DIENSTAG DER 34. WOCHE IM JAHRESKREIS

 

TAGESGEBET

Gütiger Gott,

wir gehen durch eine Welt voll Zwielicht und Schatten.

Lass dein Licht in unseren Herzen aufstrahlen

und führe uns durch das Dunkel dieses Lebens

in deine unvergängliche Klarheit.

Darum bitten wir durch Jesus Christus. (MB 65)

 

Oder ein anderes Tagesgebet

 

 

Jahr I

Zur Lesung Der König Nebukadnezzar hatte einen Traum. Daniel ist der Einzige, der ihm den Traum und seine Deutung sagen kann. Zwei Motive beherrschen diese Erzählung: 1. die Überlegenheit des Himmelsgottes, der Geheimnisse offenbart und dem König Nebukadnezzar anzeigt, was am Ende der Tage geschehen wird (V. 28). 2. die Deutung der Weltgeschichte. Nebukadnezzar, der sich als Herr der Welt fühlt, muss begreifen, dass ein anderer den Lauf dieser Welt bestimmt. Im Traum und seiner Deutung ist von vier Weltreichen die Rede, die aufeinander folgen, am Ende aber alle zusammen von dem herabfallenden Stein zertrümmert werden. Der ganze Verlauf der Weltgeschichte wird als eine einzige Größe gesehen, eine vergängliche Größe, die mit der hereinbrechenden Gottesherrschaft ihr Ende finden wird. Wann der Stein sich vom Berg lösen und die Reiche der Welt zerschlagen wird, darüber ist nichts gesagt. Jede Zeit muss damit rechnen; ob die Menschen mit Furcht oder mit Hoffnung darauf warten, das weist sie jetzt schon „dieser Welt“ oder der kommenden zu. - Weish 6,3; Jdt 11,7; Jer 27,6; Dan 7,7; 3,33 (100); 4,31; 7,14; 2 Sam 7,16; Lk 1,33; Mt 21,42-44.

 

 

ERSTE Lesung

Dan 2, 31-45

Der Gott des Himmels wird ein Reich errichten, das in Ewigkeit nicht untergeht, und es wird alle Reiche zermalmen

Lesung aus dem Buch Daniel

In jenen Tagen sagte Daniel zu Nebukadnezzar:

31Du, König, hattest eine Vision: Du sahst ein gewaltiges Standbild. Es war groß und von außergewöhnlichem Glanz; es stand vor dir und war furchtbar anzusehen.

32An diesem Standbild war das Haupt aus reinem Gold; Brust und Arme waren aus Silber, der Körper und die Hüften aus Bronze.

33Die Beine waren aus Eisen, die Füße aber zum Teil aus Eisen, zum Teil aus Ton.

34Du sahst, wie ohne Zutun von Menschenhand sich ein Stein von einem Berg löste, gegen die eisernen und tönernen Füße des Standbildes schlug und sie zermalmte.

35Da wurden Eisen und Ton, Bronze, Silber und Gold mit einemmal zu Staub. Sie wurden wie Spreu auf dem Dreschplatz im Sommer. Der Wind trug sie fort, und keine Spur war mehr von ihnen zu finden. Der Stein aber, der das Standbild getroffen hatte, wurde zu einem großen Berg und erfüllte die ganze Erde.

36Das war der Traum. Nun wollen wir dem König sagen, was er bedeutet.

37Du, König, bist der König der Könige; dir hat der Gott des Himmels Herrschaft und Macht, Stärke und Ruhm verliehen.

38Und in der ganzen bewohnten Welt hat er die Menschen, die Tiere auf dem Feld und die Vögel am Himmel in deine Hand gegeben; dich hat er zum Herrscher über sie alle gemacht: Du bist das goldene Haupt.

39Nach dir kommt ein anderes Reich, geringer als deines; dann ein drittes Reich, von Bronze, das die ganze Erde beherrschen wird.

40Ein viertes endlich wird hart wie Eisen sein; Eisen zerschlägt und zermalmt ja alles; und wie Eisen alles zerschmettert, so wird dieses Reich alle anderen zerschlagen und zerschmettern.

41Die Füße und Zehen waren, wie du gesehen hast, teils aus Töpferton, teils aus Eisen; das bedeutet: Das Reich wird geteilt sein; es wird aber etwas von der Härte des Eisens haben, darum hast du das Eisen mit Ton vermischt gesehen.

42Dass aber die Zehen teils aus Eisen, teils aus Ton waren, bedeutet: Zum Teil wird das Reich hart sein, zum Teil brüchig.

43Wenn du das Eisen mit Ton vermischt gesehen hast, so heißt das: Sie werden sich zwar durch Heiraten miteinander verbinden; doch das eine wird nicht am anderen haften, wie sich Eisen nicht mit Ton verbindet.

44Zur Zeit jener Könige wird aber der Gott des Himmels ein Reich errichten, das in Ewigkeit nicht untergeht; dieses Reich wird er keinem anderen Volk überlassen. Es wird alle jene Reiche zermalmen und endgültig vernichten; es selbst aber wird in alle Ewigkeit bestehen.

45Du hast ja gesehen, dass ohne Zutun von Menschenhand ein Stein vom Berg losbrach und Eisen, Bronze und Ton, Silber und Gold zermalmte. Der große Gott hat den König wissen lassen, was dereinst geschehen wird. Der Traum ist sicher und die Deutung zuverlässig.

 

 

Antwortpsalm

Dan 3, 57.58.59.60.61 (R: 57b)

57      Preist den Herrn, all ihr Werke des Herrn.

(GL neu 619, 1.2. oder 401)

          R Lobt und rühmt ihn in Ewigkeit!

VI. Ton

58      Preist den Herrn, ihr Himmel.

          R Lobt und rühmt ihn in Ewigkeit!

59      Preist den Herrn, ihr Engel des Herrn.

          R Lobt und rühmt ihn in Ewigkeit!

60      Preist den Herrn, all ihr Wasser über dem Himmel.

          R Lobt und rühmt ihn in Ewigkeit!

61      Preist den Herrn, all ihr Mächte des Herrn.

          R Lobt und rühmt ihn in Ewigkeit!

 

 

Jahr II

Zur Lesung Die Menschen meinen, eine großartige Welt aufgebaut zu haben und mit Gott endgültig fertig geworden zu sein, Gott aber erklärt: die Zeit ist gekommen, die „Ernte der Erde“ ist überreif geworden (14,15). „Ernte“ bedeutet in der Sprache der Propheten und in der Sprache Jesu das Gericht. Als Richter erscheint der Menschensohn auf der weißen Wolke. Die Vorstellung stammt aus Dan 7,13 (vgl. Mk 13,26); in Offb 19 steht dafür das Bild vom Reiter auf dem weißen Pferd; sein Name ist „Wort Gottes“, sein Titel: „König der Könige und Herr der Herren“ (19,13 und 16). In seinem Dienst vollziehen die Engel das Gericht; der eine erntet die Erde ab wie ein Ackerfeld, der andere schneidet die Trauben des Weinstocks der Erde. Beide Bilder sagen das Gleiche. „Erde“ ist die gottfremde Welt, nur sie wird gerichtet. Die Erlösten sind dem Gericht enthoben, sie stehen beim Lamm auf dem Berg Zion (14,1); sie sind der wirkliche und bleibende Ertrag dieser Ernte, die Weihegabe der Schöpfung für Gott und das Lamm (14,4), während die Trauben vom Weinstock der Erde in die große Kelter des Zornes Gottes geworfen werden (14,19). - Joel 4,13; Jes 63,1-6; Offb 19,11-21.

 

 

ERSTE Lesung

Offb 14, 14-19

Die Zeit zu ernten ist gekommen: Die Frucht der Erde ist reif geworden

Lesung aus der Offenbarung des Johannes

14Ich, Johannes, sah eine weiße Wolke. Auf der Wolke thronte einer, der wie ein Menschensohn aussah. Er trug einen goldenen Kranz auf dem Haupt und eine scharfe Sichel in der Hand.

15Und ein anderer Engel kam aus dem Tempel und rief dem, der auf der Wolke saß, mit lauter Stimme zu: Schick deine Sichel aus, und ernte! Denn die Zeit zu ernten ist gekommen: Die Frucht der Erde ist reif geworden.

16Und der, der auf der Wolke saß, schleuderte seine Sichel über die Erde, und die Erde wurde abgeerntet.

17Und ein anderer Engel trat aus dem himmlischen Tempel. Auch er hatte eine scharfe Sichel.

18Vom Altar her kam noch ein anderer Engel, der die Macht über das Feuer hatte. Dem, der die scharfe Sichel trug, rief er mit lauter Stimme zu: Schick deine scharfe Sichel aus, und ernte die Trauben vom Weinstock der Erde! Seine Beeren sind reif geworden.

19Da schleuderte der Engel seine Sichel auf die Erde, erntete den Weinstock der Erde ab und warf die Trauben in die große Kelter des Zornes Gottes.

 

 

Antwortpsalm

Ps 96 (95), 10.11-12.13 (R: vgl. 13ab)

          R Der Herr wird kommen, um die Erde zu richten. - R

(GL neu 518)

10      Verkündet bei den Völkern:

VII. Ton

          Der Herr ist König.

          Den Erdkreis hat er gegründet, so dass er nicht wankt.

          Er richtet die Nationen so, wie es recht ist. - (R)

11      Der Himmel freue sich, die Erde frohlocke,

          es brause das Meer und alles, was es erfüllt.

12      Es jauchze die Flur und was auf ihr wächst.

          Jubeln sollen alle Bäume des Waldes. - (R)

13      Jubeln sollen alle vor dem Herrn, wenn er kommt,

          wenn er kommt, um die Erde zu richten.

          Er richtet den Erdkreis gerecht

          und die Nationen nach seiner Treue. - R

 

Jahr I und II

Ruf vor dem Evangelium

Vers: Offb 2, 8b.10c

Halleluja. Halleluja.

(So spricht Er, der Erste und der Letzte:)

Sei treu bis in den Tod;

dann werde ich dir den Kranz des Lebens geben.

Halleluja.

 

 

Zum Evangelium Die große Rede Jesu in Lk 21,5-36 ist auch bei Matthäus und Markus überliefert (Mt 24; Mk 13). Vergleicht man die drei Evangelien, so zeigt sich, dass von einer wörtlichen Wiedergabe der Rede Jesu nicht die Rede sein kann. Jeder Evangelist hat seine Überlieferung in die eigene Zeit und Situation hineingesprochen und gedeutet. Lukas hat die Markus-Überlieferung gekannt, sie im Licht seiner eigenen Erfahrung und Glaubenseinsicht überdacht und redigiert. - Nach Lukas hat Jesus die ganze Rede im Tempel, nicht gegenüber dem Tempel auf dem Ölberg (Mk 13,3) gehalten. Die Verse 21,5-6 sprechen von der Zerstörung des Tempels, und nur darauf bezieht sich die Frage der Jünger: Wann wird das geschehen? Aber für die Jünger ist die Zerstörung des Tempels ein kaum fassbarer Gedanke, praktisch gleichbedeutend mit dem Ende der gegenwärtigen Geschichte. So gilt die Frage nach dem Zeitpunkt und den Vorzeichen in Wirklichkeit beiden Ereignissen: der Zerstörung des Tempels und dem Ende der Welt. Die Antwort Jesu ist zunächst abwei­send: „Das Ende kommt noch nicht sofort“ (V. 9). Vorher wird es Katastrophen im Zusammenleben der Völker und in der kosmischen Ordnung geben. Das ist noch nicht das Ende; aber es sind die Zeichen dafür, dass diese Welt vergehen wird. Mit wachem Auge sollen die Jünger die Ereignisse der Geschichte sehen; und mit ruhigem Herzen: „Lasst euch dadurch nicht erschrecken“ (V. 9). - Zu 21,5-6: Mt 24,1-2; Mk 13,1-2. - Zu 21,7-11: Mt 24,3-8; Mk 13,3-8; Lk 17,20-37; Dan 2,28; Jes 19,2.

 

 

Evangelium

Lk 21, 5-11

Kein Stein wird auf dem andern bleiben

+ Aus dem heiligen Evangelium nach Lukas

In jener Zeit,

5als einige darüber sprachen, dass der Tempel mit schönen Steinen und Weihegeschenken geschmückt sei, sagte Jesus:

6Es wird eine Zeit kommen, da wird von allem, was ihr hier seht, kein Stein auf dem andern bleiben; alles wird niedergerissen werden.

7Sie fragten ihn: Meister, wann wird das geschehen, und an welchem Zeichen wird man erkennen, dass es beginnt?

8Er antwortete: Gebt acht, dass man euch nicht irreführt! Denn viele werden unter meinem Namen auftreten und sagen: Ich bin es!, und: Die Zeit ist da. - Lauft ihnen nicht nach!

9Und wenn ihr von Kriegen und Unruhen hört, lasst euch dadurch nicht erschrecken! Denn das muss als Erstes geschehen; aber das Ende kommt noch nicht sofort.

10Dann sagte er zu ihnen: Ein Volk wird sich gegen das andere erheben und ein Reich gegen das andere.

11Es wird gewaltige Erdbeben und an vielen Orten Seuchen und Hungersnöte geben; schreckliche Dinge werden geschehen, und am Himmel wird man gewaltige Zeichen sehen.

 

 

FÜRBITTEN

Mit unseren Bitten wenden wir uns an Jesus Christus, der um die Einheit seiner Jünger gebetet hat:

Dränge alle, die deinen Namen tragen, die Glaubensspaltungen zu überwinden. (Stille) Christus, höre uns.

A.: Christus, erhöre uns.

Segne die Bemühungen, die das Wohl aller Völker fördern. (Stille) Christus, höre uns.

Lass Einsame erfahren, dass sie nicht verlassen sind. (Stille) Christus, höre uns.

Schenke unseren Familien Einigkeit und einen lebendigen Glauben. (Stille) Christus, höre uns.

Herr, unser Gott, ohne deinen Beistand vermögen wir nichts. Erhöre unsere Bitten durch Christus, unseren Herrn.      A.: Amen.

 

 

„Die Kirche verkündet als Wort und Weisung der Offenbarung Gottes: Die Dinge und vor allem die Geschichte haben ihren von Gott gegebenen und in Gott gründenden Sinn. Dieser Sinn wird dadurch bestimmt, dass Gott der Herr der Zeit und der Geschichte ist, dass er in die Geschichte eingreift, in ihr handelt, seine Pläne und Ziele verwirklicht, und dass Jesus Christus, als die Zeit erfüllt war, in die Geschichte eintrat.

Der Sinn der Geschichte und alles Geschehens ist weder die ewige Wiederkehr des Gleichen noch der immer größere Fortschritt, noch der immer erschreckendere Zerfall. Der Sinn der Geschichte ist vielmehr nach Aussagen der Offenbarung der Austrag zwischen dem Reich Gottes und zwischen Gottes Gegenreich.

Die Tatsache, dass der letzte Tag der Geschichte Gott gehört und der letzte Waffengang zugunsten Christi entschieden wird, hebt die andere Wahrheit nicht auf, dass die ganze Zeit dieses Austrags im Zeichen des Kreuzes steht und voller Not, Angst und Drangsal sein wird“ (Heinrich Fries).

 

 

Perikopen

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