Schott Tagesliturgie

MITTWOCH DER 26. WOCHE IM JAHRESKREIS

 

TAGESGEBET

Jesus Christus hat gesagt:

„Sorgt euch nicht um euer Leben!

Ängstigt euch nicht!

Euch soll es um das Reich Gottes gehen;

dann wird euch das andere dazugegeben.“

Darum beten wir:

Gott.

Wir fürchten,

wenn wir uns auf dich einlassen,

wird unser Leben noch schwerer;

wenn wir uns für deine Sache mühn,

kommen wir selber zu kurz.

Mach uns frei von der Angst.

Gib uns Freude an deinem Reich

und lass uns erfahren,

dass dir allein die Zukunft gehört.

Das gewähre uns durch Jesus Christus. (MB 320, 40)

 

Oder ein anderes Tagesgebet

 

 

Jahr I

Zur Lesung  Nehemia war nicht Priester wie Esra: er war Mundschenk am Hof des persischen Königs. Das war eine ehrenvolle Stellung allerdings für einen Juden problematisch, weil die volle Beobachtung des jüdischen Gesetzes in dieser Situation so gut wie unmöglich war (das Schuldbekenntnis des Nehemia in 1,6 kann damit zusammenhängen). Das hinderte aber Nehemia nicht daran, sich seinem Volk verbunden und verpflichtet zu fühlen. Die trostlosen Nachrichten, die er aus Jerusalem erhalten hat, haben ihn innerlich aufgewühlt, und er findet keine Ruhe mehr. Er muss etwas tun. Aber was kann er tun? Der König hat den Wiederaufbau der Stadt verboten (Esra 4,17-22), und Gott selbst hat ihm die Macht gegeben (Neh 9,37). Nehemia geht als klar denkender Mann den Weg zu den beiden Instanzen: im Gebet (Neh 1,5-11) fleht er zu Gott, und beim königlichen Festmahl (im Frühjahr 445) versucht er sein Glück beim König. Er bringt seine Bitte mit großem Geschick vor; tatsächlich entsendet ihn der König nach Jerusalem, aber nur - das ist die Überzeugung Nehemias -, „weil die gütige Hand meines Gottes über mir war“ (2,8). - Esra 7,6.

 

 

ERSTE Lesung

Neh 2, 1-8

Wenn du, König, es für gut findest, so sende mich nach Juda, damit ich die Stadt wieder aufbaue, in der die Gräber meiner Väter sind

Lesung aus dem Buch Nehemia

1Im Monat Nisan, im zwanzigsten Jahr des Königs Artaxerxes, nahm ich den Wein und reichte ihn dem König - mein Amt war es nämlich, für den Wein zu sorgen. Nie zuvor hatte der König mein Aussehen schlecht gefunden;

2jetzt aber fragte er mich: Warum siehst du so schlecht aus? Du bist doch nicht etwa krank? Nein, du hast gewiss Kummer. Ich erschrak sehr;

3dann sagte ich zum König: Der König möge ewig leben. Wie sollte ich nicht schlecht aussehen? Die Stadt, in der die Gräber meiner Väter sind, liegt in Trümmern, und ihre Tore sind vom Feuer verzehrt.

4Der König erwiderte: Was möchtest du also? Da betete ich zum Gott des Himmels;

5dann sagte ich zum König: Wenn du, König, es für gut findest und wenn du deinem Knecht vertraust, so sende mich nach Juda, damit ich die Stadt wieder aufbaue, in der die Gräber meiner Väter sind.

6Darauf fragte mich der König, während die Königin neben ihm saß: Wie lang soll deine Reise dauern? Wann kommst du zurück? Ich nannte ihm eine bestimmte Zeit; der König war einverstanden und ließ mich ziehen.

7Ich sagte dem König noch: Wenn der König es für gut findet, dann gebe man mir Briefe mit an die Statthalter des Gebiets jenseits des Stroms, damit sie mich bis nach Juda durchreisen lassen;

8ferner einen Brief an Asaf, den Verwalter der königlichen Wälder: Er soll mir Bauholz liefern für die Tore der Tempelburg, für die Stadtmauer und für das Haus, in das ich ziehen will. Der König bewilligte es mir, weil die gütige Hand meines Gottes über mir war.

 

 

Antwortpsalm

Ps 137 (136), 1-2.3-4.5-6 (R: vgl. 5a)

          R Wie könnte ich dich je vergessen, Jerusalem! - R

(GL neu 74, 1)

1        An den Strömen von Babel,

I. Ton

          da saßen wir und weinten,

          wenn wir an Zion dachten.

2        Wir hängten unsere Harfen

          an die Weiden in jenem Land. - (R)

3        Dort verlangten von uns die Zwingherren Lieder,

          unsere Peiniger forderten Jubel:

          „Singt uns Lieder vom Zion!“

4        Wie könnten wir singen die Lieder des Herrn,

          fern, auf fremder Erde? - (R)

5        Wenn ich dich je vergesse, Jerusalem

          dann soll mir die rechte Hand verdorren.

6        Die Zunge soll mir am Gaumen kleben,

          wenn ich an dich nicht mehr denke,

          wenn ich Jerusalem nicht zu meiner höchsten Freude erhebe.

          R Wie könnte ich dich je vergessen, Jerusalem!

 

 

Jahr II

Zur Lesung  Gott als Antwort, Gott als Frage: das war der Schluss der gestrigen Lesung und ist der Inhalt der heutigen. Gott ist gerecht, hat in Kapitel 8 Bildad, der Freunde und schlechte Tröster, gesagt. Er verstand darunter: Gott vergilt jedem, wie er es verdient. Das ist einfach und klar, aber ist das alles? Stimmt das überhaupt? In Ijobs Gegenrede, soweit sie in der heutigen Lesung enthalten ist, finden wir drei Aussagen: 1. Gott ist im Recht (V. 1-4), daran will Ijob auf keinen Fall rütteln; 2. Gott ist unfassbar groß (V. 5-12); 3. Gott schweigt (V. 14-16). Eine wohlüberlegte Rede, ein Gnadengesuch, ein Hilfeschrei: ein irdischer Richter wird darauf achten, aber Gott - hört er es überhaupt? Wen er schuldig erklärt, der ist schuldig. Ein hartes, um nicht zu sagen: grausames Gottesbild wird hier gezeichnet, das durch die Offenbarung des Neuen Bundes eine notwendige Korrektur erhalten hat. - Ps 143,2; Jes 13,13; Am 5,8; Ijob 5,9; 23,8-9; Weish 12,12.

 

 

ERSTE Lesung

Ijob 9, 1-12.14-16

Wie wäre ein Mensch bei Gott im Recht!

Lesung aus dem Buch Ijob

1Da antwortete Ijob und sprach:

2Wahrhaftig weiß ich, dass es so ist: Wie wäre ein Mensch bei Gott im Recht!

3Wenn er mit ihm rechten wollte, nicht auf eins von tausend könnt‘ er ihm Rede stehen.

4Weisen Sinnes und stark an Macht - wer böte ihm Trotz und bliebe heil?

5Er versetzt Berge; sie merken es nicht, dass er in seinem Zorn sie umstürzt.

6Er erschüttert die Erde an ihrem Ort, so dass ihre Säulen erzittern.

7Er spricht zur Sonne, so dass sie nicht strahlt, er versiegelt die Sterne.

8Er spannt allein den Himmel aus und schreitet einher auf den Höhen des Meeres.

9Er schuf das Sternbild des Bären, den Orion, das Siebengestirn, die Kammern des Südens.

10Er schuf so Großes, es ist nicht zu erforschen, Wunderdinge, sie sind nicht zu zählen.

11Zieht er an mir vorüber, ich seh‘ ihn nicht, fährt er daher, ich merk‘ ihn nicht.

12Rafft er hinweg, wer hält ihn zurück? Wer darf zu ihm sagen: Was tust du da?

14Wie sollte denn ich ihm entgegnen, wie meine Worte gegen ihn wählen?

15Und wär‘ ich im Recht, ich könnte nichts entgegnen, um Gnade müsste ich bei meinem Richter flehen.

16Wollte ich rufen, würde er mir Antwort geben? Ich glaube nicht, dass er auf meine Stimme hört.

 

 

Antwortpsalm

Ps 88 (87), 10b-11.12-13.14-15 (R: 3a)

          R Lass mein Gebet zu dir dringen! - R

(GL neu 307, 5)

10ab  Jeden Tag, Herr, ruf‘ ich zu dir;

I. Ton

          ich strecke nach dir meine Hände aus.

11      Wirst du an den Toten Wunder tun,

          werden Schatten aufstehn, um dich zu preisen? - (R)

12      Erzählt man im Grab von deiner Huld,

          von deiner Treue im Totenreich?

13      Werden deine Wunder in der Finsternis bekannt,

          deine Gerechtigkeit im Land des Vergessens? - (R)

14      Herr, darum schreie ich zu dir,

          früh am Morgen tritt mein Gebet vor dich hin.

15      Warum, o Herr, verwirfst du mich,

          warum verbirgst du dein Gesicht vor mir?

          R Lass mein Gebet zu dir dringen!

 

 

Jahr I und II

Ruf vor dem Evangelium

Vers: Phil 3, 8.9

Halleluja. Halleluja.

Ich habe alles aufgegeben, um Christus zu gewinnen

und in ihm zu sein.

Halleluja.

 

 

Zum Evangelium Drei kurze Gespräche über die Nachfolge stehen in diesem Abschnitt; das letzte (V. 61-62) steht nur bei Lukas; die anderen auch bei Matthäus. Es geht bei der Nachfolge Jesu nicht um eine Reisebegleitung, es geht um die Teilhabe am Leben Jesu und an seiner Aufgabe. Jesus ist auf dem Weg nach Jerusalem, seine Aufgabe drängt. Wer mit ihm gehen will, muss wissen, was er tut. Nachfolge Jesu heißt Exodus, „Auszug“ aus Ruhe und Geborgenheit, und heißt Abschied von menschlichen Bindungen, letzten Endes Abschied vom Ich, und das alles jetzt und ganz. So hat kein Rabbi mit seinen Schülern gesprochen, auch nicht Elija zu Elischa. Die Forderungen werfen Licht auf den, der fordert, und von ihm her, vom Menschensohn her, der die Gottesherrschaft herbeiführt, werden sie erst verstehbar. - Mt 8,19-22; Lk 14,26.33; 1 Kön 19,19-21; Phil 3,13.

 

 

Evangelium

Lk 9, 57-62

Ich will dir folgen, wohin du auch gehst

+ Aus dem heiligen Evangelium nach Lukas

In jener Zeit

57als Jesus und seine Jünger auf ihrem Weg weiterzogen, redete ein Mann Jesus an und sagte: Ich will dir folgen, wohin du auch gehst.

58Jesus antwortete ihm: Die Füchse haben ihre Höhlen und die Vögel ihre Nester; der Menschensohn aber hat keinen Ort, wo er sein Haupt hinlegen kann.

59Zu einem anderen sagte er: Folge mir nach! Der erwiderte: Lass mich zuerst heimgehen und meinen Vater begraben.

60Jesus sagte zu ihm: Lass die Toten ihre Toten begraben; du aber geh und verkünde das Reich Gottes!

61Wieder ein anderer sagte: Ich will dir nachfolgen, Herr. Zuvor aber lass mich von meiner Familie Abschied nehmen.

62Jesus erwiderte ihm: Keiner, der die Hand an den Pflug gelegt hat und nochmals zurückblickt, taugt für das Reich Gottes.

 

 

FÜRBITTEN

Zu Jesus Christus, der die Menschen zu seiner Nachfolge aufruft, wollen wir beten:

Erneuere in den Ordensgemeinschaften die Bereitschaft, dir mit ungeteiltem Herzen zu folgen.

A.: Wir bitten dich, erhöre uns.

Hilf, dass bei allen Völkern die Achtung vor der Würde jedes Menschen zunimmt.

Wecke die Gleichgültigen auf, und mach sie eifrig in guten Werken.

Rufe junge Menschen in deinen Dienst, und lass sie großherzig deinem Ruf folgen.

Herr, unser Gott, du hast uns verschiedene Gaben verliehen. Gib, dass wir damit den Mitmenschen dienen durch Christus, unseren Herrn.     A.: Amen.

 

 

„So sah und ersah der Herr auch mich. Blieb ich unter seinem Blick, der mich zu seinem Bilde wandeln will? Es ist die immer neue Frage, ob wir uns von ihm ins Herz schauen und das Licht seines Angesichtes in unser Innerstes dringen lassen, dass er alles darin sehe, alles, was da noch an Feigheit, Unentschlossenheit und Halbheit in uns stecken mag, alles, was ihn braucht, den Arzt, den Erlöser - oder ob wir seinem Auge ausweichen, weil da Finsternis in uns ist, die sich vom Licht nicht richten lassen will, und weil wir das Wort fürchten, das diesem Sehen Jesu folgt, unbedingt folgt, das Wort, das Seligkeit verheißt und in sich enthält, aber auch vor die Entscheidung stellt: Folge mir nach!“ (Heinrich Spaemann).

 

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