Schott Tagesliturgie

SAMSTAG DER 34. WOCHE IM JAHRESKREIS

 

TAGESGEBET

Heiliger Gott,

in Christus hast du den Völkern

deine ewige Herrlichkeit geoffenbart.

Gib uns die Gnade,

das Geheimnis unseres Erlösers

immer tiefer zu erfassen,

damit wir durch ihn

zum unvergänglichen Leben gelangen,

der in der Einheit des Heiligen Geistes

mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit. (MB 59)

 

Oder ein anderes Tagesgebet

 

 

Jahr I

Zur Lesung  Im zweiten Teil des 7. Kapitels (V. 15-27) wird die vorausgehende Vision gedeutet - so gedeutet, wie es der apokalyptischen Redeweise entspricht. Dass die vier Tiere, die aus dem Meer heraussteigen, die vier Weltreiche, das heißt die gegenwärtige Weltgeschichte bedeuten, ist ohne weiteres klar. Sie haben ihre Zeit und nehmen ein Ende. Aber was kommt danach? Wer kommt danach? Die Antwort der Verse 13-14 lautet: der Menschensohn. Aber wer ist dieser Menschensohn? Die Frage ist deshalb wichtig, weil nach den drei ersten Evangelien Jesus sich selbst als den „Menschensohn“ bezeichnet hat. In Dan 7,13 scheint es eine Person zu sein, ein Mensch, dem ewige Herrschaft über alle Völker verliehen wird. Dasselbe wird aber in 7,27 vom „Volk der Heiligen des Höchsten“ gesagt: ihm wird ein ewiges Königtum verliehen. Damit kann im Zusammenhang nur das Volk Israel gemeint sein, das heißt, der Teil des Volkes, der in der Religionsverfolgung der Makkabäerzeit treu zum Gesetz Gottes steht: der Rest, von dem schon die alten Propheten gesprochen haben. Dieses „Volk der Heiligen“ wird in die Nähe Gottes erhöht. Für unser heutiges Denken ist es schwer vorstellbar, dass eine Gestalt zugleich als Volk und als Einzelperson zu denken ist; wir haben hier die gleiche Schwierigkeit wie bei der Gestalt des Gottesknechts im Buch Jesaja. Wenn Jesus sich als den Menschensohn versteht, sagt er damit auch, dass er in sich den Rest Israels verkörpert und dass mit seiner Erhöhung die Geschichte des neuen Gottesvolkes beginnt. - Zu 7,18: Apg 9,13. - Zu 7,21-22: Offb 11,7; 13,7; 20,4; Mt 19,28. - Zu 7,24: Offb 17,12. - Zu 7,25: Dan 8,14; 12,7.12; Offb 12,14. - Zu 7,27: Ps 29,11; Offb 11,15; Weish 3,8.

 

 

ERSTE Lesung

Dan 7, 15-27

Die Herrschaft und Macht und die Herrlichkeit aller Reiche werden dem Volk der Heiligen des Höchsten gegeben

Lesung aus dem Buch Daniel

15Ich, Daniel, war im Geist bekümmert, und was mir vor Augen stand, erschreckte mich.

16Ich wandte mich an einen der Umstehenden und bat ihn, mir das alles genau zu erklären. Er deutete mir die Vorgänge und sagte:

17Diese großen Tiere, vier an der Zahl, bedeuten vier Könige, die sich auf der Erde erheben werden.

18Das Königtum aber werden die Heiligen des Höchsten erhalten, und sie werden es behalten für immer und ewig.

19Dann wollte ich noch Genaueres über das vierte Tier erfahren, das Tier, das anders war als alle anderen, ganz furchtbar anzusehen, mit Zähnen aus Eisen und mit Klauen aus Bronze, das alles fraß und zermalmte, und was übrig blieb, mit den Füßen zertrat.

20Auch wollte ich Genaueres erfahren über die zehn Hörner an seinem Kopf und über das andere Horn, das emporgewachsen war und vor dem die drei Hörner abgefallen waren, das Horn, das Augen und einen Mund hatte, der anmaßend redete, und das schließlich größer als die anderen zu sein schien.

21Ich sah dieses Horn gegen die Heiligen kämpfen. Es überwältigte sie,

22bis der Hochbetagte kam. Da wurde den Heiligen des Höchsten Recht verschafft, und es kam die Zeit, in der die Heiligen das Königtum erhielten.

23Der Engel antwortete mir: Das vierte Tier bedeutet: Ein viertes Reich wird sich auf der Erde erheben, ganz anders als alle anderen Reiche. Es wird die ganze Erde verschlingen, sie zertreten und zermalmen.

24Die zehn Hörner bedeuten: In jenem Reich werden zehn Könige regieren; doch nach ihnen kommt ein anderer. Dieser ist ganz anders als die früheren. Er stürzt drei Könige,

25er lästert über den Höchsten und unterdrückt die Heiligen des Höchsten. Die Festzeiten und das Gesetz will er ändern. Ihm werden die Heiligen für eine Zeit und zwei Zeiten und eine halbe Zeit ausgeliefert.

26Dann aber wird Gericht gehalten. Jenem König wird seine Macht genommen; er wird endgültig ausgetilgt und vernichtet.

27Die Herrschaft und Macht und die Herrlichkeit aller Reiche unter dem ganzen Himmel werden dem Volk der Heiligen des Höchsten gegeben. Sein Reich ist ein ewiges Reich, und alle Mächte werden ihm dienen und gehorchen.

 

 

Antwortpsalm

Dan 3, 82.83.84.85.86.87 (R: 82b)

82      Preist den Herrn, ihr Menschen.

(GL neu 619, 2)

          R Lobt und rühmt ihn in Ewigkeit!

 

83      Preist den Herrn, ihr Israeliten.

          R Lobt und rühmt ihn in Ewigkeit!

84      Preist den Herrn, ihr seine Priester.

          R Lobt und rühmt ihn in Ewigkeit!

85      Preist den Herrn, ihr seine Knechte.

          R Lobt und rühmt ihn in Ewigkeit!

86      Preist den Herrn, ihr Geister und Seelen der Gerechten.

          R Lobt und rühmt ihn in Ewigkeit!

87      Preist den Herrn, ihr Demütigen und Frommen.

          R Lobt und rühmt ihn in Ewigkeit!

 

 

Jahr II

Zur Lesung Am Ende der Offenbarung kehren die Bilder des Anfangs wieder: der Paradiesesstrom, der Baum des Lebens, der Sieg des Lichts über die Finsternis. Gott, der alles aus dem Nichts erschaffen hat, kann am Ende sagen: „Ich mache alles neu“ (Offb 21,5). Er allein hat die Macht dazu. Die Menschen können Revolutionen machen, Systeme ändern, sie werden es immer wieder mit dem alten Menschen zu tun haben. Den neuen, erneuerten Menschen kann nur Gott schaffen. Er schafft ihn von innen her: indem er selbst in den Raum des Menschen eingeht. Mit dem Opfer des Lammes hat die neue Menschheit und mit ihr die neue Schöpfung begonnen. Noch ist sie verhüllt; wenn die Enthüllung, die „Apokalypse“ geschieht, hat die Geschichte ihr Ziel erreicht. - Mit 22,6-7 beginnt das Ende des Buches; auch dieses Ende schaut auf den Anfang zurück, auf die ersten Verse (1,1-3). Dort wurde „selig“ genannt, wer die Worte dieses Buches vorliest und wer sie hört und an ihnen festhält. In 22,7 steht die Sechste der sieben „Seligkeiten“ dieses Buches. Sie sagt uns mit aller Deutlichkeit, um was es in diesem ganzen Buch geht: nicht um phantastische Spekulationen, sondern allein darum, dass die Christen ihre Situation in dieser vergehenden Welt und in der kommenden Welt Gottes begreifen und ihr gehorchen. - Zu 22,1-5: Gen 2,8-9; Ez 47,1-12; Sach 14,8-11; Gen 1,3; Jes 60,19-20. - Zu 22,7 („Selig, wer ...“): Offb 1,3; 14,13; 16,15; 19,9; 20,6; 22,7; 22,14.

 

 

ERSTE Lesung

Offb 22, 1-7

Es wird keine Nacht mehr geben, denn der Herr wird über ihnen leuchten

Lesung aus der Offenbarung des Johannes

1Der Engel des Herrn zeigte mir einen Strom, das Wasser des Lebens, klar wie Kristall; er geht vom Thron Gottes und des Lammes aus.

2Zwischen der Straße der Stadt und dem Strom, hüben und drüben, stehen Bäume des Lebens. Zwölfmal tragen sie Früchte, jeden Monat einmal; und die Blätter der Bäume dienen zur Heilung der Völker.

3Es wird nichts mehr geben, was der Fluch Gottes trifft. Der Thron Gottes und des Lammes wird in der Stadt stehen, und seine Knechte werden ihm dienen.

4Sie werden sein Angesicht schauen, und sein Name ist auf ihre Stirn geschrieben.

5Es wird keine Nacht mehr geben, und sie brauchen weder das Licht einer Lampe noch das Licht der Sonne. Denn der Herr, ihr Gott, wird über ihnen leuchten, und sie werden herrschen in alle Ewigkeit.

6Und der Engel sagte zu mir: Diese Worte sind zuverlässig und wahr. Gott, der Herr über den Geist der Propheten, hat seinen Engel gesandt, um seinen Knechten zu zeigen, was bald geschehen muss.

7Siehe, ich komme bald. Selig, wer an den prophetischen Worten dieses Buches festhält.

 

 

Antwortpsalm

Ps 95 (94), 1-2.4-5.6-7 (R: 1 Kor 16, 22b u. Offb 22, 20c)

          R Marana tha. - Komm, Herr Jesus! - R

(GL neu 634, 6)

1        Kommt, lasst uns jubeln vor dem Herrn

VIII. Ton

          und zujauchzen dem Fels unsres Heiles!

2        Lasst uns mit Lob seinem Angesicht nahen,

          vor ihm jauchzen mit Liedern! - (R)

4        In seiner Hand sind die Tiefen der Erde,

          sein sind die Gipfel der Berge.

5        Sein ist das Meer, das er gemacht hat,

          das trockene Land, das seine Hände gebildet. - (R)

6        Kommt, lasst uns niederfallen, uns vor ihm verneigen,

          lasst uns niederknien vor dem Herrn, unserm Schöpfer!

7        Denn er ist unser Gott,

          wir sind das Volk seiner Weide,

          die Herde, von seiner Hand geführt. - R

 

 

Jahr I und II

Ruf vor dem Evangelium

Vers: vgl. Lk 21, 36

Halleluja. Halleluja.

Wacht und betet allezeit,

damit ihr hintreten könnt vor den Menschensohn.

Halleluja.

 

 

Zum Evangelium „Jener Tag“ ist der Tag des Menschensohnes (Lk 21,27). Er kommt nicht unvorbereitet, und doch besteht die Gefahr, dass er die Menschen „plötzlich überrascht“ (V. 34). Daher am Schluss der ganzen Rede die eindringliche Mahnung: „Wacht und betet allezeit ...“. Die Offenbarung des Menschensohnes ist nicht nur ein Ereignis der Zukunft. Seit seiner Auferstehung ist Christus der verherrlichte Herr (Mk 14,62; Offb 1,7); die alternde, vergehende Welt ist zu einer in Wirklichkeit schon vergangenen Welt geworden, die neue Schöpfung ist im Werden. Wenn Christus in Herrlichkeit kommt, wird das für ihn keine neue Situation bedeuten; für uns wird es die abschließende Bestätigung dessen sein, was sich mit Jesus von Nazaret ereignet hat, die universale Offenbarung dessen, was er ist, aber auch dessen, was wir sind - vor ihm. - Mt 24,43-51; Mk 13,33-37; Lk 17,26-30; Röm 13,13; 1 Thess 5,1-8.

 

 

Evangelium

Lk 21, 34-36

Wacht, damit ihr allem, was geschehen wird, entrinnen könnt

+ Aus dem heiligen Evangelium nach Lukas

In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern:

34Nehmt euch in acht, dass Rausch und Trunkenheit und die Sorgen des Alltags euch nicht verwirren und dass jener Tag euch nicht plötzlich überrascht,

35so wie man in eine Falle gerät; denn er wird über alle Bewohner der ganzen Erde hereinbrechen.

36Wacht und betet allezeit, damit ihr allem, was geschehen wird, entrinnen und vor den Menschensohn hintreten könnt.

 

 

FÜRBITTEN

Durch Jesus Christus gehen Gottes Verheißungen in Erfüllung. Ihn bitten wir:

Stärke unsere Hoffnung auf einen neuen Himmel und eine neue Erde. (Stille) Christus, höre uns.

A.: Christus, erhöre uns.

Fördere alles, was Schranken der Vorurteile und des Hasses zwischen den Menschen beseitigt. (Stille) Christus, höre uns.

Steh den Sterbenden in ihrer Todesstunde zur Seite. (Stille) Christus, höre uns.

Mach uns bereit, dir jederzeit zu begegnen. (Stille) Christus, höre uns.

Allmächtiger Gott, in der Wiederkunft deines Sohnes wird ein ewiges Reich der Liebe und des Friedens offenbar werden. Lass uns darin ewig wohnen durch ihn, Christus, unseren Herrn.

A.: Amen.

 

 

„Der Bibel  geht es im Reden vom Anfang wie im Reden vom Ende nicht darum, dass wir uns von Anfang und Ende ein Bild machen. Wir kennen den Anfang nicht, und wir kennen das Ende nicht, auch nicht aus der Bibel. Es geht ihr im Reden von Anfang und Ende vielmehr darum, dass die Geschichte, je von dem Ort aus, an dem wir in ihr stehen, universal verstanden werde, und das heißt von Gott herkommend und zu Gott hinführend. Es geht ihr darum, dass das Ganze unserer Welt und ihrer Geschichte einen Sinn hat, der von jedem Ort in dieser Geschichte im Glauben bejaht werden kann; der jeden Menschen mit diesem Ganzen zu verbinden vermag.

Darum hat es seinen guten und tiefen Sinn, dass die Bibel, wie wir sie heute lesen, eine Geschichte darstellt, die mit der Schöpfung des Alls beginnt und mit dem Ende der Welt schließt und damit jede Epoche der Geschichte und jeden Menschen an seinem Ort in der Geschichte in den Zusammenhang stellt, den der Anfang des 90. Psalms meint.

Herr Gott, du bist unsere Zuflucht für und für;

ehe denn die Berge

und die Erde und die Welt geschaffen wurden,

bist du, Gott, von Ewigkeit zu Ewigkeit“ (C. Westermann).

 

Schott Tagesliturgie

 

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