MONTAG DER 28. WOCHE IM JAHRESKREIS

 

TAGESGEBET

Gott des Lebens.

Durch die Auferstehung deines Sohnes wissen wir:

Der Tod ist überwunden,

der Weg zu dir steht offen,

unser Leben ist unvergänglich.

Hilf uns,

in dieser Gewissheit unser Leben anzunehmen

und daraus zu machen, was du von uns erwartest.

Darum bitten wir durch Jesus Christus. (MB 308, 9)

 

Oder ein anderes Tagesgebet

 

 

Jahr I

Zur Lesung  Rom war zur Zeit des Apostels Paulus die Hauptstadt eines mächtigen Reiches und ein Sammelpunkt von Völkern, Göttern und Religionen. Es gab dort schätzungsweise 50.000 Juden. Der Ursprung der Christengemeinde von Rom liegt im Dunkeln; wir wissen nicht genau, wann Petrus nach Rom gekommen ist. Paulus hat an diese Gemeinde, bevor er sie persönlich kennen lernte, seinen längsten und wichtigsten Brief geschrieben. Dazu muss er einen bestimmten Anlass gehabt haben, den wir aber nur aus dem Brief selbst vermutungsweise erschließen können. Es gab in Rom wie auch in anderen Gemeinden Spannungen zwischen „Starken“ und „Schwachen“; die Starken waren in der Hauptsache wohl Heidenchristen, die Schwachen sind in den Reihen der Judenchristen zu suchen, die sich noch an ihre Vorschriften und Gebräuche gebunden fühlten. - Paulus beginnt seine Briefe im Stil seiner Zeit; am Anfang stehen Absender und Empfänger und ein kurzes Grußwort (Absender: V. 1-6; Empfänger: V. 7a; Grußwort: V. 7b). Aber was hat Paulus in diesen Briefanfang alles hineingepackt! Sein ganzes Evangelium, könnte man sagen: das Evangelium von Jesus Christus, dem Sohn Gottes und Sohn Davids, dem Auferstandenen und in seiner Gemeinde machtvoll gegenwärtigen Herrn, in dem sich die Verheißungen der Propheten erfüllt haben. - Ps 2,7; 2 Sam 7,1-17; Apg 9,15; 13,33; Röm 9,5; 10,9; 1 Tim 3,16; Offb 22,16.

 

 

ERSTE Lesung

Röm 1, 1-7

Durch Christus haben wir Gnade und Apostelamt empfangen, um alle Heiden zum Gehorsam des Glaubens zu führen

Lesung aus dem Brief des Apostels Paulus an die Römer

1Paulus, Knecht Christi Jesu, berufen zum Apostel, auserwählt, das Evangelium Gottes zu verkündigen,

2das er durch seine Propheten im Voraus verheißen hat in den heiligen Schriften:

3das Evangelium von seinem Sohn, der dem Fleisch nach geboren ist als Nachkomme Davids,

4der dem Geist der Heiligkeit nach eingesetzt ist als Sohn Gottes in Macht seit der Auferstehung von den Toten, das Evangelium von Jesus Christus, unserem Herrn.

5Durch ihn haben wir Gnade und Apostelamt empfangen, um in seinem Namen alle Heiden zum Gehorsam des Glaubens zu führen;

6zu ihnen gehört auch ihr, die ihr von Jesus Christus berufen seid.

7An alle in Rom, die von Gott geliebt sind, die berufenen Heiligen: Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserem Vater, und dem Herrn Jesus Christus.

 

 

Antwortpsalm

Ps 98 (97), 1.2-3b.3c-4 (R: vgl. 2)

          R Der Herr hat sein Heil enthüllt

(GL neu 55, 1)

          vor den Augen der Völker. - R
1        Singet dem Herrn ein neues Lied;

VIII. Ton

          denn er hat wunderbare Taten vollbracht.

          Er hat mit seiner Rechten geholfen

          und mit seinem heiligen Arm. - (R)

2        Der Herr hat sein Heil bekannt gemacht

          und sein gerechtes Wirken enthüllt vor den Augen der Völker.

3ab    Er dachte an seine Huld

          und an seine Treue zum Hause Israel. - (R)

3cd    Alle Enden der Erde

          sahen das Heil unsres Gottes.

4        Jauchzt vor dem Herrn, alle Länder der Erde,

          freut euch, jubelt und singt! - R

 

 

Jahr II

Zur Lesung Sozusagen zwei Stammbäume sehen wir in dieser schwierigen Lesung: den Stammbaum der Knechtschaft und den Stammbaum der Freiheit. Die erste Reihe beginnt bei Abraham und Hagar; der Sohn der Sklavin Hagar erinnert an die Unfreiheit des Gesetzes; das Gesetz hat seinen Ursprung am Sinai und seinen gegenwärtigen Ort im irdischen Jerusalem. Die zweite Reihe beginnt ebenfalls bei Abraham; sie führt über Sara, die Freie, und über Isaak zum himmlischen Jerusalem, zur Freiheit. Das ist rabbinische Schriftauslegung, die dem heutigen Leser nicht ohne weiteres einleuchtet, aber was Paulus sachlich hier sagen will, ist klar. Die Galater stehen vor der Wah1 zwischen dem irdischen Jerusalem, dem Gesetz, der Unfreiheit und dem himmlischen Jerusalem, das die freie Mutter von freien Kindern ist. Die Wahl sollte nicht schwer fallen, wenn die Frage erst einmal klargestellt und gesehen ist. Sie stellt sich dem heutigen Christen in anderer Form, aber nicht weniger beunruhigend. ­ Zu 4,22-24: Gen 16,15; 21,2-3; 17,16. - Zu 4,26-27: Offb 21,2; Jes 54,1. - Zu 5,1: Röm 6,15; Joh 8,36.

 

 

ERSTE Lesung

Gal 4, 22-24.26-27.31 - 5, 1

Wir sind nicht Kinder der Sklavin, sondern Kinder der Freien

Lesung aus dem Brief des Apostels Paulus an die Galater

Brüder!

22In der Schrift wird gesagt, dass Abraham zwei Söhne hatte, einen von der Sklavin, den andern von der Freien.

23Der Sohn der Sklavin wurde auf natürliche Weise gezeugt, der Sohn der Freien aufgrund der Verheißung.

24Darin liegt ein tieferer Sinn: Diese Frauen bedeuten die beiden Testamente. Das eine Testament stammt vom Berg Sinai und bringt Sklaven zur Welt; das ist Hagar -

26Das himmlische Jerusalem aber ist frei, und dieses Jerusalem ist unsere Mutter.

27Denn es steht in der Schrift: Freu dich, du Unfruchtbare, die nie geboren hat, brich in Jubel aus und jauchze, die du nie in Wehen lagst! Denn viele Kinder hat die Einsame, mehr als die Vermählte.

31Daraus folgt also, meine Brüder, dass wir nicht Kinder der Sklavin sind, sondern Kinder der Freien.

1Zur Freiheit hat uns Christus befreit. Bleibt daher fest und lasst euch nicht von neuem das Joch der Knechtschaft auflegen!

 

 

Antwortpsalm

Ps 113 (112), 1-2.3-4.5a u. 6-7 (R: 2)

          R Der Name des Herrn sei gepriesen

(GL neu 62, 2)

          von nun an bis in Ewigkeit. - R
          (Oder: Halleluja.)
1        Lobet, ihr Knechte des Herrn

V. Ton

          lobt den Namen des Herrn!

2        Der Name des Herrn sei gepriesen

          von nun an bis in Ewigkeit. - (R)

3        Vom Aufgang der Sonne bis zum Untergang

          sei der Name des Herrn gelobt.

4        Der Herr ist erhaben über alle Völker,

          seine Herrlichkeit überragt die Himmel. - (R)

5a      Wer gleicht dem Herrn, unserm Gott,

6        ihm, der in der Höhe thront,

          der hinabschaut in die Tiefe,

7        der den Schwachen aus dem Staub emporhebt

          und den Armen erhöht, der im Schmutz liegt? - R

 

 

Jahr I und II

Ruf vor dem Evangelium

Vers: vgl. Ps 95 (94), 7d.8a

Halleluja. Halleluja.

Wenn ihr heute seine Stimme hört,

verhärtet nicht euer Herz!

Halleluja.

 

 

Zum Evangelium  Das geforderte Zeichen ist ein Beglaubigungswunder, das die Worte und Taten Jesu allem Zweifel entheben soll. Jesus lehnt ein solches Zeichen ab und kündigt in der Sprache der alten Propheten dieser „bösen Generation“ das Gericht an. Dem ungläubigen Israel stellt er zwei Beispiele aus der Heidenwelt gegenüber: die Königin des Südens und die Männer von Ninive; die Heiden, die dem jüdischen Bewusstsein als unwissend und unrein gelten, sind in Wirklichkeit für den Anruf Gottes empfänglicher als das satte und selbstgerechte Israel; sie sind bereit, zu hören und sich zu bekehren. - Das Zeichen des Jona ist Jona selbst, wie auch das „Zeichen des Menschensohnes“ (Mt 24,30) der Menschensohn selbst sein wird, wenn er zum Gericht kommt. Der Menschensohn ist Jesus; er ist mehr als Salomo und mehr als Jona: mehr als Weisheit und prophetische Predigt. Sein Kommen und sein Wort stellen die Menschen vor die letzte Entscheidung, und zwar „hier“: nicht erst am Ende der Tage. - Mt 12,38-42; 16,1; Mk 8,11-13; Joh 6,30-31; 1 Kön 10,1-10; Jona 3.


                       

Evangelium

Lk 11, 29-32

Es wird dieser Generation kein anderes Zeichen gegeben werden als das Zeichen des Jona

+ Aus dem heiligen Evangelium nach Lukas

In jener Zeit

29als immer mehr Menschen zu Jesus kamen, sagte er: Diese Generation ist böse. Sie fordert ein Zeichen; aber es wird ihr kein anderes gegeben werden als das Zeichen des Jona.

30Denn wie Jona für die Einwohner von Ninive ein Zeichen war, so wird es auch der Menschensohn für diese Generation sein.

31Die Königin des Südens wird beim Gericht gegen die Männer dieser Generation auftreten und sie verurteilen; denn sie kam vom Ende der Erde, um die Weisheit Salomos zu hören. Hier aber ist einer, der mehr ist als Salomo.

32Die Männer von Ninive werden beim Gericht gegen diese Generation auftreten und sie verurteilen; denn sie haben sich nach der Predigt des Jona bekehrt. Hier aber ist einer, der mehr ist als Jona.

 

 

FÜRBITTEN

Zu Jesus Christus, der unsere Hoffnung ist, wollen wir beten:

Für die Kirche: dass sie auf den Ruf zur Umkehr höre. (Stille) Christus, höre uns.

A.: Christus, erhöre uns.

Für alle, die nicht glauben: dass sie zum Licht der Wahrheit gelangen. (Stille) Christus, höre uns.

Für die alten Menschen: dass du ihnen Geborgenheit gibst. (Stille) Christus, höre uns.

Für unsere Gemeinde: dass wir erlangen, was du verheißen hast. (Stille) Christus, höre uns.

Gott, unser Vater, unser Leben ruht in deiner Hand. Erhöre unsere Bitten durch Christus, unseren Herrn.     A.: Amen.

 

 

„Frei ist nur der, der glaubt; und das heißt, wer sich und sein Leben, wer seine ganze Existenz - durch Jesus - in Gott gegründet weiß, wer in Gott seinen sicheren Halt hat und nun diesen Halt gegen keinen anderen vertauscht, nicht gegen Sitte, Ordnung und Regel, nicht gegen ein Gesetz. - Die Gefahr ist groß. Sie lauert überall. Und sie tarnt sich eben oft christlich - in Galatien wie bei uns“ (Willi Marxsen).

 

Sind unsere Jahrzehnte nicht genügend erleuchtet worden durch Männer wie Maximilian Kolbe, Johannes XXIII. und Martin Luther King? Worauf warten wir noch? Wir rufen nach Heiligen, da sie ‚mitten unter uns‘ sind. Haben wir ihre Stimme vielleicht deshalb nicht gehört, weil wir unsere eigene bestätigt haben wollten? Dieses Geschlecht verlangt ein Zeichen ...‘

Das Evangelium ist nicht tot, sondern im Siegeslauf (vgl. 2 Kor 2,14). Sind wir vielleicht blind, dass wir dies nicht erkennen oder richten wir unseren Blick nicht dorthin, wo es lebt, oder meinen wir, dass es nur innerhalb unserer Kirche lebendig sein könnte?" (Wolfgang Trilling).

 

 

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