Erster Adventssonntag

Die Welt ist noch nicht fertig, die Geschichte ist nicht zu Ende. Nichts wird bleiben, wie es ist. Die Zukunft ist, wie die Gegenwart, Licht und Dunkel zugleich. Unsere eigentliche Zukunft aber ist Christus und wir warten auf seinen Tag, auf das Kommen Christi in Wahrheit und Klarheit. Gott gibt uns die gegenwärtige Zeit als Zeit der Gnade, als Weg in die Zukunft. „Ich bin der Weg“, sagt uns Christus.

EröffnungsversPs 25 (24), 1–3

Zu dir, Herr, erhebe ich meine Seele. Mein Gott, dir vertraue ich.
Lass mich nicht scheitern, lass meine Feinde nicht triumphieren!
Denn niemand, der auf dich hofft, wird zuschanden.

Tagesgebet

Herr, unser Gott,
alles steht in deiner Macht;
du schenkst das Wollen und das Vollbringen.
Hilf uns, dass wir auf dem Weg der Gerechtigkeit
Christus entgegengehen
und uns durch Taten der Liebe
auf seine Ankunft vorbereiten,
damit wir den Platz zu seiner Rechten erhalten,
wenn er wiederkommt in Herrlichkeit.
Er, der in der Einheit des Heiligen Geistes
mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit.

ZUR 1. LESUNG   Die Lesung aus dem Buch Jesaja ist ein Gebet aus dunkler Zeit; nach der Heimkehr aus dem babylonischen Exil war die Situation in Jerusalem fast aussichtslos. Das Gebet beginnt mit der Anrufung Gottes: „Du bist unser Vater, unser Erlöser von jeher.“ Gott schenkt Zukunft denen, die seinen Namen anrufen. Er ist unser Vater.

Erste LesungJes 63, 16b–17.19b; 64, 3–7

Hättest du doch den Himmel zerrissen und wärest herabgestiegen!

Lesung
aus dem Buch Jesája.

16bDu, Herr, bist unser Vater,
„Unser Erlöser von jeher“ ist dein Name.
17Warum lässt du uns, Herr, von deinen Wegen abirren
und machst unser Herz hart,
sodass wir dich nicht fürchten?
Kehre zurück um deiner Knechte willen,
um der Stämme willen, die dein Erbbesitz sind!
19bHättest du doch den Himmel zerrissen und wärest herabgestiegen,
sodass die Berge vor dir erzitterten.
64, 3Seit Urzeiten hat man nicht vernommen,
hat man nicht gehört;
kein Auge hat je einen Gott außer dir gesehen,
der an dem handelt, der auf ihn harrt.
4Du kamst dem entgegen, der freudig Gerechtigkeit übt,
denen, die auf deinen Wegen an dich denken.
Siehe, du warst zornig
und wir sündigten;
bleiben wir künftig auf ihnen,
werden wir gerettet werden.
5Wie ein Unreiner sind wir alle geworden,
unsere ganze Gerechtigkeit ist wie ein beflecktes Kleid.
Wie Laub sind wir alle verwelkt,
unsere Schuld trägt uns fort wie der Wind.&newpage;6Niemand ruft deinen Namen an,
keiner rafft sich dazu auf, festzuhalten an dir.
Denn du hast dein Angesicht vor uns verborgen
und hast uns zergehen lassen in der Gewalt unserer Schuld.
7Doch nun, Herr, du bist unser Vater.
Wir sind der Ton und du bist unser Töpfer,
wir alle sind das Werk deiner Hände.

Antwortpsalm2ac u. 3bc.15–16.18–19 (Kv: vgl. 4)

Kv Stelle uns wieder her, o Gott!
Lass dein Angesicht leuchten und wir sind gerettet. – Kv

2acDu Hirte Israels, höre! *
Der du auf den Kérubim thronst, erscheine!
3bcWecke deine gewaltige Kraft *
und komm zu unserer Rettung! – (Kv)
15Gott der Heerscharen, kehre doch zurück, /
blicke vom Himmel herab und sieh, *
sorge für diesen Weinstock!
16Beschütze, was deine Rechte gepflanzt hat, *
und den Sohn, den du dir stark gemacht! – (Kv)
18Deine Hand sei über dem Mann zu deiner Rechten, *
über dem Menschensohn, den du dir stark gemacht.
19Wir werden nicht von dir weichen. *
Belebe uns und wir rufen deinen Namen an. – Kv

ZUR 2. LESUNG   Christen sind dankbare Menschen, dankbar für die Gaben des Geistes, den Glauben und die Hoffnung auf die „Offenbarung unseres Herrn Jesus Christus“. Ihm gehen wir entgegen. Die alltägliche Form des Glaubens aber ist die Treue.&newpage;Zweite Lesung1 Kor 1, 3–9

Wir warten auf die Offenbarung unseres Herrn Jesus Christus

Lesung
aus dem ersten Brief des Apostels Paulus
an die Gemeinde in Korínth.

3Gnade sei mit euch
und Friede von Gott, unserem Vater,
und dem Herrn Jesus Christus!
4Ich danke meinem Gott jederzeit euretwegen
für die Gnade Gottes,
die euch in Christus Jesus geschenkt wurde,
5dass ihr an allem reich geworden seid in ihm,
an aller Rede und aller Erkenntnis.
6Denn das Zeugnis über Christus wurde bei euch gefestigt,
7sodass euch keine Gnadengabe fehlt,
während ihr
auf die Offenbarung unseres Herrn Jesus Christus wartet.
8Er wird euch auch festigen bis ans Ende,
sodass ihr schuldlos dasteht
am Tag unseres Herrn Jesus Christus.
9Treu ist Gott,
durch den ihr berufen worden seid
zur Gemeinschaft mit seinem Sohn Jesus Christus,
unserem Herrn.

Ruf vor dem EvangeliumVers: Ps 85 (84), 8

Halleluja. Halleluja.
Lass uns schauen, o Herr, deine Huld
und schenke uns dein Heil.
Halleluja.

ZUM EVANGELIUM   Es gibt Ereignisse der Zukunft, die wir im Voraus berechnen und vielleicht auch beeinflussen können. Das große Ereignis aber, auf das wir warten, hat kein Datum in unserem Kalender. „Ihr wisst nicht, wann die Zeit da ist.“ Bis dahin, bis „der Hausherr kommt“, ist Zeit des Wachens: verantwortlich jede Stunde leben und nach dem Herrn ausschauen, der kommen wird – an seinem Tag.

EvangeliumMk 13, 33–37

Seid wachsam! Denn ihr wisst nicht, wann der Hausherr kommt

Aus dem heiligen Evangelium nach Markus.

In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern:
33Gebt Acht
und bleibt wach!
Denn ihr wisst nicht, wann die Zeit da ist.
34Es ist wie mit einem Mann,
der sein Haus verließ, um auf Reisen zu gehen:
Er übertrug die Vollmacht seinen Knechten,
jedem eine bestimmte Aufgabe;
dem Türhüter befahl er, wachsam zu sein.
35Seid also wachsam!
Denn ihr wisst nicht, wann der Hausherr kommt,
ob am Abend oder um Mitternacht,
ob beim Hahnenschrei oder erst am Morgen.
36Er soll euch, wenn er plötzlich kommt,
nicht schlafend antreffen.
37Was ich aber euch sage,
das sage ich allen:
Seid wachsam!

Oder:

EvangeliumMk 13, 24–37

Dann wird man den Menschensohn in Wolken kommen sehen, mit großer Kraft und Herrlichkeit. Seid wachsam! Denn ihr wisst nicht, wann der Hausherr kommt

Aus dem heiligen Evangelium nach Markus.

Jesus sprach zu seinen Jüngern:
24In jenen Tagen, nach jener Drangsal,
wird die Sonne verfinstert werden
und der Mond wird nicht mehr scheinen;
25die Sterne werden vom Himmel fallen
und die Kräfte des Himmels werden erschüttert werden.
26Dann wird man den Menschensohn
in Wolken kommen sehen,
mit großer Kraft und Herrlichkeit.
27Und er wird die Engel aussenden
und die von ihm Auserwählten
aus allen vier Windrichtungen zusammenführen,
vom Ende der Erde bis zum Ende des Himmels.
28Lernt etwas aus dem Vergleich mit dem Feigenbaum!
Sobald seine Zweige saftig werden und Blätter treiben,
erkennt ihr, dass der Sommer nahe ist.
29So erkennt auch ihr,
wenn ihr das geschehen seht,
dass er nahe vor der Tür ist.
30Amen, ich sage euch:
Diese Generation wird nicht vergehen,
bis das alles geschieht.
31Himmel und Erde werden vergehen,
aber meine Worte werden nicht vergehen.
32Doch jenen Tag und jene Stunde kennt niemand,
auch nicht die Engel im Himmel,
nicht einmal der Sohn,
sondern nur der Vater.
33Gebt Acht
und bleibt wach!
Denn ihr wisst nicht, wann die Zeit da ist.
34Es ist wie mit einem Mann,
der sein Haus verließ, um auf Reisen zu gehen:
Er übertrug die Vollmacht seinen Knechten,
jedem eine bestimmte Aufgabe;
dem Türhüter befahl er, wachsam zu sein.
35Seid also wachsam!
Denn ihr wisst nicht, wann der Hausherr kommt,
ob am Abend oder um Mitternacht,
ob beim Hahnenschrei oder erst am Morgen.
36Er soll euch, wenn er plötzlich kommt,
nicht schlafend antreffen.
37Was ich aber euch sage,
das sage ich allen:
Seid wachsam!

Glaubensbekenntnis

Fürbitten

ZUR EUCHARISTIEFEIER   Wachen heißt achtsam der Wirklichkeit begegnen, die uns umgibt, und der Wirklichkeit, der wir entgegengehen. Diese Wirklichkeit ist Jesus Christus selbst. Er kommt auf uns zu: in seinem Wort, im Sakrament, in den Schwestern und Brüdern.

Gabengebet

Allmächtiger Gott,
alles, was wir haben, kommt von dir.
Nimm die Gaben an, die wir darbringen.
Mache sie für uns in diesem Leben
zum Sakrament der Erlösung
und rufe uns an deinen Tisch im kommenden Reich.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.

Adventspräfation

KommunionversPs 85 (84), 13

Der Herr wird seinen Segen spenden,
und unsere Erde bringt ihre Frucht hervor.

Schlussgebet

Herr, unser Gott,
du hast uns an deinem Tisch
mit neuer Kraft gestärkt.
Zeige uns den rechten Weg
durch diese vergängliche Welt
und lenke unseren Blick auf das Unvergängliche,
damit wir in allem dein Reich suchen.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.

FÜR DEN TAG UND DIE WOCHE

Im Advent richtet die Kirche ihren Blick auf den wiederkommenden Christus. Es ist gut, in einer Zeit des Kirchenjahres besonders an Christus als den Kommenden zu denken. Vielleicht darf man sagen: Er ist schon unterwegs. Durch seine erste Ankunft hat er ein Band zur Welt geknüpft, das nicht mehr zerrissen werden kann. In seinem Wort und in seinem Sakrament kommt er über die Jahrhunderte hinweg immer wieder zu seiner Kirche. Seine Ankunft in Herrlichkeit wird enthüllen, wie sehr er schon gegenwärtig war. (Alfred Kardinal Bengsch)

 

Perikopen

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