MITTWOCH DER 29. WOCHE IM JAHRESKREIS

 

TAGESGEBET

Herr, unser Gott,

sende uns den Geist der Einsicht,

der Wahrheit und des Friedens.

Lass uns erkennen, was du von uns verlangst,

und gib uns die Bereitschaft,

einmütig zu erfüllen,

was wir als deinen Auftrag erkannt haben.

Darum bitten wir durch Jesus Christus. (MB 1052)

 

Oder ein anderes Tagesgebet

 

 

Jahr I

Zur Lesung  Durch die Erlösung in Christus Jesus sind alle „gerecht“ geworden (3,24); jeder Einzelne ist durch die Taufe in Christus und in die Kirche eingegliedert, das heißt aber: er ist in Gottes eigenes Leben und Tun hineingestellt: „Ihr seid tot für die Sünde, aber ihr lebt für Gott in Christus Jesus“ (6,11). Aus den Taufaussagen der Verse 6,2-11 ergeben sich die Taufmahnungen von 6,12-23. Das neue Leben „in Christus Jesus“ ist nicht einfach als Besitz gegeben, sondern als Hoffnung und als Anspruch. Die Sünde, die Ursünde der Selbstbehauptung und alle ihre Abarten, ist zwar draußen, gestorben und begraben, aber der Raum, in dem sie gelebt, der Leib, den sie beherrscht hat, muss erst lernen, seine Freiheit zu begreifen und von ihr Gebrauch zu machen. Der Leib mit seinen Gliedern (V. 12 und 13), d. h. die ganz konkrete Existenz des Menschen, seine Person und sein Können, muss sich Gott zur Verfügung stellen in einem Tag für Tag gelebten Gottesdienst (vgl. Röm 12,1-2). - Röm 7,14-24: 1 Kor 6,15; Gal 5,13-18; Joh 8,34; 1 Petr 2,24.

 

 

ERSTE Lesung

Röm 6, 12-18

Stellt euch Gott zur Verfügung als Menschen, die vom Tod zum Leben gekommen sind

Lesung aus dem Brief des Apostels Paulus an die Römer

Brüder!

12Die Sünde soll euren sterblichen Leib nicht mehr beherrschen, und seinen Begierden sollt ihr nicht gehorchen.

13Stellt eure Glieder nicht der Sünde zur Verfügung als Waffen der Ungerechtigkeit, sondern stellt euch Gott zur Verfügung als Menschen, die vom Tod zum Leben gekommen sind, und stellt eure Glieder als Waffen der Gerechtigkeit in den Dienst Gottes.

14Die Sünde soll nicht über euch herrschen; denn ihr steht nicht unter dem Gesetz, sondern unter der Gnade.

15Heißt das nun, dass wir sündigen dürfen, weil wir nicht unter dem Gesetz stehen, sondern unter der Gnade? Keineswegs!

16Ihr wisst doch: Wenn ihr euch als Sklaven zum Gehorsam verpflichtet, dann seid ihr Sklaven dessen, dem ihr gehorchen müsst; ihr seid entweder Sklaven der Sünde, die zum Tod führt, oder des Gehorsams, der zur Gerechtigkeit führt.

17Gott aber sei Dank; denn ihr wart Sklaven der Sünde, seid jedoch von Herzen der Lehre gehorsam geworden, an die ihr übergeben wurdet.

18Ihr wurdet aus der Macht der Sünde befreit und seid zu Sklaven der Gerechtigkeit geworden.

 

 

Antwortpsalm

Ps 124 (123), 1-2.3-4.5-6.7-8 (R: vgl. 8a)

          R Unsere Hilfe ist im Namen des Herrn. - R

(GL neu 60, 1 oder 310, 1)

1        Hätte sich nicht der Herr für uns eingesetzt

VI. Ton

          - so soll Israel sagen -,

2        hätte sich nicht der Herr für uns eingesetzt,

          als sich gegen uns Menschen erhoben. - (R)

3        Sie hätten uns lebendig verschlungen,

          als gegen uns ihr Zorn entbrannt war.

4        Dann hätten die Wasser uns weggespült,

          hätte sich über uns ein Wildbach ergossen. - (R)

5        Die Wasser hätten sich über uns ergossen,

          die wilden und wogenden Wasser.

6        Gelobt sei der Herr,

          der uns nicht ihren Zähnen als Beute überließ. - (R)

7        Unsre Seele ist wie ein Vogel dem Netz des Jägers entkommen;

          das Netz ist zerrissen, und wir sind frei.

8        Unsre Hilfe steht im Namen des Herrn,

          der Himmel und Erde gemacht hat. - R

 

 

Jahr II

Zur Lesung Soll der Christ seine Situation verstehen, so muss er auch wissen, wie die Botschaft und die „Gnade Gottes“ (3,2) zu ihm gekommen sind, mit anderen Worten: er muss Grundkenntnisse über die Geschichte der Kirche haben. Christus hat die Kirche auf das Fundament der Apostel und der Propheten gestellt (2,20). Die Verse 3,2-13 beschreiben den Dienst der Apostel und den des Paulus im Besonderen. Er hat sein Apostelamt mit der besonderen Ausrichtung auf die Heiden („für euch“, 3,2) bekommen. Das war für ihn selbst, den Juden und Pharisäer, etwas völlig Unerwartetes, das er überhaupt nur „durch eine Offenbarung“ begreifen konnte. Als Jude konnte er sich die Heiden höchstens als „Proselyten“ vorstellen, als solche, die sich dem Judentum anschließen, so gut sie können, ohne jedoch wirklich Juden zu werden. Nun aber sind die Heiden Miterben, gehören zum gleichen Leib, haben teil an der gleichen Verheißung (V. 6). Davon wussten „die Menschen“ nichts (V. 5): auch Abraham, Mose und die Propheten der alten Zeit nicht. Den „Fürsten und Gewalten des himmlischen Bereichs“ (V. 10) wird es jetzt erst klar, da durch die Predigt des Apostels Gottes ewiger Plan verwirklicht wird und die eine Kirche aus Juden und Heiden ins Dasein tritt. „In Christus“ haben die Worte Freiheit und Vertrauen (V. 12) einen neuen, alle Räume ausfüllenden Klang erhalten. - Zu 3,2-6: Gal 1,12; Röm 16,25-27; Joh 14,26; Eph 2,12-19. - Zu 3,7-12: 2 Kor 3,6; Kol 1,23; 1 Thess 2,4; 1 Kor 15,8-9; Gal 2,8; 1 Kor 2,7-9; 1 Petr 1,12; Röm 5,1-2.

 

 

ERSTE Lesung

Eph 3, 2-12

Das Geheimnis Christi ist jetzt offenbart worden: dass nämlich die Heiden Miterben der Verheißung sind

Lesung aus dem Brief des Apostels Paulus an die Epheser

Brüder!

2Ihr habt gehört, welches Amt die Gnade Gottes mir für euch verliehen hat.

3Durch eine Offenbarung wurde mir das Geheimnis mitgeteilt, das ich soeben kurz beschrieben habe.

4Wenn ihr das lest, könnt ihr sehen, welche Einsicht in das Geheimnis Christi mir gegeben ist.

5Den Menschen früherer Generationen war es nicht bekannt; jetzt aber ist es seinen heiligen Aposteln und Propheten durch den Geist offenbart worden:

6dass nämlich die Heiden Miterben sind, zu demselben Leib gehören und an derselben Verheißung in Christus Jesus teilhaben durch das Evangelium.

7Ihm diene ich dank der Gnade, die mir durch Gottes mächtiges Wirken geschenkt wurde.

8Mir, dem Geringsten unter allen Heiligen, wurde diese Gnade geschenkt: Ich soll den Heiden als Evangelium den unergründlichen Reichtum Christi verkündigen

9und enthüllen, wie jenes Geheimnis Wirklichkeit geworden ist, das von Ewigkeit her in Gott, dem Schöpfer des Alls, verborgen war.

10So sollen jetzt die Fürsten und Gewalten des himmlischen Bereichs durch die Kirche Kenntnis erhalten von der vielfältigen Weisheit Gottes,

11nach seinem ewigen Plan, den er durch Christus Jesus, unseren Herrn, ausgeführt hat.

12In ihm haben wir den freien Zugang durch das Vertrauen, das der Glaube an ihn schenkt.

 

 

Antwortpsalm

Jes 12, 2.3 u. 4bcd.5-6 (R: 3)

          R Ihr werdet Wasser schöpfen voll Freude

(GL neu 312, 6)

          aus den Quellen des Heils - R
2        Gott ist meine Rettung;

V. Ton

          ihm will ich vertrauen und niemals verzagen.

          Denn meine Stärke und mein Lied ist der Herr.

          Er ist für mich zum Retter geworden. - (R)

3        Ihr werdet Wasser schöpfen voll Freude

          aus den Quellen des Heils.

4bcd   Dankt dem Herrn! Ruft seinen Namen an!

          Macht seine Taten unter den Völkern bekannt,

          verkündet: Sein Name ist groß und erhaben! - (R)

5        Preist den Herrn; denn herrliche Taten hat er vollbracht;

          auf der ganzen Erde soll man es wissen.

6        Jauchzt und jubelt, ihr Bewohner von Zion;

          denn groß ist in eurer Mitte der Heilige Israels. - R

 

 

Jahr I und II

Ruf vor dem Evangelium

Vers: vgl. Mt 24, 42a.44

Halleluja. Halleluja.

Seid wachsam und haltet euch bereit!

Denn der Menschensohn kommt

zu einer Stunde, in der ihr es nicht erwartet.

Halleluja.

 

 

Zum Evangelium   Niemand weiß den Tag, an dem der Herr kommen wird, um zu richten und zu retten. Von allen wird Wachsamkeit gefordert, besonders aber von denen, die in der Kirche Vollmacht empfangen und Verantwortung übernommen haben. Auf die Frage des Petrus, wer mit dem Gleichnis vom Herrn des Hauses und dem Dieb in der Nacht gemeint sei, antwortet Jesus mit einem weiteren Gleichnis. Deutlich wird der „Herr des Hauses“ von V. 39 mit dem treuen und klugen Verwalter (V. 42) gleichgesetzt. Der Verwalter ist nicht Eigentümer, aber er ist für das Haus verantwortlich. Der Apostel, der Leiter einer Gemeinde, hat das Wächteramt über die Lehre; er kennt das Wort und den Willen seines Herrn und hat keine Entschuldigung, wenn er seinen Auftrag versäumt hat. Wem mehr anvertraut wurde, von dem wird auch mehr gefordert (V. 48). - Zu 12,39-46: Mt 24,43-51. - Zu 12,42-44: 1 Kor 4,1-2; 1 Petr 4,10; Tit 1,7.

 

 

Evangelium

Lk 12, 39-48

Wem viel gegeben wurde, von dem wird viel zurückgefordert werden

+ Aus dem heiligen Evangelium nach Lukas

In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern:

39Bedenkt: Wenn der Herr des Hauses wüsste, in welcher Stunde der Dieb kommt, so würde er verhindern, dass man in sein Haus einbricht.

40Haltet auch ihr euch bereit! Denn der Menschensohn kommt zu einer Stunde, in der ihr es nicht erwartet.

41Da sagte Petrus: Herr, meinst du mit diesem Gleichnis nur uns oder auch all die anderen?

42Der Herr antwortete: Wer ist denn der treue und kluge Verwalter, den der Herr einsetzen wird, damit er seinem Gesinde zur rechten Zeit die Nahrung zuteilt?

43Selig der Knecht, den der Herr damit beschäftigt findet, wenn er kommt!

44Wahrhaftig, das sage ich euch: Er wird ihn zum Verwalter seines ganzen Vermögens machen.

45Wenn aber der Knecht denkt: Mein Herr kommt noch lange nicht zurück!, und anfängt, die Knechte und Mägde zu schlagen; wenn er isst und trinkt und sich berauscht,

46dann wird der Herr an einem Tag kommen, an dem der Knecht es nicht erwartet, und zu einer Stunde, die er nicht kennt; und der Herr wird ihn in Stücke hauen und ihm seinen Platz unter den Ungläubigen zuweisen.

47Der Knecht, der den Willen seines Herrn kennt, sich aber nicht darum kümmert und nicht danach handelt, der wird viele Schläge bekommen.

48Wer aber, ohne den Willen des Herrn zu kennen, etwas tut, was Schläge verdient, der wird wenig Schläge bekommen. Wem viel gegeben wurde, von dem wird viel zurückgefordert werden, und wem man viel anvertraut hat, von dem wird man umso mehr verlangen.

 

 

FÜRBITTEN

Vertrauensvoll beten wir zu Jesus Christus, der uns zur Wachsamkeit mahnt:

Mache die Diener der Kirche zu glaubwürdigen Zeugen deines Erbarmens. (Stille) Christus, höre uns.

A.: Christus, erhöre uns.

Öffne die verschlossenen Herzen durch die Erfahrung deiner Güte. (Stille) Christus, höre uns.

Erleuchte die Verwirrten, und führe sie auf den rechten Weg. (Stille) Christus, höre uns.

Mach uns bereit, dir zu begegnen. (Stille) Christus, höre uns.

Herr, unser Gott, du bist der Vater des Erbarmens und der Gott allen Trostes. Wende dich uns zu durch Christus, unseren Herrn.     A.: Amen.

 

 

Seit Gott Mensch geworden ist,  kann man vom Menschen nur noch sprechen, indem man von Christus spricht. Und so bleibt alle Theologie immer auch Anthropologie und umgekehrt: alles menschliche Denken und Schaffen ist radikal in seiner letzten Sinnhaftigkeit an Christus, das Urbild des Menschen, gebunden. Ist er doch der Mensch, der die ehemalige Selbsthingabe an Gott lebt, die gerade die Wesensanlage der menschlichen Natur ist. Ihre Erfüllung aber findet sie nur, wenn der sich verschweigende Gott, nach dem das menschliche Herz in seiner großen Unruhe immer schon ausschlägt, sich offenbart. Paulus, der von diesem Einbruch Gottes in unsere Geschichte so erschüttert ist, dass er nach seiner Bekehrung immer und überall nur noch diesen einen Namen Jesus in die Welt hinausruft, wird zum großen Verkünder des christozentrischen Gefüges der gesamten Wirklichkeit. Er sieht, wie alles bisherige Geschehen schon eine Vorbereitung war auf das Kommen der ,Fülle der Zeit und wie in Christus sich die geheime Antriebskraft der ganzen Geschichte enthüllt hat (W. Strolz).

 

Perikopen

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