Schott Tagesliturgie

DIENSTAG DER 29. WOCHE IM JAHRESKREIS

 

TAGESGEBET

Barmherziger Gott,

du selber weckst in uns das Verlangen,

dir zu dienen.

Heilige uns durch Werke der Buße,

erleuchte und stärke uns,

damit wir treu den Weg deiner Gebote gehen.

Darum bitten wir durch Jesus Christus. (MB 131)

 

Oder ein anderes Tagesgebet

 

 

Jahr I

Zur Lesung  Alles, was Paulus in den vorausgehenden Kapiteln vom (richtenden) Zorn Gottes und von seiner rettenden Gerechtigkeit gesagt hat, strömt in dem Abschnitt Röm 5,12-21 zusammen. Die Horizonte werden hier weiter und zugleich klarer. Zwischen Adam und Christus verläuft die Geschichte der Menschheit: zwischen dem ersten und dem zweiten (letzten) Adam. Dabei handelt es sich nicht nur um einen zeitlichen Ablauf, sondern um eine Art von polarer Wirklichkeit. Als Sünder stehen wir alle in Beziehung zum ersten Adam (5,12), als Erlöste gehören wir zu Jesus Christus. Beide stehen für die gesamte Menschheit, aber auf ungleiche Weise. Die Erlösung ist nicht einfach Wiederherstellung, der Weg zurück hinter die Ursünde zum ursprünglichen ersten Adam. Weil die Sünde mächtig wurde, darum ist die Gnade übergroß geworden (V. 20). Durch seine Menschwerdung und seine „gerechte“ Tat (V. 18), d. h. durch seinen Gehorsam bis zum Tod am Kreuz, hat Jesus das gesühnt und wieder gutgemacht, was Adam verdorben hatte. Die Ursünde Adams und aller Menschen (V. 12) ist die Selbstbehauptung, die Auflehnung gegen Gott. Alle sind dem Gericht verfallen; aber alle werden (im Gericht) zu Gerechten gemacht werden (V. 19) und werden leben dank der „Gnadentat des einen Menschen Jesus Christus“ (V. 15). Durch ihn, den zweiten Adam, ist die neue Gerechtigkeit möglich geworden, die Gerechtigkeit aus Glauben, die Gott denen umsonst gibt, die an Jesus Christus glauben. - Gen 2,17; 3,19; 1 Kor 15,21-22; Jes 53,11; Röm 6,23.

 

 

ERSTE Lesung

Röm 5, 12.15b.17-19.20b-21

Ist durch die Übertretung des einen der Tod zur Herrschaft gekommen, so werden erst recht alle leben und herrschen durch den einen, Jesus Christus

Lesung aus dem Brief des Apostels Paulus an die Römer

Brüder!

12Durch einen einzigen Menschen kam die Sünde in die Welt und durch die Sünde der Tod, und auf diese Weise gelangte der Tod zu allen Menschen, weil alle sündigten.

15bSind durch die Übertretung des einen die vielen dem Tod anheim gefallen, so ist erst recht die Gnade Gottes und die Gabe, die durch die Gnadentat des einen Menschen Jesus Christus bewirkt worden ist, den vielen reichlich zuteil geworden.

17Ist durch die Übertretung des einen der Tod zur Herrschaft gekommen, durch diesen einen, so werden erst recht alle, denen die Gnade und die Gabe der Gerechtigkeit reichlich zuteil wurde, leben und herrschen durch den einen, Jesus Christus.

18Wie es also durch die Übertretung eines einzigen für alle Menschen zur Verurteilung kam, so wird es auch durch die gerechte Tat eines einzigen für alle Menschen zur Gerechtsprechung kommen, die Leben gibt.

19Wie durch den Ungehorsam des einen Menschen die vielen zu Sündern wurden, so werden auch durch den Gehorsam des einen die vielen zu Gerechten gemacht werden.

20bWo jedoch die Sünde mächtig wurde, da ist die Gnade übergroß geworden.

21Denn wie die Sünde herrschte und zum Tod führte, so soll auch die Gnade herrschen und durch Gerechtigkeit zu ewigem Leben führen, durch Jesus Christus, unseren Herrn.

 

 

Antwortpsalm

Ps 40 (39), 7-8.9-10.17 (R: vgl. 8a.9a)

          R Mein Gott, ich komme;

(GL neu 624, 5)

          deinen Willen zu tun macht mir Freude. - R
7        An Schlacht- und Speiseopfern hast du keinen Gefallen,

V. Ton

          Brand- und Sündopfer forderst du nicht.

          Doch das Gehör hast du mir eingepflanzt;

8        darum sage ich: Ja, ich komme.

          In dieser Schriftrolle steht, was an mir geschehen ist. - (R)

9        Deinen Willen zu tun, mein Gott, macht mir Freude,

          deine Weisung trag‘ ich im Herzen.

10      Gerechtigkeit verkünde ich in großer Gemeinde,

          meine Lippen verschließe ich nicht; Herr, du weißt es. - (R)

17      Alle, die dich suchen frohlocken;

          sie mögen sich freuen in dir.

          Die dein Heil lieben, sollen immer sagen:

          Groß ist Gott, der Herr. - R

 

 

Jahr II

Zur Lesung  In den Versen 12-13 werden ausdrücklich Heidenchristen angesprochen. Was sie „einst“ ohne Christus waren, das können sie erst jetzt begreifen, nachdem sie „in Christus“ sind. Aber waren nicht auch die Juden einst ohne Christus? Sicher ohne den Christus des christlichen Glaubens, aber sie hatten die Verheißungen (V. 12) und Hoffnung. „Jetzt aber“ (V. 13) ist die große Wende geschehen, durch das Blut Christi, durch seinen Kreuzestod. Er ist „unser Friede“ in zweifachem Sinn (V. 14-18): 1. Er hat den Riss geheilt, der durch die Menschheit ging, die „trennende Wand der Feindschaft“ niedergelegt. Das jüdische Gesetz war eine Mauer, die Juden und Heiden trennte; Christus, Ziel und Ende des Gesetzes, hat aus beiden das eine Volk Gottes gemacht; und er hat 2. diesem einen Volk den Zugang zum Vater geöffnet. Die Verse 19-22 ziehen daraus die Folgerung: Die Heiden haben Heimatrecht in der Stadt Gottes; ja sie sind selbst Haus Gottes, Tempel Gottes geworden. Dieser Tempel ist noch im Bau; er hat Festigkeit und Wachstum durch die dynamische Gegenwart Christi und seines Geistes. - Zu 2,12-13: Röm 1-3; Jes 57,19. - Zu 2,14-18: Jes 9,5; Mi 5,4; Kol 1,20-22; Röm 5,10; 2 Kor 5,18-20; 1 Petr 3,18. - Zu 2,19-22: Jes 28,16; Röm 15,20; 1 Kor 3,10-11; 2 Kor 6,16; Eph 4,11-12; Offb 21,14; 1 Kor 3,16; 1 Petr 2,5.

 

 

ERSTE Lesung

Eph 2, 12-22

Er ist unser Friede; er vereinigte Juden und Heiden

Lesung aus dem Brief des Apostels Paulus an die Epheser

Brüder!

12Einst wart ihr von Christus getrennt, der Gemeinde Israels fremd und von dem Bund der Verheißung ausgeschlossen; ihr hattet keine Hoffnung und lebtet ohne Gott in der Welt.

13Jetzt aber seid ihr, die ihr einst in der Ferne wart, durch Christus Jesus, nämlich durch sein Blut, in die Nähe gekommen.

14Denn er ist unser Friede. Er vereinigte die beiden Teile - Juden und Heiden - und riss durch sein Sterben die trennende Wand der Feindschaft nieder.

15Er hob das Gesetz samt seinen Geboten und Forderungen auf, um die zwei in seiner Person zu dem einen neuen Menschen zu machen. Er stiftete Frieden

16und versöhnte die beiden durch das Kreuz mit Gott in einem einzigen Leib. Er hat in seiner Person die Feindschaft getötet.

17Er kam und verkündete den Frieden: euch, den Fernen, und uns, den Nahen.

18Durch ihn haben wir beide in dem einen Geist Zugang zum Vater.

19Ihr seid also jetzt nicht mehr Fremde ohne Bürgerrecht, sondern Mitbürger der Heiligen und Hausgenossen Gottes.

20Ihr seid auf das Fundament der Apostel und Propheten gebaut; der Schlussstein ist Christus Jesus selbst.

21Durch ihn wird der ganze Bau zusammengehalten und wächst zu einem heiligen Tempel im Herrn.

22Durch ihn werdet auch ihr im Geist zu einer Wohnung Gottes erbaut.

 

 

Antwortpsalm

Ps 85 (84), 9-10.11-12.13-14 (R: 9b)

          R Frieden verkündet der Herr seinem Volk. - R

(GL neu 633, 5)

9        Ich will hören, was Gott redet:

II. Ton

          Frieden verkündet der Herr seinem Volk

          und seinen Frommen, den Menschen mit redlichem Herzen.

10      Sein Heil ist denen nahe, die ihn fürchten.

          Seine Herrlichkeit wohne in unserm Land. - (R)

11      Es begegnen einander Huld und Treue;

          Gerechtigkeit und Friede küssen sich.

12      Treue sprosst aus der Erde hervor,

          Gerechtigkeit blickt vom Himmel hernieder. - (R)

13      Auch spendet der Herr dann Segen,

          und unser Land gibt seinen Ertrag.

14      Gerechtigkeit geht vor ihm her,

          und Heil folgt der Spur seiner Schritte. - R

 

 

Jahr I und II

Ruf vor dem Evangelium

Vers: vgl. Lk 21, 36

Halleluja. Halleluja.

Wacht und betet allezeit,

damit ihr hintreten könnt vor den Menschensohn.

Halleluja.

 

 

Zum Evangelium Die Zeit des Evangelisten Lukas weiß, dass Jesus als Menschensohn und Weltenrichter kommen wird, aber sie weiß nichts über den Zeitpunkt dieses Kommens (Apg 1,7), und sie beginnt zu begreifen, dass bis dahin noch viel Zeit vergehen wird - die ganze Zeit der Kirchengeschichte, deren Anfang Lukas in der Apostelgeschichte dargestellt hat. Wie lange es bis zum Ende noch dauern wird, ist im Grunde unwichtig gegenüber der Tatsache, dass es sicher bevorsteht. Plötzlich wird es da sein, wird Er da sein, vielleicht erst am Ende einer langen Wartezeit, „in der zweiten oder dritten Nachtwache“ (V. 38). Wachsamkeit und Treue sind die Grundhaltungen des Christen in dieser Zeit. Zur Wachsamkeit mahnt das Bildwort vom Gürtel und der brennenden Lampe (V. 35-36); die Verse 37-38 sagen außerdem, was der Herr für die Knechte bereithält, die auf ihn gewartet haben, ohne zu erlahmen: er selbst wird ihr Lohn sein. Die Tischgemeinschaft mit ihm bedeutet Lebensgemeinschaft und Freude ohne Ende. - 1 Petr 1,13; Mt 25,1-13.

 

 

Evangelium

Lk 12, 35-38

Selig die Knechte, die der Herr wach findet, wenn er kommt

+ Aus dem heiligen Evangelium nach Lukas

In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern:

35Legt euren Gürtel nicht ab, und lasst eure Lampen brennen!

36Seid wie Menschen, die auf die Rückkehr ihres Herrn warten, der auf einer Hochzeit ist, und die ihm öffnen, sobald er kommt und anklopft.

37Selig die Knechte, die der Herr wach findet, wenn er kommt! Amen, ich sage euch: Er wird sich gürten, sie am Tisch Platz nehmen lassen und sie der Reihe nach bedienen.

38Und kommt er erst in der zweiten oder dritten Nachtwache und findet sie wach - selig sind sie.

 

 

FÜRBITTEN

Wir bitten unseren Herrn Jesus Christus, der einst wiederkommen wird:

Mach allen Christen bewusst, dass sie dir Rechenschaft schuldig sind.

A.: Herr, erhöre unser Gebet.

Unterstütze alle, die sich für mehr Gerechtigkeit zwischen den sozialen Gruppen einsetzen.

Lass die Notleidenden nicht im Stich, und gib ihnen Helfer.

Sei den Verstorbenen ein gnädiger Richter.

Allmächtiger Gott, dein Sohn wird unerwartet wiederkommen. Gib, dass wir mit seiner Ankunft rechnen durch ihn, Christus, unseren Herrn.     A.: Amen.

 

 

„DIE SÜNDE dringt in die Welt ein wie ein Keim ins Erdreich; sie treibt neue Sünden hervor. Paulus bezeichnet sie im Römerbrief sogar als persönliche Kraft, er spricht von ihrem Eintritt in die Welt, ihrem Machtbereich, ihrer Herrschaft (Röm 5,12-21; 6,14). Adam ist nicht Urheber der Sünde, er hat sie nur eingelassen, indem er ihr erlaubte, in der Welt Wurzel zu fassen und sich auszubreiten. Die Sünde widersetzt sich also dem Reich Gottes immer stärker; es bedarf einer Gotteskraft, die unablässig wirkt, um zu verhindern, dass sie ihre Früchte hervorbringt. Diese Gotteskraft kommt vom Kreuze Christi, es ist die in der Welt wirkende Erlösung (Yves de Montcheuil).

Schott Tagesliturgie

 

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