Fünfter Fastensonntag  B

 

Das Gesetz des Lebens ist dem Gesetz der Liebe verwandt: Geben und Empfangen bedingen sich; Schenken ist Beschenktwerden. Der Mensch gewinnt sein Leben in dem Maß, als er bereit ist, es für andere hinzugeben. Wer sich aufsparen will, dessen Leben bleibt klein und unfruchtbar. Jesus hat es uns gesagt und vorgelebt. Er ist der Hohepriester des Neuen Bundes, er ist auch das Opfer der Versöhnung. Er ist das Weizenkorn, das in die Erde gefallen ist, um zu sterben. Weil er gestorben ist, haben wir das Leben.

 

           

Eröffnungsvers

Ps 43 (42), 1-2

Verschaff mir Recht, o Gott,

und führe meine Sache gegen ein treuloses Volk!

Rette mich vor bösen und tückischen Menschen,

denn du bist mein starker Gott.

 

 

Tagesgebet

Herr, unser Gott,

dein Sohn hat sich aus Liebe zur Welt

dem Tod überliefert.

Lass uns in seiner Liebe bleiben

und mit deiner Gnade aus ihr leben.

Darum bitten wir durch Jesus Christus.

Es können auch die Lesungen und das Evangelium vom Lesejahr A genommen werden

 

 

Zur 1. Lesung Am Sinai hatte Gott mit Israel einen Bund geschlossen, Israel war sein heiliges Volk geworden. Als Satzung des Bundes hatte es die Zehn Gebote empfangen. Aber diesen Bund hat Israel hundertmal gebrochen, und es hat keine Möglichkeit mehr, ihn zu erneuern. Nun aber, in einer Zeit der Krise und des Gerichts (um 600 v. Chr.), verkündet der Prophet, dass Gott einen neuen Anfang machen will; er wird alle Untreue vergeben und dem Volk ein neues Herz schenken und einen neuen Geist. So wird es auf neue Weise wahr: Ich werde ihr Gott sein, und sie werden mein Volk sein.“

 

 

ERSTE Lesung

Jer 31, 31-34

Ich schließe mit ihnen einen neuen Bund, und an ihre Sünde denke ich nicht mehr

Lesung aus dem Buch Jeremia

31Seht, es werden Tage kommen - Spruch des Herrn -, in denen ich mit dem Haus Israel und dem Haus Juda einen neuen Bund schließen werde,

32nicht wie der Bund war, den ich mit ihren Vätern geschlossen habe, als ich sie bei der Hand nahm, um sie aus Ägypten herauszuführen. Diesen meinen Bund haben sie gebrochen, obwohl ich ihr Gebieter war - Spruch des Herrn.

33Denn das wird der Bund sein, den ich nach diesen Tagen mit dem Haus Israel schließe - Spruch des Herrn: Ich lege mein Gesetz in sie hinein und schreibe es auf ihr Herz. Ich werde ihr Gott sein, und sie werden mein Volk sein.

34Keiner wird mehr den andern belehren, man wird nicht zueinander sagen: Erkennt den Herrn!, sondern sie alle, Klein und Groß, werden mich erkennen - Spruch des Herrn. Denn ich verzeihe ihnen die Schuld, an ihre Sünde denke ich nicht mehr.

 

 

Antwortpsalm

Ps 51 (50), 3-4.12-13.14-15 (R: vgl. 12a)

          R Ein reines Herz erschaffe mir, o Gott! - R (GL neu 639, 1)
3        Gott, sei mir gnädig nach deiner Huld,

IV. Ton

          tilge meine Frevel nach deinem reichen Erbarmen!

4        Wasch meine Schuld von mir ab,

          und mach mich rein von meiner Sünde! - (R)

12      Erschaffe mir, Gott, ein reines Herz,

          und gib mir einen neuen, beständigen Geist!

13      Verwirf mich nicht von deinem Angesicht,

          und nimm deinen heiligen Geist nicht von mir! - (R)

14      Mach mich wieder froh mit deinem Heil;

          mit einem willigen Geist rüste mich aus!

15      Dann lehre ich Abtrünnige deine Wege,

          und die Sünder kehren um zu dir. - R

 

 

Zur 2. Lesung  Jesus ist der Hohepriester des Neuen Bundes, der Mittler zwischen Gott und den Menschen. Er, der Sohn, ist als Mensch den Weg des Gehorsams gegangen, so ist er für uns zum Vorbild und Wegbereiter geworden; wir können ihm nachfolgen. Wenn wir teilhaben an seinem Leiden und seinem Tod, gewinnen wir das „Heil“: das Leben, das kein Ende und keine Grenze hat.

 

 

ZWEITE Lesung

Hebr 5, 7-9

Er hat den Gehorsam gelernt und ist der Urheber des ewigen Heils geworden

Lesung aus dem Hebräerbrief

7Als Christus auf Erden lebte, hat er mit lautem Schreien und unter Tränen Gebete und Bitten vor den gebracht, der ihn aus dem Tod retten konnte, und er ist erhört und aus seiner Angst befreit worden.

8Obwohl er der Sohn war, hat er durch Leiden den Gehorsam gelernt;

9zur Vollendung gelangt, ist er für alle, die ihm gehorchen, der Urheber des ewigen Heils geworden.

 

 

Ruf vor dem Evangelium

Vers: Joh 12, 26a

Lob dir, Christus, König und Erlöser! - R

(So spricht der Herr:)

Wenn einer mir dienen will, folge er mir nach;

und wo ich bin, dort wird auch mein Diener sein.

Lob dir, Christus, König und Erlöser!

 

 

Zum Evangelium Jesus hat wiederholt von seiner Stunde“ gesprochen, der Stunde seiner Erhöhung“ durch Tod und Auferstehung. Danach wird auch die Heidenwelt ihn sehen und an ihn glauben können. Wir wollen Jesus sehen“, sagten einige Griechen in Jerusalem. Jesus antwortete mit dem Hinweis auf sein bevorstehendes Sterben. Das Weizenkorn muss sterben, um Frucht bringen zu können.

 

 

Evangelium

Joh 12, 20-33

Wenn das Weizenkorn in die Erde fällt und stirbt, bringt es reiche Frucht

+ Aus dem heiligen Evangelium nach Johannes

In jener Zeit 

20traten einige Griechen, die beim Osterfest in Jerusalem Gott anbeten wollten,

21an Philippus heran, der aus Betsaida in Galiläa stammte, und sagten zu ihm: Herr, wir möchten Jesus sehen.

22Philippus ging und sagte es Andreas; Andreas und Philippus gingen und sagten es Jesus.

23Jesus aber antwortete ihnen: Die Stunde ist gekommen, dass der Menschensohn verherrlicht wird.

24Amen, amen, ich sage euch: Wenn das Weizenkorn nicht auf die Erde fällt und stirbt, bleibt es allein; wenn es aber stirbt, bringt es reiche Frucht.

25Wer an seinem Leben hängt, verliert es; wer aber sein Leben in dieser Welt gering achtet, wird es bewahren bis ins ewige Leben.

26Wenn einer mir dienen will, folge er mir nach; und wo ich bin, dort wird auch mein Diener sein. Wenn einer mir dient, wird der Vater ihn ehren.

27Jetzt ist meine Seele erschüttert. Was soll ich sagen: Vater, rette mich aus dieser Stunde? Aber deshalb bin ich in diese Stunde gekommen.

28Vater, verherrliche deinen Namen! Da kam eine Stimme vom Himmel: Ich habe ihn schon verherrlicht und werde ihn wieder verherrlichen.

29Die Menge, die dabeistand und das hörte, sagte: Es hat gedonnert. Andere sagten: Ein Engel hat zu ihm geredet.

30Jesus antwortete und sagte: Nicht mir galt diese Stimme, sondern euch.

31Jetzt wird Gericht gehalten über diese Welt; jetzt wird der Herrscher dieser Welt hinausgeworfen werden.

32Und ich, wenn ich über die Erde erhöht bin, werde alle zu mir ziehen.

33Das sagte er, um anzudeuten, auf welche Weise er sterben werde.

 

Glaubensbekenntnis

Fürbitten: Fastenzeit

 

 

Zur Eucharistiefeier Jesus hat uns beten gelehrt: Dein Wille geschehe. Er selbst betet: Vater, verherrliche deinen Namen! Verherrlicht wird Gottes Name dadurch, dass sein Wille geschieht und seine Heiligkeit offenbar wird: in der Opferhingabe Jesu.

 

 

Gabengebet

Erhöre uns, allmächtiger Gott.

Du hast uns durch dein Wort

zum Zeugnis eines christlichen Lebens berufen.

Reinige uns durch dieses Opfer

und stärke uns zum Kampf gegen das Böse.

Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.

 

Präfation vom 5. Fastensonntag

oder Präfationen für die Fastenzeit

 

 

Kommunionvers

Joh 11, 26

Wenn das Evangelium von der Auferweckung des Lazarus gelesen wurde:

Jeder, der lebt und an mich glaubt,

wird in Ewigkeit nicht sterben - so spricht der Herr.

 

Wenn ein anderes Evangelium gelesen wurde:

Joh 12, 24-25

Amen, Amen, ich sage euch:

Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und stirbt,

bleibt es allein.

Wenn es aber stirbt, bringt es reiche Frucht.

 

 

Schlussgebet

Allmächtiger Gott,

du hast uns

das Sakrament der Einheit geschenkt.

Lass uns immer lebendige Glieder Christi bleiben,

dessen Leib und Blut wir empfangen haben.

Darum bitten wir durch ihn, Christus, unseren Herrn.

 

 

Für den Tag und die Woche

Jesus sehen Unsere Zeitgenossen verlangen danach, heute dem lebendigen Christus zu begegnen. Sie wollen ihn mit Augen sehen, mit Händen greifen.

Wie die Pilger griechischer Herkunft, die nach Jerusalem hinaufgezogen waren, sich an den Apostel Philippus wandten mit der Bitte: Wir wollen Jesus sehen, so wollen unsere Zeitgenossen ihm unmittelbar gegenübertreten. Das Unglück für uns Christen ist, dass sie verlangen, Christus in jedem von uns zu sehen: wir sollen ihn durch uns hindurchscheinen lassen wie ein Kirchenfenster die Sonne.

Was der Ungläubige uns vorwirft, ist nicht, dass wir Christen sind, sondern dass wir es nicht genug sind: hierin liegt das Drama. Als Gandhi das Evangelium las, war er erschüttert und wäre beinahe Christ geworden; der Anblick der Christen hielt ihn auf und ließ ihn sich zurückziehen. Hier, wahrhaftig, liegt unsere größte Verantwortung. (Kardinal Suenens)

 

 

Perikopen

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