28. Sonntag im Jahreskreis

 

Jeder Mensch braucht die Hilfe anderer, um leben zu können. Wird sie ihm verweigert, so spricht man von Unmenschlichkeit. Wer aber nur das und all das haben will, worauf er glaubt, Anspruch zu haben, verliert dabei selber etwas wesentlich Menschliches: die Fähigkeit, sich beschenken zu lassen und zu danken. Gerade das Kostbarste: das Leben selbst und die Liebe, kann uns nur geschenkt werden.

 

 

Eröffnungsvers

Ps 130 (129), 3-4

Würdest du, Herr, unsere Sünden beachten,

Herr, wer könnte bestehen?

Doch bei dir ist Vergebung, Gott Israels.

 

Ehre sei Gott

 

 

Tagesgebet

Herr, unser Gott,

deine Gnade komme uns zuvor und begleite uns,

damit wir dein Wort im Herzen bewahren

und immer bereit sind, das Gute zu tun.

Darum bitten wir durch Jesus Christus.

 

 

Zur 1. Lesung Naaman, der General aus Damaskus, war tüchtig, aber er war krank geworden. Elischa hat ihn vom Aussatz geheilt. Nun will Naaman dem Propheten danken und den Gott des Propheten, den Gott Israels, ehren. Er muss aber in seine heidnische Heimat zurück, wie soll er sich da verhalten? Der strenge Prophet hat diesen frommen Heiden, trotz der Einfalt und Unsicherheit seines Glaubens, gütig und fast ehrfürchtig behandelt, wie ein Seelsorger, der an die Aufrichtigkeit eines Neubekehrten glaubt, ihm helfen möchte und ihn doch nur der Führung Gottes anheim geben kann.

 

 

ERSTE Lesung

2 Kön 5, 14-17

Naaman kehrte zum Gottesmann zurück und bekannte sich zum Herrn

Lesung aus dem zweiten Buch der Könige

In jenen Tagen

14ging Naaman, der Syrer, zum Jordan hinab und tauchte siebenmal unter, wie ihm der Gottesmann befohlen hatte. Da wurde sein Leib gesund wie der Leib eines Kindes, und er war rein.

15Nun kehrte er mit seinem ganzen Gefolge zum Gottesmann zurück, trat vor ihn hin und sagte: Jetzt weiß ich, dass es nirgends auf der Erde einen Gott gibt außer in Israel. So nimm jetzt von deinem Knecht ein Dankgeschenk an!

16Elischa antwortete: So wahr der Herr lebt, in dessen Dienst ich stehe: Ich nehme nichts an. Auch als Naaman ihn dringend bat, es zu nehmen, lehnte er ab.

17Darauf sagte Naaman: Wenn es also nicht sein kann, dann gebe man deinem Knecht so viel Erde, wie zwei Maultiere tragen können; denn dein Knecht wird keinem andern Gott mehr Brand- und Schlachtopfer darbringen als Jahwe allein.

 

 

Antwortpsalm

Ps 98 (97), 1.2-3b.3c-4 (R: vgl. 2)

          R Der Herr hat sein Heil enthüllt

(GL neu 56, 1)

          Vor den Augen der Völker. - R
1        Singet dem Herrn ein neues Lied;

V. Ton

          denn er hat wunderbare Taten vollbracht.

          Er hat mit seiner Rechten geholfen

          und mit seinem heiligen Arm. - (R)

2        Der Herr hat sein Heil bekannt gemacht

          und sein gerechtes Wirken enthüllt vor den Augen der Völker.

3ab    Er dachte an seine Huld

          und an seine Treue zum Hause Israel. - (R)

3cd    Alle Enden der Erde

          sahen das Heil unsres Gottes.

4        Jauchzt vor dem Herrn, alle Länder der Erde,

          freut euch, jubelt und singt! - R

 

 

Zur 2. Lesung Der 2. Brief an Timotheus ist in der eindringlichen Sprache eines Testaments geschrieben. Wer in die Spuren des Apostels tritt, entscheidet sich für ein gefährliches Leben. Der Dienst am Evangelium und die verantwortungsbewusste Liebe zu den „Auserwählten“ (2,10) fordern den Einsatz des ganzen Menschen. - Die vier abschließenden Wenn-Sätze klingen wie ein altes Bekennerlied; sie ­sind heute noch wahr. Zwei Möglichkeiten gibt es, zwei Wege: mit Christus zu leben, in Treue ihm nachzufolgen, oder ihm untreu zu werden, ihn zu verleugnen. Gott aber bleibt treu; er hat Heil und Herrlichkeit für den bereit, der ihm die Treue hält.

 

 

ZWEITE Lesung

2 Tim 2, 8-13

Wenn wir standhaft bleiben, werden wir mit Christus herrschen

Lesung aus dem zweiten Brief des Apostels Paulus an Timotheus

8Denk daran, dass Jesus Christus, der Nachkomme Davids, von den Toten auferstanden ist; so lautet mein Evangelium,

9für das ich zu leiden habe und sogar wie ein Verbrecher gefesselt bin; aber das Wort Gottes ist nicht gefesselt.

10Das alles erdulde ich um der Auserwählten willen, damit auch sie das Heil in Christus Jesus und die ewige Herrlichkeit erlangen.

11Das Wort ist glaubwürdig: Wenn wir mit Christus gestorben sind, werden wir auch mit ihm leben;

12wenn wir standhaft bleiben, werden wir auch mit ihm herrschen; wenn wir ihn verleugnen, wird auch er uns verleugnen.

13Wenn wir untreu sind, bleibt er doch treu, denn er kann sich selbst nicht verleugnen.

 

 

Ruf vor dem Evangelium

Vers: 1 Thess 5, 18

Halleluja. Halleluja.

Dankt für alles; denn das will Gott von euch,

die ihr Christus Jesus gehört.

Halleluja.

 

 

Zum Evangelium Nicht die Krankheit ist für Jesus das Problem, sondern der Mensch. Er heilt die zehn Aussätzigen, aber nur einer kommt zurück, um zu danken. Nur an ihm ist das Wunder ganz geschehen. Dieser eine, ein Samariter, glaubt und weiß, dass er nicht nur geheilt, sondern auch angenommen ist. Die anderen haben keine Zeit, sie haben Nachholbedarf Ansprüche an das Leben. Den aber, der ihnen das wirkliche Leben geben könnte, lassen sie stehen.

 

 

Evangelium

Lk 17, 11-19

Ist keiner umgekehrt, um Gott zu ehren, außer diesem Fremden?

+ Aus dem heiligen Evangelium nach Lukas

11Auf dem Weg nach Jerusalem zog Jesus durch das Grenzgebiet von Samarien und Galiläa.

12Als er in ein Dorf hineingehen wollte, kamen ihm zehn Aussätzige entgegen. Sie blieben in der Ferne stehen

13und riefen: Jesus, Meister, hab Erbarmen mit uns!

14Als er sie sah, sagte er zu ihnen: Geht, zeigt euch den Priestern! Und während sie zu den Priestern gingen, wurden sie rein.

15Einer von ihnen aber kehrte um, als er sah, dass er geheilt war; und er lobte Gott mit lauter Stimme.

16Er warf sich vor den Füßen Jesu zu Boden und dankte ihm. Dieser Mann war aus Samarien.

17Da sagte Jesus: Es sind doch alle zehn rein geworden. Wo sind die übrigen neun?

18Ist denn keiner umgekehrt, um Gott zu ehren, außer diesem Fremden?

19Und er sagte zu ihm: Steh auf und geh! Dein Glaube hat dir geholfen.

 

Glaubensbekenntnis

Fürbitten: Im Jahreskreis

 

 

Zur Eucharistiefeier Heilung und Heil habe ich erfahren am Tag meiner Taufe und oft seither. Daran denken heißt dafür danken. „Wir danken dir, Herr, dass du uns berufen hast, vor dir zu stehen und dir zu dienen.“ (Zweites eucharistisches Hochgebet)

 

 

Gabengebet

Herr und Gott,

nimm die Gebete und Opfergaben

deiner Gläubigen an.

Lass uns diese heilige Feier

mit ganzer Hingabe begehen,

damit wir einst das Leben

in der Herrlichkeit des Himmels erlangen.

Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.


Präfationen für die Sonntage im Jahreskreis

 

 

Kommunionvers

Ps 34 (33), 11

Reiche müssen darben und hungern.

Wer aber den Herrn sucht, braucht kein Gut zu entbehren.

 

Oder:

Vgl. 1 Joh 3, 2

Wenn der Herr offenbar wird, werden wir ihm ähnlich sein;

denn wir werden ihn sehen, wie er ist.

 

 

SCHLUSSGEBET

Allmächtiger Gott,

in der heiligen Opferfeier

nährst du deine Gläubigen

mit dem Leib und dem Blut deines Sohnes.

Gib uns durch dieses Sakrament auch Anteil

am göttlichen Leben.

Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.

 

 

FÜR DEN TAG UND DIE WOCHE

Die tiefe Bekehrung Herr, du hast mich geheilt. von dir kommt es, dass ich lebe. Deine Liebe hat mich gefunden, noch bevor ich rief. Ich habe von dir die Heilung empfangen, aber das Herz, das du berühren möchtest, ist immer noch nicht in seiner Tiefe aufgetan zum lebendigen Glauben: das Zurückkehren, die tiefe Bekehrung ist immer noch zu tun.

Herr, locke mich mit der Kraft deiner Liebe. Lass mich dankbar werden, damit das Herz, dieses so oft in sich befangene und verzagte, dieses so oft stumpfe und verschlossene Herz sich weitet und öffnet für dein größeres Wort: „Steh auf und geh! Dein Glaube hat dich heil gemacht.“ (J. Bours)

 

 

Perikopen

Zu Fragen der Auslegung und Exegese der liturgischen Lesungen empfehlen wir Ihnen auch den Besuch der Seite
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