen Gemeinden Verwirrung gestiftet: Judenchristen, die lehrten, auch die Heidenchristen müssen jüdische Vorschriften und Gebräuche beobachten; Paulus sei kein richtiger Apostel, und er habe ihnen nicht das wahre und ganze Evangelium gebracht. Paulus hat die Gefahr erkannt: hier ging es um mehr als um seine apostolische Autorität; es ging um den Kern des Evangeliums, um die Frage, ob die Erlösungstat Jesu Christi genügt, oder ob menschliche Leistungen die Gnade verdienen und ergänzen müssen. Mit leidenschaftlicher Erregung tritt Paulus im Galaterbrief für die Reinheit des Evangeliums und die Freiheit der Gnade ein. Die Galater sollen wissen: Sie sind von Gott berufen worden (V. 6), von dem Gott, der die Welt aus Nichts ins Dasein gerufen hat, der Jesus von den Toten auferweckt und Paulus zum bevollmächtigten Boten des Evangeliums gemacht hat. Die Berufenen stehen unter Gnade, nicht unter dem Gesetz. Das Evangelium ist die Botschaft von Gottes Größe und von der Freiheit seiner Gnade. Das alte Gesetz ist im Evangelium erfüllt und aufgehoben. - Zu 1,6: Röm 1,5-6; Eph 1,6-8; 2,12-13. - Zu 1,10: 1 Thess 2,4. - Zu 1,12: 1 Kor 11,23; 15,1-6.

 

 

ERSTE LESUNG

Gal 1, 6-12

Ich habe das Evangelium nicht von einem Menschen übernommen oder gelernt, sondern durch die Offenbarung Jesu Christi empfangen

Lesung aus dem Brief des Apostels Paulus an die Galater

Brüder!

6Ich bin erstaunt, dass ihr euch so schnell von dem abwendet, der euch durch die Gnade Christi berufen hat, und dass ihr euch einem anderen Evangelium zuwendet.

7Doch es gibt kein anderes Evangelium, es gibt nur einige Leute, die euch verwirren und die das Evangelium Christi verfälschen wollen.

8Wer euch aber ein anderes Evangelium verkündigt, als wir euch verkündigt haben, der sei verflucht, auch wenn wir selbst es wären oder ein Engel vom Himmel.

9Was ich gesagt habe, das sage ich noch einmal: Wer euch ein anderes Evangelium verkündigt, als ihr angenommen habt, der sei verflucht.

10Geht es mir denn um die Zustimmung der Menschen, oder geht es mir um Gott? Suche ich etwa Menschen zu gefallen? Wollte ich noch den Menschen gefallen, dann wäre ich kein Knecht Christi.

11Ich erkläre euch, Brüder: Das Evangelium, das ich verkündigt habe, stammt nicht von Menschen;

12ich habe es ja nicht von einem Menschen übernommen oder gelernt, sondern durch die Offenbarung Jesu Christi empfangen.

 

 

Antwortpsalm

Ps 111 (110), 1-2.7-8.9 u. 10c (R: Ps 105 [104], 7a. 8a)

          R Der Herr ist unser Gott;

(GL neu 60, 1)

          ewig denkt er an seinen Bund. - R
          (Oder: Halleluja.)
1        Den Herrn will ich preisen von ganzem Herzen

VI. Ton

          im Kreis der Frommen, inmitten der Gemeinde.

2        Groß sind die Werke des Herrn,

          kostbar allen, die sich an ihnen freuen. - (R)

7        Die Werke seiner Hände sind gerecht und beständig,

          all seine Gebote sind verlässlich.

8        Sie stehen fest für immer und ewig,

          geschaffen in Treue und Redlichkeit. - (R)

9        Er gewährte seinem Volk Erlösung

          und bestimmte seinen Bund für ewige Zeiten.

          Furchtgebietend ist sein Name und heilig.

10c    Sein Ruhm hat Bestand für immer. - R

 

 

Jahr I und II

Ruf vor dem Evangelium

Vers: Joh 13, 34ac

Halleluja. Halleluja.

(So spricht der Herr:)

Ein neues Gebot gebe ich euch:

Wie ich euch geliebt habe, so sollt auch ihr einander lieben.

Halleluja.

 

 

Zum Evangelium In dem Abschnitt 10,25 - 11,13 stellt Lukas drei Hauptforderungen zusammen: 1. das Hauptgebot der Gottes- und Nächstenliebe (10,25-37). 2. die Forderung nach dem einen Notwendigen, nämlich auf das Wort Gottes zu hören (10,38-42), und 3. die Forderung des rechten Betens (11,1-13). Der heutige Abschnitt spricht vom Gesetz, von der Liebe und vom ewigen Leben. „Was muss ich tun?“ fragt der Gesetzeslehrer zuerst (vgl. Lk 18,18), und dann: „Und wer ist mein Nächster?“ Auf die erste Frage gibt ihm die Antwort das Gesetz mit seinem großen Gebot (vgl. Mk 12,28-33; Dtn 6,5 und Lev 19,18). Auf die zweite antwortet Jesus mit dem Gleichnis vom guten Samariter. Dein Nächster ist, wer deine Hilfe braucht. Ihm bist du der Nächste; auf dein Tun kommt es an. Dem, der das Gute tut, wird im Endgericht das ewige Leben zugesprochen. Der „Nächste“ ist nicht nur der Mitmensch; es ist der Mensch, in dem Gott mir begegnet und mich in seine Gemeinschaft ruft. - Lk 6,27-38; 14,12-14; 15,4-7; Joh 13,1-35; 15,12-14; Röm 13,8-10; 15,7; Gal 5,14; 1 Kor 13; 1 Petr 1,22-25; 3,8-12; Phlm.

 

 

Evangelium

Lk 10, 25-37

Wer ist mein Nächster?

+ Aus dem heiligen Evangelium nach Lukas

25Da stand ein Gesetzeslehrer auf, und um Jesus auf die Probe zu stellen, fragte er ihn: Meister, was muss ich tun, um das ewige Leben zu gewinnen?

26Jesus sagte zu ihm: Was steht im Gesetz? Was liest du dort?

27Er antwortete: Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen und ganzer Seele, mit all deiner Kraft und all deinen Gedanken, und: Deinen Nächsten sollst du lieben wie dich selbst.

28Jesus sagte zu ihm: Du hast richtig geantwortet. Handle danach, und du wirst leben.

29Der Gesetzeslehrer wollte seine Frage rechtfertigen und sagte zu Jesus: Und wer ist mein Nächster?

30Darauf antwortete ihm Jesus: Ein Mann ging von Jerusalem nach Jericho hinab und wurde von Räubern überfallen. Sie plünderten ihn aus und schlugen ihn nieder; dann gingen sie weg und ließen ihn halb tot liegen.

31Zufällig kam ein Priester denselben Weg herab; er sah ihn und ging weiter.

32Auch ein Levit kam zu der Stelle; er sah ihn und ging weiter.

33Dann kam ein Mann aus Samarien, der auf der Reise war. Als er ihn sah, hatte er Mitleid,

34ging zu ihm hin, goss Öl und Wein auf seine Wunden und verband sie. Dann hob er ihn auf sein Reittier, brachte ihn zu einer Herberge und sorgte für ihn.

35Am andern Morgen holte er zwei Denare hervor, gab sie dem Wirt und sagte: Sorge für ihn, und wenn du mehr für ihn brauchst, werde ich es dir bezahlen, wenn ich wiederkomme.

36Was meinst du: Wer von diesen dreien hat sich als der Nächste dessen erwiesen, der von den Räubern überfallen wurde?

37Der Gesetzeslehrer antwortete: Der, der barmherzig an ihm gehandelt hat. Da sagte Jesus zu ihm: Dann geh und handle genauso!

 

 

FÜRBITTEN

Wir wollen zu Jesus Christus beten, der sich der Menschen angenommen hat:
Dränge alle Christen, ihr Leben nach dem Gebot der Liebe auszurichten. (Stille) Herr, erbarme dich.

A.: Christus, erbarme dich.

Bestärke alle, die sich für einen Ausgleich zwischen Arm und Reich einsetzen. (Stille) Herr, erbarme dich.

Steh den Menschen bei, die unter der Last des Lebens leiden. (Stille) Herr, erbarme dich.

Durchdringe uns mit deiner Liebe, dass wir miteinander barmherzig umgehen. (Stille) Herr, erbarme dich.

Herr, unser Gott, du sendest den Geist der Liebe allen, die dich darum bitten. Erhöre unser Gebet durch Christus, unseren Herrn.     A.: Amen.

 

 

„Jona fragt nicht, was Gott will und wer ihn nötig hat, sondern was ihm selbst Ruhe und Sicherheit bietet. So reist er übers Mittelmeer statt nach Osten, geht in die Wirtschaft statt in die Krankenhäuser, mengt sich unter die Großhandelsvertreter, statt Kanzel und Katheder in Großstadt zu suchen, oder: statt Kanzel und Katheder seines frommen Selbstbewusstseins zu verlassen wegen der befohlenen Hilfsaktion im Zentrum der Weltnöte. So wählt Jona heute die Freiheit. Freiheit heißt für ihn Befreiung vom Auftrag seines Herrn, Entfernung aus der Lebensgemeinschaft mit Jesus. Freiheit heißt Tarschisch, die Ferne, in der nichts mehr an ihn erinnert, die Sicherheit, in der man sich selbst leben kann ... Tarschisch wird uns nie befriedigen. Ninive bleibt unser Auftrag, nämlich die Bejahung der Aktion Gottes für die große Weltnot“ (H. W. Wolff).

 

 

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